Die erfolgreiche Serie über das Leben von Jesus Christus und seinen Jüngern ist anders. Aber wieso ist dieses Anders so genial?

Text: Laya Auersperg, Ines Breiner

Sie streiten, diskutieren, machen sich gegenseitig das Leben schwer oder können sich so gar nicht leiden. Das ist jetzt nicht unbedingt das erste Bild, an das man bei den Jüngern Jesu denkt, oder? Doch eigentlich waren sie genauso, wie wir, ganz normale, manchmal etwas unfähige Menschen, die Jesus ausgewählt hat, um ihm nachzufolgen.

Wenn man „The Chosen“ anschaut, fragt man sich – warum sie? Er hätte doch viel bessere Jünger finden können. Aber genau das wollte Jesus nicht. Die Jünger waren vielleicht wirklich anders, als wir sie uns oft vorstellen. Und Jesus war ganz anders, als ihn die Jünger erwartet hatten. „Get used to different“, sagt Jesus zu Simon Petrus in der Serie. Also: Gewöhn dich an anders. Anders, so wie auch „The Chosen“ selbst ganz anders ist, als wir uns einen typischen Jesusfilm vorstellen würden. Vielleicht ist das auch der Grund, warum die Serie so ein Erfolg geworden ist.

Mit anderen Augen

Die meisten Verfilmungen über das Leben Jesu fassen seine Geschichte in einem 2-Stunden-Film zusammen. Doch Dallas Jenkins, der Regisseur, Autor und Produzent von „The Chosen“, wollte es anders angehen, neu. So gibt es durch das Format der Serie genug Zeit, um die Geschichte Jesu durch die Menschen um ihn herum zu erzählen, durch die Männer und Frauen, die er ruft und die ihm nachfolgen. Durch die Menschen, die Jesus mit seinen Predigten berührt oder an denen er Wunder vollbringt. So wird die Bibel auf einmal ganz lebendig für uns. Den Anfang bildet quasi eine Pilot-Folge, ein Kurzfilm über die Geburt Jesu, die durch die Augen der Hirten erzählt wird. Diese ist auf dem offiziellen YouTube-Kanal zu sehen. In der ersten Staffel können wir dann verfolgen, wie Jesus seine Jünger beruft, seine ersten Wunder tut, wie bei der Hochzeit in Kana, oder wie er Maria Magdalena heilt. Gleichzeitig sehen wir Jesus, wie er einfach mal nur Mensch ist! Das macht „The Chosen“ auch so besonders. Jesus lacht und scherzt, weint, arbeitet hart und zeigt uns, wie normal sein Leben für damalige Verhältnisse doch war. So lernen ihn die Jünger der Reihe nach kennen. Und wir sehen Seiten an ihm, wie wir sie selten zu sehen bekommen haben.

Manchmal ein wenig unfähig…

Vielleicht nicht gerade unfähig, aber zumindest etwas unwürdig, könnte man die Apostel Simon Petrus, Andreas, Johannes, Jakobus, Matthäus usw. finden. Unwürdig fühlen sie sich selbst auch manchmal, haben Lasten zu tragen wie bei Petrus, der eine kranke Schwiegermutter und Schulden bei den Römern hat, oder Matthäus, der Zöllner, mit Autismus geschlagen und von seiner Familie und der Gesellschaft verstoßen. Und natürlich Maria Magdalena, die im Rotlichtviertel von Dämonen besessen ein Leben am Rande der Gesellschaft führt, bis Jesus sie heilt. Von da an ist ihr Leben auf den Kopf gestellt, auch sie folgt Jesus nach, erlebt zahlreiche Wunder und hilft, seine Botschaften zu verbreiten. Doch die Jünger und Jüngerinnen führen auch ein hartes Leben an der Seite ihres Rabbis, müssen viele Bequemlichkeiten aufgeben und sorgen sich oft viel zu sehr um organisatorische Dinge wie Unterkunft, Essen, Verantwortungen. Wir sehen also alltägliches Chaos, Meinungsverschiedenheiten und manchmal auch Unverständnis gegenüber den Taten und Entscheidungen Jesu. Die Jünger sind einfach ganz normal und sehr, sehr menschlich, das zeigt uns „The Chosen“.

