Virtual Reality – die Virtuelle Realität

Mit einem Raumschiff durchs Sonnensystem rasen oder Free-Climbing in schwindelnden Höhen? Mit Virtual Reality (VR) kannst du das so hautnah erleben, als wärst du wirklich mitten drin. Alles, was du brauchst, ist eine VR-Brille, die dich in eine ganz neue Welt versetzt. Dass das eine total coole Erfahrung ist, versteht sich. Gleichzeitig verschwimmen immer mehr die Grenzen, was wirklich real ist und was nicht.

Was virtuelle Realität ist, wo sie eingesetzt wird und wie du den Bezug zur „echten“ Realität nicht verlierst, erfährst du in diesem Artikel. Abschließend kannst du noch im Selbsttest herausfinden, wie sehr du in der virtuellen Welt lebst.

Was ist Virtual Reality?

Wir kennen virtuelle Welten aus Computerspielen, wo wir Spielfiguren in einer digitalen Welt bewegen und steuern können. In der Virtual Reality (VR) wird ein digitaler Raum geschaffen, wo wir nun selbst quasi in ihr agieren können. Ein wichtiger Parameter ist dabei die „Immersion“, was das Gefühl bezeichnet, wie vollständig man in die virtuelle Welt einzutauchen scheint.

Das erforderliche Hilfsmittel dabei ist die VR-Brille, die über zwei Linsen ein dreidimensionales Bild vermittelt. Um den digitalen Raum nicht nur visuell wahrzunehmen, helfen sogenannte Kontroller oder Handscanner. So werden Handbewegungen in Echtzeit in die virtuelle Welt übertragen. Je fesselnder und interaktiver diese Welt gestaltet ist, umso größer wird der Immersionseffekt.

VR im Gaming

Brauchbare VR-Brillen für PC-Spiele oder Playstation gibt es ab 300 bis 1400 Euro, also nicht ganz billig und daher ein Grund, warum die Eroberung des Massenmarktes bisher noch ausgeblieben ist. Außerdem gibt es eine Herausforderung, nämlich das menschliche Hirn an VR zu gewöhnen. Teilweise kommt es zur „Motion Sickness“, zur Übelkeit, wenn man sich länger im virtuellen Raum befindet. Zudem ist die Brille noch etwas groß und langfristig unbequem.

Wenn die Entwickler in Zukunft diese Probleme jedoch beheben, kann man sich vorstellen, dass VR-Spiele noch mehr Suchtpotenzial haben werden, als die Games bisher. Da wird noch mehr ein verantwortungsvoller Umgang gefragt sein.

VR in der Medizin

Hast du gewusst, dass VR-Brillen aber auch in der Medizin schon erfolgreich eingesetzt werden? Zum einen gibt es Lernprogramme, wo sich Medizinstudenten Wissen aneignen, ohne auf „echten“ Menschen üben zu müssen. Auch kann der komplexe Aufbau des menschlichen Körpers durch den 3D-Effekt leichter verstanden werden. Zum anderen werden sogar Operationen vorab in VR getestet, indem zuvor Aufnahmen mit einer 360°-Kamera gemacht werden.

Und nicht zuletzt können VR-Brillen zur Schmerzlinderung eingesetzt werden, denn sie bieten eine effektive Ablenkung und setzen zudem Endorphine, also Glückshormone, frei, die schmerzlindernd wirken.

VR in der Angsttherapie

Besonders erfolgreich wird VR bereits im Bereich der Angstbewältigung angewendet. Zum Beispiel können Menschen mit Höhenangst im ungefährlichen virtuellen Raum Situationen von großen Höhen austesten und lernen so, mit ihrem Angstgefühl umzugehen, wodurch die Angst tatsächlich geringer wird, wenn sie das nächste Mal in der Realität auf so eine Situation stoßen.

VR in der Industrie

Bereits einige Konzerne nutzen VR in ihrer Entwicklung. Zum Beispiel werden für eine maschinelle Produktion Fertigungsstraßen zuerst im virtuellen Raum „gebaut“ und untersucht. So spart man Zeit und Geld und kann Produktionsabläufe optimieren. Genauso kommt VR schon in der Planung und Entwicklung verschiedener Maschinen zum Einsatz.

