Ein Klassiker erstrahlt in neuem Glanz!

Die Regisseurin Greta Gerwig verleiht der Geschichte rund um die vier Schwestern Jo, Meg, Amy und Beth March einen neuen Look. Dass sie damit nicht nur ein Statement für Frauen setzt, sondern das Original mit sehr viel Liebe zum Detail adaptiert und einen zeitlosen Film geschaffen hat, wird sehr schnell klar.

Mit: Saoirse Ronan, Emma Watson, Timothée Chalamet, Meryl Streep
Laufzeit: 135 Minuten

Filmstart: 30. Jänner 2020
Verleih/Fotos: Sony Pictures

Littel Women

Ok, Schluss mit der Lobhudelei! Vielleicht kennst du die Geschichte gar nicht. Das kann natürlich auch gut sein, so bekannt ist der Roman bei uns nämlich gar nicht. Der stammt von Louisa May Alcott aus dem 19. Jahrhundert. Es gibt mittlerweile schon ein paar Verfilmungen und Serien über die March-Schwestern. Dabei verfolgen wir das Erwachsenwerden und die unterschiedlichen Lebenswege von Jo (Saoirse Ronan), Meg (Emma Watson), Amy (Florence Pugh) und Beth (Eliza Scanlen).

Nicht nur ein Weg…

Jede will selbstbestimmt ihren Weg finden und gehen. Aber dabei stoßen sie sehr oft auf gesellschaftliche und finanzielle Hindernisse. Möglichkeiten dazu haben sie in ihrer Zeit wenige. Vor allem nicht als Künstlerinnen, die sie alle eigentlich werden wollen. Amy möchte malen, Meg schauspielern und Beth musizieren. Und Jo? Nun, durch Jo wird die ganze Geschichte erzählt, sie schreibt einen Roman über ihr Leben, mit und über ihre Schwestern. Doch als eigenständige, unverheiratete Frau zur Mitte des 19. Jahrhunderts hat man es nicht so leicht, wie sie alle immer wieder feststellen.

Little Women
Amy Florence Pugh

Nie allein

Doch zum Glück haben sie genug Leute um sich herum, die sie in ihrem Tun unterstützen. Ihre Eltern, eine reiche Tante (Meryl Streep) und einen besten Freund, Laurie (Timothée Chalamet) und seinen Großvater als Nachbarn. Wie das Leben aber nun mal so spielt, entwickelt sich alles etwas anders, als man es sich vorstellt. Ein tragischer Tod schweißt die Familie noch enger zusammen. Jo beharrt darauf, unabhängig zu bleiben, ihr Leben lang. Allein der Gedanke daran, verheiratet zu sein, macht sie unruhig. Deswegen wehrt sie sich mit Händen und Füßen dagegen: „Ich denke Frauen haben einen Verstand und sie haben auch Seelen, und nicht einfach nur ein Herz. Und sie haben Ambitionen und Talent, nicht nur Schönheit. Ich hab es so satt, wenn die Leute sagen, dass Liebe das Einzige ist, wozu eine Frau fähig ist!“

Unterstützung

Am Ausüben dieser Talente scheiterte es dann doch zu oft. Die Frauen mussten rational und ökonomisch denken, wenn es ums Heiraten ging. Nur aus Liebe zu heiraten, ohne gewisse (finanzielle) Absicherungen war nicht immer möglich. Gut, das ist nicht mehr wirklich zeitgemäß, denkst du dir. Stimmt auch. Aber du kannst das auch etwas umdenken: Jeder einzelne von uns, Frau und Mann, hat individuelle Talente und Begabungen. Nur leider setzen wir Sicherheit viel öfter vor Begabung. D.h. du schaust eher, dass du einen guten Job bekommst, eine Ausbildung machst, die dich langfristig absichern wird. Doch laufen wir so nicht komplett an unserer „Bestimmung“ vorbei? Sollten wir nicht mit dem, was wir in uns gelegt bekommen haben und was uns speziell, ausmacht, arbeiten und diese Talente fördern, anstatt einfach nur den mehr oder weniger bequemen Weg zu wählen? Und damit leider auch oft den langweiligeren.

