In jeder heiligen Messe begegnen wir Gott ganz real. Hier öffnet sich sozusagen das Tor zum Himmel. Gott ist wirklich da. In dieser Serie zeigen wir dir, wie die Messe für dich zu dieser geheimnisvollen Begegnung werden kann.

Text: Michi Cech und P. Thomas Figl

Wir sind bei der Heiligen Messe nun beim sogenannten Wortgottesdienst angelangt. Wir merken das auch, da sich jetzt alle – nachdem wir lange gestanden sind – nun niedersetzen. Wir machen uns also bereit, den Worten zu lauschen, die nun folgen. Der Vorleser, der Lektor, geht zu einem besonderen Pult, auf dem ein Buch liegt. Dieses Pult wird Ambo genannt, was vom griechischen Wort für „hinaufsteigen“ kommt. Ursprünglich war der Ambo ein höher gelegener Ort, um anzudeuten, dass es jetzt hier um eine wichtige – höhere – Sache geht.

Wer spricht?

Gott spricht. Mit konkreten Worten. Wir wollen immer wissen, was Gott zu uns sagen würde, wenn wir ihn treffen würden. Dabei könnten wir das in jeder Messe erfahren. Das ist es doch, wenn wir das „Wort des lebendigen Gottes“ hören. Gott hat sich den Menschen langsam, Schritt für Schritt zu erkennen gegeben, so dass sie es wirklich aufnehmen konnten. Diese Geschichte, die eine großartige Liebesgeschichte zwischen Gott und dem Menschen ist, finden wir niedergeschrieben in der heiligen Schrift, der Bibel. Dort sehen wir, wie behutsam und mit Respekt Gott um die Liebe des Menschen wirbt.

Geschichte

Die Bibel, ein Buch, welches alle Weltrekorde gebrochen hat und noch immer bricht, wird in jeder Heiligen Messe vorgelesen, weil wir darin Gott begegnen können. Die Bibel ist kein Geschichtsbuch und auch kein Abenteuerroman. Zum einen erzählt sie uns sehr wohl historische Sachen, wie die Wissenschaften bestätigen, dennoch geht es in der Bibel um etwas ganz anderes. Es ist ein Unterschied, ob dir der Augenarzt in die Augen sieht oder dein Freund. Der Augenarzt sieht nur die Pupille, den Aufbau der Hornhaut und die Blutgefäße. Der Freund hingegen sieht in den Augen seiner Geliebten eine Person, jemanden, den er liebt, und er versteht ihr ganzes Inneres.

Zwischen den Zeilen

Genau so einen Blick brauchen wir für die Bibel. Dann auf einmal entdecken wir mehr als nur einzelne Geschichten und Worte. In der Bibel machen wir die Begegnung mit einer lebendigen Person. Wir begegnen Christus. Er ist letztlich das eine „Wort“, das Gott zu uns spricht. In Jesus Christus ist Gott selbst Mensch geworden, um zu uns mit einem tatsächlich menschlichen Mund zu sprechen. Das „Wort des lebendigen Gottes“ sind nicht nur Buchstaben. Wir müssen durch die Buchstaben hindurchsehen, genauso wie wenn wir in die Augen eines Freundes schauen.

In die Augen schauen

Denken wir daran, wenn der Lektor oder die Lektorin am Ambo das Buch der Bibel aufschlägt und mit den Worten beginnt: „Lesung aus dem Buch Jesaja…“ In der Messe werden am Sonntag neben dem Evangelium normalerweise zwei Lesungen und unter der Woche eine Lesung verkündet. Dazwischen wird als Antwort der Gemeinde ein Psalm, ebenfalls aus der Bibel, vorgetragen. Manchmal wird stattdessen auch ein Lied gesungen. Die erste Lesung ist grundsätzlich eine Stelle aus dem Alten Testament, die zweite aus dem Neuen Testament. So verstehen wir, dass die Bibel als Ganzes zu sehen ist und nicht nur punktuelle Stellen herausgenommen werden können.

Große Verheißung

Einer der alten Kirchenväter hat einmal gesagt: „Wer die Schrift nicht kennt, der kennt Christus nicht.“ Darum ist in der Messe ein wesentlicher Teil für das Betrachten der heiligen Schrift vorgesehen. Und wenn wir Erzählungen aus dem Alten Testament hören, können wir uns bewusst machen, dass auch diese Stellen etwas mit Christus zu tun haben. Denn im ganzen alten Bund bereitet Gott sein Volk darauf vor, dass einmal die endgültige Rettung kommen wird – durch den Messias, durch Jesus Christus. Wenn wir so das Alte Testament lesen, gehen wir gemeinsam mit dem auserwählten Volk Israel diesen Weg der Vorbereitung auf die Begegnung mit Christus.

Gott als Freund

Die Bibel zu lesen, ist immer eine spannende Sache und gleichzeitig faszinierend. Denn wenn es das „lebendige Wort Gottes“ ist, dann können wir dabei entdecken, was Gott auch uns selbst, ganz persönlich, heute sagen möchte. In jeder Geschichte der Bibel können wir einen Sinn für uns selbst finden. In die Augen eines Freundes zu schauen, heißt auch, sich selbst zu öffnen und bereit zu sein, sein Leben auf das Gegenüber auszurichten. Die große Liebesgeschichte Gottes zu uns Menschen ist nicht eine Hollywood-Geschichte, sondern sie betrifft uns zu jeder Zeit, weil es um unser eigenes Leben geht.

Bitten wir den Heiligen Geist, der auch schon die Autoren der Bibel inspiriert hat, uns selbst zu inspirieren, wenn wir uns in der Messe hinsetzen, um dem Wort Gottes zu lauschen, damit wir die Worte, die wir hören, nicht tote Buchstaben bleiben, sondern dass wir Christus selbst entdecken, als lebendiges Wort, als Person, als Freund.

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