In jeder heiligen Messe begegnen wir Gott ganz real. Hier öffnet sich sozusagen das Tor zum Himmel. Gott ist wirklich da. In dieser Serie zeigen wir dir, wie die Messe für dich zu dieser geheimnisvollen Begegnung werden kann.

Text: Michi Cech und P. Thomas Figl

Nach dem Schuldbekenntnis – wo wir am Anfang der heiligen Messe bekennen, dass wir nicht immer so gut waren, wie wir sein sollten – folgen die sogenannten „Kyrie“-Rufe. Diese sind sehr alt und feierlich. „Kyrie“ ist griechisch und bedeutet „Herr“, und so wird entweder in der Originalsprache oder auf Deutsch dreimal wiederholt: „Kyrie eleison – Herr erbarme dich! Christe eleison! Kyrie eleison!“ Doch was ist eigentlich darunter zu verstehen? Mit dem Wort „Erbarmen“ verbinden wir manchmal eher so eine unangenehme Szene, wo zum Beispiel ein armer Mann vor dem bösen Mafiaboss steht und um Erbarmen winselt. Letztendlich wird er dennoch kaltblütig bestraft.

Macht zu heilen

Hier ist das aber anders. Zur Zeit Jesu war dieses „Herr erbarme dich“ eigentlich ein Huldigungsruf, ein Jubelruf an den Kaiser. Denn damit zeigte man ihm, dass man seine Autorität schätzte und anerkannte. Und für die Christen war klar, dass ihr Herr, ihr Kyrios, Jesus war. So ist das Kyrie in der Messe kein „Winseln um Erbarmen“, sondern es drückt vielmehr das Vertrauen aus, dass Jesus unser Herr ist, der die Macht hat, uns wirklich zu helfen. Nicht uns zu bestrafen, sondern uns zu heilen. In der Bibel gibt es die Erzählung von einem Blinden, der hörte, dass Jesus in der Nähe war. So begann er immer wieder zu rufen: „Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ Und Jesus heilte ihn, sodass er wieder sehen konnte.

Unendliche Barmherzigkeit

Wir Menschen sind oft sehr hart mit anderen, wenn sie einen Fehler machen. Wie oft regen wir uns über jede kleinste Kleinigkeit schon auf? Und auch wenn sich der andere entschuldigt, bleiben wir böse auf ihn oder sie. Jesus hingegen ist wirklich barmherzig. Er verzeiht immer, wenn wir seine Barmherzigkeit anrufen. Sein Erbarmen, seine Barmherzigkeit ist unendlich. Wie sehr sehnen wir uns nach Barmherzigkeit. Und Jesus schenkt sie uns zutiefst. 

Gott ist unendlich groß und gerecht. Aber es ist vor allem die Barmherzigkeit, die sein innerstes Wesen beschreibt. Er ist Barmherzigkeit, weil er die Liebe ist. Diese Liebe ist „sichtbar und greifbar“ geworden im Leben Jesu, sagt Papst Franziskus. „Seine Person ist nichts anderes als Liebe, eine sich schenkende Liebe. Seine Zeichen, gerade gegenüber den Sündern, Armen, Ausgestoßenen, Kranken und Leidenden, sind ein Lehrstück der Barmherzigkeit. Alles in ihm spricht von Barmherzigkeit.“

Im „Herr erbarme dich“ der Messe können wir an diese Barmherzigkeit denken, dass wir für immer geliebt sind, trotz unserer Begrenztheit und unserer Fehler. Gott nimmt uns in den Arm, wie der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Beim „Herr erbarme dich“ schauen wir Gott in die Augen. Und Gott schaut uns in die Augen mit seiner barmherzigen Liebe. Es ist die Begegnung mit ihm von Herz zu Herz.

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