Meryl Streep Little Women
Saoirse Ronan Jo March
Littel Women

Sicher, es spricht nichts gegen den Wunsch, abgesichert zu sein. Aber ist das wirklich das, wozu wir berufen sind? Wenn du aber bereit bist, deine Begabungen für das, was du tust, einzusetzen, also deine Schule, Ausbildung, deinen Job, dann bereicherst du oft auch andere damit. Weil du dann ein Vorbild bist und auch andere ermutigen kannst, ihren eigenen, ganz besonderen Weg zu gehen. Denn alles im Leben ist leichter, wenn man weiß, da sind Leute, die stärken mir den Rücken, sind für mich da, unterstützen mich. Und lieben mich einfach bedingungslos. Genau so sind auch die Männer in „Little Women“: Unterstützer, Förderer und Weggefährten, die nicht müde werden, die Frauen in ihren Leben zu supporten.

YOU! Film-Bewertung:
(1 = Ziemlich cool, 5 = Ziemlich daneben)

Filmaussage……………………..1
Filmstory……………………………1
Filmumsetzung………………….1
Umgang mit Gewalt………….1
Umgang mit Sprache………….1
Umgang mit Sexualität………1

Insgesamt……………………1

Ines Breiner
Ines BreinerRedakteurin

Wow! Ganz ehrlich, da steckt so viel drinnen, ich kann´s einfach nur lieben! Ich bin wie Jo. In gewisser Weise halt. Ich kann sie so gut verstehen. Und dabei lebe ich ja eigentlich in „besseren“ Zeiten. Für Frauen. Sollte man zumindest meinen, ist aber am Ende doch nicht immer ganz so. Vor allem auch in meiner Welt nicht unbedingt. Dieses Problem, dass man vor allem als Frau auch so viele ökonomische, rationale Gedanken haben muss, wenn man heiraten möchte. Sie pocht immer auf ihre Unabhängigkeit und schafft es auch. Am Ende fühlt sie sich aber doch sehr einsam. Und muss sich am Schluss eingestehen, dass Heiraten und die Liebe trotz ihrer Überzeugungen und Prinzipien und der ganzen ökonomischen Hindernisse, durchaus ihre Berechtigung haben, was umso schöner ist. So viel (traurige) Schönheit in der Geschichte. Und nein, ich identifiziere mich nicht nur, weil sie Schriftstellerin ist, mit ihr! Aber auch deswegen. Muss man unterhaltsame Dinge schreiben, um als Autor zu überleben? Wieso nur? Man vergräbt sein ganzes Talent, wenn man denn eines hat. Das ist das große Problem, ist mir vorhin bewusst geworden! Man redet immer davon: Ja, du kannst schreiben. Ja, toll! Alles gut und schön… Aber habe ich Talent? Habe ich es, oder ist alles verlorene Mühe? Wieso mach ich das? Die begabtesten Menschen können ihr Talent oft nicht ausleben. Siehe Beth! Ok, ist nur eine Geschichte, aber trotzdem. Marina Keegan war auch so jemand. Wär sie so bekannt geworden, wäre sie nicht früh gestorben? Genau der Film, den ich gebraucht habe, einfach für mich, mein Leben. Und so unklar die einzelnen Details vielleicht auch noch sind: in welcher Form, wie usw., weiß ich doch wieder mal, wenigstens warum! Weil ich Geschichten liebe. Weil ich die Schönheit in jeder Form liebe. Weil ich irgendwie doch das Leben liebe! Und ich möchte es gut leben, nicht nur für mich, sondern für die Menschen. Ich muss dieses Buch lesen! Und ich möchte Jo bleiben/werden, aber auch so, wie ihre Mutter.