In jeder heiligen Messe begegnen wir Gott ganz real. Hier öffnet sich sozusagen das Tor zum Himmel. Gott ist wirklich da. In dieser Serie zeigen wir dir, wie die Messe für dich zu dieser geheimnisvollen Begegnung werden kann.

Text: Michi Cech und P. Thomas Figl

Wir sind am Beginn der heiligen Messe. Der Priester ist symbolisch für Jesus feierlich eingezogen. Mit dem Kreuzzeichen haben wir uns bewusst gemacht, dass wir uns nun in der Gegenwart Gottes befinden. Wir stehen vor Gott selbst. Darum ist die Messe auch „heilig“. Wir stehen vor Gott, so wie wir sind. Und hier geht es gar nicht anders, als dass wir auf einmal merken, wie klein wir sind. 

Es geht uns dabei vielleicht genauso, wie dem Petrus vor 2000 Jahren, als er Jesus zum ersten Mal begegnet ist. Jesus sagt ihm, er solle noch einmal die Netze zum Fischen auswerfen, obwohl er die ganze Nacht nichts gefangen hat. Und auf einmal sind seine Netze so voll, dass er es allein gar nicht schafft, sie einzuholen. Auch er erkennt: Ich stehe hier vor Gott. Und es bricht aus ihm heraus: „Herr, geh weg von mir! Ich bin ein Sünder!“ Wenn wir in unserem Herzen zutiefst erkennen, wie groß Gott ist, dann fallen bei uns alle Masken, die wir uns so im Lauf der Zeit aufgesetzt haben. Und so folgt in der Messe nun das „Schuldbekenntnis“.

Minderwertigkeitsdenken?

Sünde, Schuld, Buße, das sind Begriffe, mit denen der moderne Mensch nicht viel anfangen möchte. Aber es geht nicht darum, sich Minderwertigkeitskomplexe aufzubauen. Im Gegenteil: Es ist vielmehr befreiend, wenn wir uns eingestehen, dass wir nicht perfekt sind und auch nicht sein müssen. 

Wenn du zum Arzt gehst, musst du ihm genau das zeigen, was verwundet ist, was krank ist. Sonst verheilt es nur oberflächlich und wird noch viel schlimmer. Wenn wir nun vor Gott und vor einander bekennen, dass wir Sünden haben, dann sind das auch Wunden, die geheilt werden müssen. Wie viele Menschen leiden an ihrer nicht verarbeiteten Schuld, wenn man ein wenig an der Oberfläche kratzt. Man braucht sich sicher nicht schlechter machen, als man ist, aber wir sollen uns bei dem, was wir falsch gemacht haben, nicht auf die Umstände oder auf andere ausreden. Damit übernehmen wir wirklich eine Verantwortung für unser eigenes Tun und das macht uns zu reifen Menschen.

Ehrliche Gewissenserforschung

Beim Schuldbekenntnis legen wir in unserem Inneren also alles vor Gott hin, wo wir nicht dem entsprochen haben, wozu er uns gedacht und geschaffen hat. Wie oft waren wir lieblos, haben Gott vergessen und nur an uns selbst gedacht oder haben über andere gelästert? Jede Sünde behindert unsere Beziehung zu Gott. Es ist, als ob wir Gott immer ein kleines Stückchen mehr aus unserem Herzen drängen, weil uns unser Ego wichtiger ist. Mit den sogenannten „schweren Sünden“ stirbt unsere Verbindung zu Gott sogar ganz, weil wir ihn ganz bewusst gleichsam hinauswerfen. Aber auch da ist Gott stets bereit, uns immer wieder zu vergeben, und hat dazu das Sakrament der Versöhnung, die Beichte, geschenkt. 

Wer also zum Beispiel einmal aus Bequemlichkeit nicht bei der Sonntagsmesse war oder dem Freund glatt ins Gesicht gelogen hat oder Ähnliches, darf und sollte diese Dinge zuerst konkret in der Beichte benennen und so mit Gott Versöhnung schließen, bevor er bei der Messe zur Kommunion nach vorne geht. Auch das hat etwas mit Verantwortung übernehmen zu tun. Das Schöne daran ist, dass Gott unseren Willen zur Versöhnung immer wieder neu annimmt, hundertprozentig. 

Gott verzeiht immer

Wenn es um kleinere Sünden, die „leichten Sünden“, geht, ist es auch eine gute und hilfreiche Sache, diese bei einer Beichte zu nennen, doch vor Gott sind sie schon im ehrlichen Schuldbekenntnis in der Messe wiedergutgemacht. Es ist darum unser erster wichtiger Schritt bei der heiligen Messe, das Schuldbekenntnis ehrlich und aufrichtig mitzubeten. Manchmal wird der Bußakt auch mit einer Stille oder einem anderen Gebet verrichtet, aber dein Wille zur inneren Umkehr muss so oder so von dir kommen.

Freunde sagen sich: Es tut mir leid! – auch für Kleinigkeiten. In der Messe stehen wir vor Gott, der so viel größer ist als wir. Und trotzdem ist er unser Freund. Darum sagen auch wir: Es tut mir leid, dass ich dich so oft vergessen und verletzt habe! So wächst unsere Freundschaft mit ihm immer mehr.

Das Schuldbekenntnis

„Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen, und allen Brüdern und Schwestern,“ 

Vor Gott sind wir alle Brüder und Schwestern, und jeder, vom Papst bis zum normalen Christen, betet dieses Bekenntnis, weil wir alle wissen, dass wir nicht perfekt sind. 

„dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe.“

Vielleicht bedenkt man das viel zu wenig, dass es auch eine Form der Sünde ist, wenn wir etwas Gutes NICHT tun, unterlassene Gebete, unterlassene Pflichten oder Hilfen, die wir hätten geben oder tun sollen.

„Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken – durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld.“

Es geht um den Teil, für den wir verantwortlich sind, ohne uns auf Umstände auszureden. Ganz deutlich machen wir das, indem wir uns dreimal an die Brust schlagen.

„Darum bitte ich die selige Jungfrau Maria, alle Engel und Heiligen und euch, Brüder und Schwestern, für mich zu beten bei Gott, unserm Herrn.“

Wir sind nicht isoliert, sondern wir sind eine gemeinsame Familie Gottes. Wir beten für die anderen und die anderen beten für uns. Auch die, die schon im Himmel sind. Besonders denken wir dabei an Maria, die wie eine liebevolle Mutter für uns da ist.

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