In jeder heiligen Messe begegnen wir Gott ganz real. Hier öffnet sich sozusagen das Tor zum Himmel. Gott ist wirklich da. In dieser Serie zeigen wir dir, wie die Messe für dich zu dieser geheimnisvollen Begegnung werden kann.

Text: Michi Cech

Wir haben gerade das große „Geheimnis des Glaubens“ erlebt. Gott macht sich zu Brot. Wir sehen das Brot, aber es ist Gott selbst. Er ist jetzt wirklich hier. In diesem Punkt sprengt unser Glaube den Verstand total. Wir können das nicht verstehen, aber glauben. In jeder heiligen Messe passiert sozusagen jedes Mal ein echtes Wunder, etwas Über-Natürliches. Brot und Wein werden verwandelt. Nach der Wandlung kommt nun ein Teil in der Messe, der uns immer wieder etwas lang vorkommt, weil der Priester einige Gebete spricht, die uns anscheinend nicht so wirklich betreffen. Aber das stimmt ganz und gar nicht. Und so wollen wir einmal diese Gebete nach der Wandlung bis zum Vater Unser etwas genauer anschauen.

Dieses Gebet beginnt mit den Worten: „Darum, gütiger Vater, feiern wir das Gedächtnis deines Sohnes: Wir verkünden sein heilbringendes Leiden, seine glorreiche Auferstehung und Himmelfahrt und erwarten seine Wiederkunft.“ Der Priester spricht stellvertretend für uns mit Gott Vater. Wie eigentlich zumeist beim Beten in der Messe. Wir „feiern“ das, was Jesus, Gottes Sohn, für uns getan hat. Aber das Gebet richtet sich zuerst an den Vater, weil er der Urheber von allem ist, unser Schöpfer. Warum heißt es eigentlich „darum“? „Darum, gütiger Vater, feiern wir das Gedächtnis…“ Wir feiern nicht, weil wir uns irgendein Recht herausnehmen könnten, dieses Gedächtnis seiner Gegenwart aus eigener Kraft irgendwie „zu machen“, sondern weil es Jesus selbst gesagt hat: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“

Und was ist dieses „Gedächtnis“? Es geht eigentlich nicht nur um ein gemeinschaftliches „Mahl Halten“, also um gemeinsam zu essen und Gemeinschaft zu erleben. Es geht vielmehr um „sein heilbringendes Leiden und seine Auferstehung“. Das Gedächtnis an das, was Jesus getan hat: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“ Durch seine Hingabe wird „Wandlung“ möglich, von Brot und Wein in Leib und Blut Jesu, von unserem armen Herzen in ein etwas heiligeres Herz. Jemand hat einmal gesagt: „Wandlung heißt nicht nur, dass Brot in Leib und Wein in Blut Christi verwandelt werden. Das Entscheidende, das verwandelt werden soll, ist das, was die zerriebenen Weizenkörner und zertretenen Traubenbeeren bedeuten: die von Arbeit und Leid aufgeriebenen oder in ihrer Menschenwürde zertretenen Menschen.“ Es geht also auch um unsere „Wandlung“.

Der Priester betet weiter: „So bringen wir dir mit Lob und Dank dieses heilige und lebendige Opfer dar. Schau gütig auf die Gabe deiner Kirche.“ Mit Opfer ist letztlich die Hingabe Jesu am Kreuz gemeint. Aber es bedeutet auch wieder unsere eigene Hingabe. Wir schenken Gott alles, was unser Leben ausmacht, was uns schwerfällt oder Freude macht. Im Gebet hören wir deshalb weiter: „Stärke uns durch den Leib und das Blut deines Sohnes und erfülle uns mit seinem Heiligen Geist, damit wir ein Leib und ein Geist werden in Christus.“ Wenn wir also dieses „Gedächtnis feiern“, dann denken wir daran, dass es um Wandlung geht. Dinge können sich ändern, weil Jesus sich uns gibt. Und wir bitten den Heiligen Geist, dass auch wir lernen, zur Gabe zu werden wie Christus. Wir bitten Gott, dass er uns verwandelt.

Manchmal gehen wir in die Messe gedankenlos oder nur aus Pflichtbewusstsein. Dabei haben wir in jeder heiligen Messe die Chance, dass sich etwas ändert. Dass wir selbst und die Dinge um uns verwandelt werden. Denken wir daran: Gott ist wirklich da. Wenn wir in dieser Erwartung die Messe mitfeiern, dann werden wir eine ganz neue Erfahrung von der Messe machen. In dem Bewusstsein, dass Gott jetzt wirklich gegenwärtig ist, folgen nun auch noch einige konkrete Bitten. Wir bitten, dass wir zur Gabe werden können, wir beten für den Frieden in der Welt, für uns selbst, für alle, die fern von Gott sind, und auch für die Verstorbenen. Dieser Moment ist sehr gewaltig, wenn wir sehen könnten, was wirklich passiert. Wir stehen sozusagen alle gemeinsam vor dem Thron des Allerhöchsten, mit dem Priester als unseren Stellvertreter und Christus, der sich dem Vater am Kreuz hingibt. So wird bei diesem Gebet auch an die große Gemeinschaft der ganzen Kirche gedacht, an die Heiligen im Himmel, an unsere Hirten, den Papst und die Bischöfe und an jeden von uns selbst. Mit den Augen des Glaubens wird dieses lange Gebet eigentlich zu einem gewaltigen Moment!

Dieses Gebet schließt mit der bekannten Formel: „Durch ihn und mit ihm und in ihm ist dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre jetzt und in Ewigkeit.“ Und wir antworten: „Amen.“ Und es liegt an dir, ob dieses Amen eine Bedeutung hat, wie: „Endlich ist der Priester vorne fertig und es geht wieder weiter…“ oder ob es bedeutet: „Wow! Ich bin gerade ziemlich geflasht, was hier abgeht. Der große allmächtige Gott, unser Vater im Himmel, ist hier wirklich vor mir. Und mit Jesus und durch seine Hingabe am Kreuz darf ich bei ihm sein. Danke, was du, Vater, für uns getan hast und tust. Eben bis in die Ewigkeit!“

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