Schließlich wird VR zur Verkaufspräsentation genutzt. Audi hat z.B. schon VR-Showrooms und bei IKEA kann man mancherorts sein Wohnzimmer mit VR-Brille erleben.

Realität vs. Virtual Reality

Den Bezug zur realen Realität nicht verlieren

Die Faszination ist schon gigantisch: Mit VR kannst du Dinge erleben, die du sonst nie oder nur schwierig erleben könntest. Zum Beispiel den Mount Everest besteigen. Gleichzeitig müssen wir uns aber bewusst sein, dass so eine Technologie auch eine Gefahr mit sich bringt: Denn wer wird sich noch die Mühe machen, eine Wanderung auf den Hausberg von nebenan zu unternehmen, wenn du mit weniger Aufwand den Mount Everest virtuell erleben kannst?

Wie schwer fällt es uns heute schon, mal unser Smartphone zuhause zu lassen oder ein paar Tage die Spielkonsole nicht anzuwerfen? Haben wir nicht heute schon verlernt, wie wir Freundschaften im echten Leben knüpfen können, wenn die vielen Social Media Friends viel pflegeleichter sind? Alles hat seine Licht- und Schattenseiten.

VR hat ein unglaubliches Potenzial für die Menschheit. Aber gleichzeitig kann es uns sicher in eine Abhängigkeit und Lebensflucht führen, wenn wir nicht aufpassen. Schauen wir uns doch mal an: Verlieren wir nicht immer mehr den Bezug zur Realität? Es ist ja bereits jetzt schon so, dass wir spüren, dass wir uns immer wieder ganz bewusst für die Realität entscheiden müssen, was oft gar nicht so leicht ist.

Wahrscheinlich wird es in Zukunft immer mehr Bedeutung haben, sich mit Realität und Nicht-Realität auseinanderzusetzen. Was ist Realität? Was ist real? Wir haben dazu unseren YOU!Magazin Philosophie-Mönch Pater Nikodemus befragt.

Pater Nikodemus zu virtueller und „echter“ Realität:

Was ist Realität eigentlich?

Realität ist das, was dem Denken und der Wahrnehmung „vorangeht“. Also nicht, was ich mir ausdenke oder was möglich ist, sondern das, was zuerst da ist. Wahrnehmung kann mich auch täuschen. Das hat aber nichts damit zu tun, dass es die Realität nicht gibt. Die Realität ist eben da, unabhängig wie oder was ich wahrnehmen kann. Aber wir haben darum auch verschiedene Sinne und einen Verstand, mit denen wir die Wirklichkeit sehr wohl berühren können.

Also ist Realität eher das, was die Naturwissenschaft messen kann?

Nein, die Naturwissenschaft kann die Realität nicht erklären. Denn das Messen, d.h. jedes Mess-Instrument kommt aus dem Denken. Die Materie existiert aber schon vorher. Darum kommen die Naturwissenschaften nicht zum „Sein“.

Wie kann ich die Realität als real erkennen?

Versuche etwas konkret in Angriff zu nehmen und nicht nur eine Idee zu haben. Du willst einen Tisch machen? Dann versuch es mal. Du wirst erkennen, dass das Holz gewisse Eigenschaften hat, die du nicht bestimmst, sondern die schon da sind. Das ist real.

Das zweite ist die Liebe. In der Liebe hast du eine Person vor dir, die schon existiert, bevor du sie kennst. Und sie besitzt eine Freiheit, die du nicht in der Hand hast. Du kannst aber nur lieben, was real ist. Du kannst viele Ideen haben, Fotos und Freunde in den sozialen Medien, aber die Realität entdeckst du nur, wenn du rausgehst in die echte Welt und dich triffst mit echten Menschen. Auch wenn das manchmal vielleicht mühsamer ist.

Du denkst darüber nach, wie sehr du in der virtuellen Welt lebst? Nutze unseren kleinen Selbsttest als Orientierung und finde heraus, ob du der Bildschirmkönig bist, oder völlig in der Offline-Welt stehst. Oder etwas dazwischen. Viel Spaß!

Wie sehr lebst du in der virtuellen Welt?

Wie sehr lebst du in der virtuellen Welt?