TEIL 15

In jeder heiligen Messe begegnen wir Gott ganz real. Hier öffnet sich sozusagen das Tor zum Himmel. Gott ist wirklich da. In dieser Serie zeigen wir dir, wie die Messe für dich zu dieser geheimnisvollen Begegnung werden kann.

Text: Michi Cech und P. Thomas Figl

Und wieder sind wir an einem sehr mystischen Punkt der heiligen Messe angelangt. Wir haben das Gebet Jesu, das Vater Unser gebetet, gleichsam mit Jesus gemeinsam an den Vater gerichtet. Denn Jesus, die zweite Person der göttlichen Dreifaltigkeit, ist in Form des Brotes und des Weines vorne am Altar wirklich und real gegenwärtig.

Es ist wie damals, als die Jünger nach seinem Tod versammelt waren und der Auferstandene mitten durch verschlossene Türen zu ihnen kam. Und er sagte zu Thomas: „Selig sind, die nicht sehen, und doch glauben.“ Damit sind wir gemeint. Wir sehen nur Brot. Und doch glauben wir, dass es stimmt, was er versprochen hat.

Und was war es, das Jesus seinen Jüngern gesagt hat, als er so zu ihnen kam? Er sprach ihnen den Frieden zu. „Der Friede sei mit euch!“ Friede. – Wir wissen, dass Friede etwas Wertvolles ist. Wir sind dankbar, dass wir nicht in einen Krieg verwickelt sind. Das ist bei Weitem nicht überall auf der Welt so. Auch heute. Und doch spricht Jesus noch von einem ganz anderen Frieden. Der Priester wiederholt nun die Worte, die Jesus noch vor seinem Tod gesagt hat: „Der Herr hat zu seinen Aposteln gesagt, Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch!“ Vielleicht weißt du, wie das Zitat in der Bibel weitergeht. Dort heißt es: „Nicht wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch.“

Wie kann das gemeint sein? Jesus will hier klar machen, dass sein Friede noch viel tiefer geht, als der äußere Friede. Und er hat den Aposteln damals ja nicht den Frieden mit den Römern, den Besatzern gebracht. Immerhin sind fast alle Apostel als Märtyrer gestorben. Was Jesu Frieden nämlich nicht ist, das ist ein fauler Kompromiss. Er bedeutet nicht, alle Spannungen zuzudecken, nur damit äußerlich alles friedlich wirkt. Denn wer für etwas einstehen möchte, der wird gewissen Unannehmlichkeiten nicht aus dem Weg gehen können. Jede Entscheidung ist auch eine Scheidung und das kann schmerzlich sein.

Wovon Jesus also spricht, ist der Friede des Herzens. Tiefer innerer Friede. Ist das nicht das, wonach sich jeder von uns sehnt? Es ist der Friede eines reinen Gewissens. Und wenn wir ehrlich sind, kennen wir das alle. Dort tief drinnen in uns tobt so oft ein Krieg. So viel belastet uns. Wenn wir Dinge tun, von denen wir wissen, dass sie nicht richtig sind, dass sie nicht der Wahrheit entsprechen, dann spüren wir, dass wir diesen inneren Frieden verlieren. Und dann sagt Jesus: „Ich gebe euch meinen Frieden. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“ Das ist es sogar im Letzten, was wir meinen, wenn wir sagen, Christus hat uns „erlöst“. Er bläst sozusagen den Unfrieden aus unserem Herzen und füllt es mit seinem Frieden.

Wir sind kurz vor der Kommunion, wo wir Jesus ganz aufnehmen werden, wo er in unser Herz kommt, um genau das zu tun, uns den Frieden zu schenken. Und das ist so gewaltig! Es stimmt, wir können Jesus im Brot und im Wein nicht sehen und nicht schmecken. Aber den Frieden werden wir erfahren. Das heißt nicht, dass man sich innerlich immer super fühlt. Aber den Frieden im Herzen haben wir auch dann, wenn es äußere Schwierigkeiten gibt, schmerzhafte Dinge, die uns zerreißen. Das gilt nicht nur für besonders Heilige. Sei ganz bewusst bei der Messe dabei, und du wirst das selbst entdecken können!

In diesem dichten Augenblick, in dem wir uns an dieser Stelle der Messe befinden, spricht der Priester weiter, sein Blick fest auf die Hostie vor ihm gerichtet: „So bitten wir: Herr, schau nicht auf unsere Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche, und schenke ihr nach deinem Willen Einheit und Frieden!“ Die Bitte um Frieden ist gekoppelt mit der Bitte um echte Einheit. Für die Einheit unter seinen Jüngern hat Jesus selbst gebetet. Eines der wenigen Gebete, die wir von Jesus wissen. Wo es Einheit gibt, gibt es Frieden, und der Friede wird ausstrahlen. Aber gerade auch in unsere Schwäche und in unsere Un-Einheit tritt Jesus. Und so ruft jetzt der Priester: „Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch!“ Wir antworten: „Und mit deinem Geiste!“

Direkt vom Altar aus, von Jesus in der Hostie, wird uns der Friede Christi zugerufen und wir geben diesen Frieden jetzt einander weiter durch den Friedensgruß. Manchmal sagt der Priester oder der Diakon: „Gebt einander ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung!“ Ohne Versöhnung gibt es keinen Frieden. Aber wenn wir nun dem Nachbarn die Hand reichen, sagen wir nicht „Entschuldigung“, sondern „Der Friede sei mit dir!“ Das ist auch nicht der Ort in der heiligen Messe für eine große Begrüßungsaktion, sondern wir wünschen dem Nächsten aus ganzem Herzen, diesen tiefen inneren Frieden, den der auferstandene Jesus jetzt schenkt. „Der Friede sei mit dir!“ Das ist wie ein Segen, den wir einander zusprechen und der von Jesus ausgeht. Er ist es, der mit dem Vater versöhnt und uns ermöglicht, dass wir uns mit uns selbst versöhnen können. Sein Friede trifft uns tief drinnen, mitten ins Herz. Mach es jetzt einfach weit auf!

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