Ein ganz großes Projekt

Zum weiteren Inhalt der Serie wollen wir gar nicht so viel verraten, das kannst du dir selbst anschauen, wenn du es nicht sowieso schon getan hast. Und das funktioniert zum Glück auch ganz einfach: entweder über die „The Chosen“-App für dein Smartphone und dann auch dein Smart-TV, falls du eines hast, oder über die dazugehörige VidAngel/AngelStudios Website im Internet. Also: Es ist gratis! Und der Grund dafür ist, dass die Serie ausschließlich über Crowdfunding, also Spenden, produziert wird. Das ist an dieser Serie auch anders und ungewöhnlich. Aber es gibt dem Team rund um Regisseur Dallas die Freiheit, alles so umzusetzen, wie sie das wollen. Außerdem ist es ihnen ein Anliegen, den Content gratis zugänglich zu machen, denn sie wollen so viele Menschen wie möglich mit der Botschaft Jesu erreichen. Und die Streaming-Zahlen geben ihnen recht. Allein über die App wurde die Serie schon fast 200 Millionen Mal aufgerufen, die dritte Staffel ist bereits bis zur Hälfte finanziert und insgesamt sollen 7 Staffeln entstehen. Es ist ein riesen Projekt, das von viel Glaube und Gebet getragen wird. Zudem sei die Produktion auch sehr ökumenisch, das erzählt Regisseur Dallas, denn die Schauspieler gehören den unterschiedlichsten Konfessionen an. Trotzdem seien sie eine große Familie, meint auch Jesus-Darsteller Jonathan Roumie, selbst ein Katholik.

Zusatz Material

Auf Social Media und YouTube gibt es auch ganz viel Zusatzcontent, der dir einen Blick hinter die Kulissen gewährt und dich in Produktionsdetails mitnimmt. Vlogs von Dallas Jenkins, Interviews, Q&As und Einblicke in den Dreh-Alltag, Sneak Peaks oder Diskussionen zu den einzelnen Folgen mit den Beratern der Show – einem katholischen Priester, einem jüdischen Rabbi und einem evangelikalen Pastor. Außerdem gibt es auch Merch und ab August kannst du die deutsche Version der Serie als DVD auch in unserem Bookstore kaufen! Zusätzlich gibt es die Geschichte auch in Buchform und ein Andachtsbuch zur Serie, das der Regisseur selbst gemeinsam mit seiner Frau geschrieben hat.

Maria Magdalena

„I don´t think he is waiting for us to be holy. I think he is here because we can´t be holy without him.“

– Maria Magdalena

Wie es ist, Jesus zu spielen

Jonathan Roumie

Jonathan Roumie ist Jesus von Nazareth

Er spielt die Rolle des Jahrtausends. Jonathan Roumie ist Jesus in der Serie „The Chosen“. Für ihn als gläubigen Katholiken bedeutet das mehr als nur eine Rolle. Aus verschiedenen Interviews haben wir für euch zusammengetragen, was den Jesus-Darsteller dabei bewegt.

Geboren in New York als Sohn eines ägyptischen Vaters und einer irischen Mutter wurde Jonathan Roumie ursprünglich griechisch-orthodox getauft. Die Familie zog kurz darauf in eine Vorstadt von New York und besuchte ab da die katholische Kirche. So wuchs Jonathan schon früh mit dem Glauben auf. „Eine Familie, die zusammen betet, bleibt zusammen“, hatte sein Vater immer gesagt, und so war das gemeinsame Gebet in der Familie bei den Roumies selbstverständlich. Jonathan beschließt, Schauspieler zu werden und tut sich anfangs schwer, sich finanziell über Wasser zu halten. „Ich habe alles getan, damit meine Kariere funktioniert. Ich betete, hatte Glauben, sogar einen erwartungsvollen Glauben. Aber gleichzeitig jonglierte ich zu dem Zeitpunkt sieben verschiedene Jobs.“ Seine Erkenntnis heute: „Ich wollte alles selbst machen.“

Der Wunsch bleibt

So kellnerte er nebenbei oder arbeitete als Tribünenbauer. Gelegentlich kamen auch kleinere Jobs als Schauspieler. Aber einen Lebensunterhalt konnte er keinen damit verdienen. Jonathan erzählt, dass er über acht Jahre folgendes Gebet betete: „Gott, wenn da irgendetwas anderes ist, worin du mich siehst, wenn da irgendein anderer Weg ist, den du dir von mir wünschst, auf dem ich dir dienen könnte, außer ein Schauspieler zu sein, bitte sag mir, was es ist, denn das, was ich jetzt tue, ist wirklich schwer.“ Aber sein Wunsch, ein Schauspieler zu sein, verschwand nicht, wurde im Gegenteil immer stärker. Aber konkrete Möglichkeiten zeigten sich keine.

