In jeder heiligen Messe begegnen wir Gott ganz real. Hier öffnet sich sozusagen das Tor zum Himmel. Gott ist wirklich da. In dieser Serie zeigen wir dir, wie die Messe für dich zu dieser geheimnisvollen Begegnung werden kann.

Text: Michi Cech und P. Thomas Figl

Wir stehen wieder auf. Wie vor dem Fußball-Länderspiel die Hymne wird vor dem Evangelium das Halleluja gesungen. Aber das mit einer noch größeren Andacht, einer noch größeren Spannung, einer noch größeren Aufmerksamkeit. Wir sind kurz vor dem Evangelium.

„Evangelium“ kommt aus dem Griechischen und heißt so viel wie die „gute Nachricht“ oder die „frohe Botschaft“. Mit welcher Spannung kann man auf ein Email warten oder auf eine Whatsapp-Nachricht. Vor allem dann, wenn wir darin eine tolle Nachricht erwarten. Zum Beispiel eine Antwort auf ein Bewerbungsschreiben, eine Nachricht eines Freundes, von dem wir nicht wissen, ob es ihm gut geht. Oder einfach nur eine kleine Mitteilung. Jede Nachricht eines lieben Freundes ist eine „gute Nachricht“.

Nachricht für dich

Und mit solcher Aufmerksamkeit warten wir auf das Evangelium. Es ist die Nachricht unseres besten Freundes. Es geht nicht einfach nur um die Geschichte seines Lebens, um seinen Einsatz für die Menschen, all das Wundersame, was passiert ist, es ist vielmehr auch eine persönliche Nachricht an uns. Die vier Schreiber der Evangelien, die Evangelisten, haben das Ganze aufgeschrieben, um uns mitzuteilen, wie Jesus das Leben sieht und wie somit unser eigenes Leben durch und mit Jesus gelingen kann.

Es wird alles gut

Wir wollen, dass unser Leben gelingt. Wir wollen doch, dass wir am Ende unseres Lebens sagen können, ja, ich habe wirklich das erreicht, was ich erreichen wollte. Die „schlechte Nachricht“ unserer heutigen Welt ist: Nur der Ellbogen-Stärkere gewinnt, du musst dir dein Glück nehmen, so viel du kannst, sonst bleibst du auf der Strecke, denn nach dem Tod ist alles aus. Und dann hören wir im Evangelium: Nein, das Schlechte wird in der Welt nicht siegen, es gewinnt viel mehr der, der bereit ist, sich selbst zu geben, zu dienen. Und der Tod ist nicht „the end of the story“, sondern bloß der Übergang zu einem ewigen, verherrlichten Leben… Die „gute Nachricht“ Jesu ist: Es wird alles gut. Auch jetzt schon.

Good News

Mit Jesus wird das Leben gelingen. Im Evangelium erfahren wir, wie. Darum stehen wir auf. Voller Ehrfurcht. Innerlich bewegt. „Der Herr sei mit euch!“, beginnt der Diakon oder Priester. Weihrauch steigt empor. Das Evangelium ist eine echte Begegnung mit Jesus Christus, Gott selbst. „Und mit deinem Geiste“, antworten wir. Gott ist mitten unter uns. „Ehre sei dir, oh Herr…“ Bei diesen Worten machen wir das kleine Kreuzzeichen, indem wir mit dem Daumen der rechten Hand je ein Kreuzchen auf Stirn, Mund und Brust machen. Ich will das Wort Gottes verstehen, verkündigen, verinnerlichen.

Voll konkret

Wer in dieser Haltung bei der heiligen Messe dem Evangelium zuhört, der wird bemerken, wie sehr Jesus ihn ganz persönlich anspricht. Durch die Worte, die Jesus selbst sagt, oder durch die Begebenheiten, die uns zeigen, wie er handelt. So bleibt das Wort Gottes nicht nur irgendwie allgemein eine gute Nachricht, sondern wird eine gute Nachricht ganz speziell für mich! Was will mir Jesus heute in diesem Evangelium ganz persönlich sagen? Vielleicht ist es ein Satz, der mir dieses Mal besonders etwas sagt. Diesen Satz möchte ich aus der Messe mitnehmen. Diesen Satz möchte in meinem Herzen bewahren und darüber nachdenken, diesen Tag, die ganze Woche über. Verstehen und verinnerlichen… So, wie wir es mit dem kleinen Kreuzzeichen ausgedrückt haben.

Das Zeichen deuten

Die dritte Dimension des kleinen Kreuzzeichens war das Verkündigen. Der Priester, der bei der heiligen Messe in besonderer Weise Christus darstellt, verkündigt das Evangelium als erster. Und er verkündigt durch die Predigt, die daraufhin folgt. Die Predigt ist nicht nur eine Auslegung des eben gehörten Wortes Gottes, sondern auch noch einmal eine Verkündigung des Evangeliums. Das heißt, dass Jesus selbst, durch die Kraft des Heiligen Geistes, mit der der Priester geweiht und beauftragt ist, mir etwas sagen möchte.

Was du tun kannst

Sicher, der Prediger bringt immer auch all seine menschlichen Fähigkeiten oder manchmal „Unfähigkeiten“, Stärken und Schwächen mit ein. Trotzdem kann man auch bei der langweiligsten Predigt versuchen, einen Satz herauszuhören, der speziell für mich ist. Und das kann umso mehr passieren, als wir den Heiligen Geist für den Prediger bitten und für mich selbst, aufmerksam auf Gottes Wort zu sein. Und mag die Predigt des Priesters einmal noch so gut und toll sein, wir gehen wegen Jesus in die Messe. Ihn wollen wir treffen. Sein Wort wollen wir hören, in unser Herz aufnehmen und bewahren.

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