Am Tiefpunkt

Dann kam dieser Samstag im Mai 2018. Er hatte kein Essen im Haus, 20 Dollar in seiner Geldbörse und am Konto nur Schulden. „Ich habe alles nicht verstanden und konnte nicht mehr“, so der Schauspieler. „Also habe ich getan, was ich immer tat. Ich fiel auf die Knie, um zu beten. Aber dieses Mal war es anders. Dieses Mal betete ich in absoluter Zerbrochenheit und ich sagte: Herr, was mache ich falsch? Wenn du willst, dass ich weitermache, dann greif ein, denn ich kann körperlich nicht mehr, okay? Ich gebe dir alles, denn du hast gesagt, dein Joch ist leicht und deine Last ist leicht. Also hier, Herr, nimm es. Ich gebe dir alle meine Probleme und ich mache einen Schritt zurück. Ich gebe auf.“

Völliges Loslassen

Für Jonathan war dieses Gebet zum ersten Mal ein wirkliches Loslassen. Er sagt: „Ich habe alle meine Erwartungen aufgegeben, wie meine Kariere gehen würde oder wie ich Geld bekomme.“ Innerlich fühlt er sich leichter. „Ich hatte zwar die Antwort noch nicht, aber es war nicht mehr mein Problem.“ Am Nachmittag desselben Tages öffnet er seine Post und kann es fast nicht glauben. Darin befanden sich drei Schecks, die die Miete deckten und seine finanzielle Situation retteten. Woher diese Schecks kamen, verrät Jonathan nicht. „Ich wäre fast umgekippt. Innerhalb ein paar Stunden hat sich mein Leben an diesem Tag komplett verändert.“ Dieser Vorfall führt bei dem Schauspieler zu einer tiefen inneren Bekehrung und er bezeichnet sich heute gern als „wiedergeborener Katholik“. Drei Monate später kam das Angebot für die Rolle als Jesus in „The Chosen“.

Es war Barmherzigkeit

Immer wieder gibt der Schauspieler Zeugnis darüber, wie Gott sich um einen sorgt, wenn man ihm wirklich alles übergibt. Und er spricht viel über die Barmherzigkeit Gottes, die er für sich erfahren hat. So ist nicht verwunderlich, dass für ihn das Bild des Barmherzigen Jesus sehr wertvoll ist und er gern den Barmherzigkeitsrosenkranz betet, sogar online mit seinen Fans.

Jesus spielen

Die Erfahrung, die Jonathan Roumie selbst mit Gott gemacht hat, möchte er in seine Rolle einbringen. Für ihn bedeutet das aber gerade, sich möglichst selbst zurückzunehmen, um Gott wirken zu lassen. Er sagt: „Ich möchte versuchen, nicht irgendwelche Ideen einzubringen, wie ich glaube, dass Jesus sein soll. Mein erstes Anliegen war, mich selbst herauszunehmen.“ Wichtig ist ihm dabei vor allem das Gebet und seine Beziehung zu Christus. „Alles, was ich mache, beginne ich mit einem Gebet. So war eher mein Gebet, dass Gott mich als Werkzeug benutzen würde, um seine Liebe und Barmherzigkeit zur Menschheit weiterzugeben. Ich habe mich einfach bemüht, dem nicht im Weg zu stehen.“ Während der Dreharbeiten in Texas suchte er nach einer Kirche, um oft in die Messe zu gehen und die Kommunion empfangen zu können. Auch ging er regelmäßig zur Beichte. „Das war für mich die Quelle, um das Ganze auf ein Level zu bringen, das ich aus eigener Kraft nicht tun hätte können.“

Persönlich berührt

Immer wieder ist Jonathan bei den Dreharbeiten selbst persönlich berührt. So zum Beispiel bei der Abschluss-Szene der ersten Staffel, wo er die Frau beim Jakobsbrunnen trifft. Hier wurde er emotional, obwohl es so nicht im Drehbuch stand. „Das, was für mich in diesem Moment passiert ist, war, dass da diese Frau war, der ich diese unendliche und ewige Liebe zeigen wollte und die sich auf einmal für die Möglichkeit geöffnet hat, die Liebe, den Geist, letztlich Christus zu empfangen. Sie hat einen Messias angenommen, der ihr Herz gewandelt hat, ihr allen Schmerz genommen hat und der ihr einen Grund gegeben hat, jetzt Freude zu verbreiten und ihr Leben neu zu gestalten. Ich denke, das ist, was Gott für uns alle möchte.“ Genau das ist auch, was ihn an „The Chosen“ so begeistert: „Zu sehen, wie Leute berührt werden, ihr Leben sich verändert hat. Menschen sind zu Christus gekommen.“ Und auch bei ihm selbst hat es einiges verändert: „Ich glaube, ich habe Christus auf einem tieferen Level kennengelernt.“

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