In jeder heiligen Messe begegnen wir Gott ganz real. Hier öffnet sich sozusagen das Tor zum Himmel. Gott ist wirklich da. In dieser Serie zeigen wir dir, wie die Messe für dich zu dieser geheimnisvollen Begegnung werden kann.

Text: Michi Cech und P. Thomas Figl

Wenn der Priester den Altar geküsst hat, beginnt er, über sich ein großes Kreuzzeichen zu schlagen, wobei er mit der rechten Hand von Stirn zu Brust und von der linken Schulter zur rechten fährt. Er spricht die bekannten Worte: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Wir alle machen das Kreuzzeichen mit und sagen: „Amen.“

Das Kreuzzeichen gibt es, wie man weiß, am Anfang und auch am Ende jedes Gebets und so auch gerade bei der heiligen Messe. Man macht sich bewusst, dass es hier um die Sache Gottes geht, und zwar des dreifaltigen Gottes. Jesus selbst hat diesen Satz geprägt, als er seine Jünger aussandte und ihnen sagte: „Tauft alle Menschen im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Alles kommt vom dreifaltigen Gott und alles hat sein Ziel in ihm. Das Zeichen des Kreuzes, welches wir über uns schlagen, zeigt uns, dass nun der ganze Körper, der ganze Mensch gesiegelt sein soll mit dem Zeichen des Kreuzes.

Mit dem ganzen Körper dabei

Wenn Spitzensportler sich in die richtige Wettkampfstimmung versetzen wollen, trainieren sie oft eine bestimmte kurze Übung ein, die augenblicklich eine hohe Konzentration bringt. Man nennt das das Prinzip der Konditionierung. Auch das Kreuzzeichen hat in gewisser Weise so eine ähnliche psychologische Wirkung und hilft uns, sich wirklich in eine Gebetsstimmung und die Gegenwart Gottes zu versetzen. Es kann wie ein Lichtschalter sein, der eingeschaltet wird. Oder ein Radioknopf, der die richtige Frequenz wählt.

In seinem Namen

Wenn wir „im Namen“ Gottes die heilige Messe beginnen, dann bedeutet das aber auch, dass wir ihn rufen können. Dafür hat man ja einen Namen, damit man gerufen werden kann. Und in Jesus, der für uns am Kreuz gestorben ist, hat Gott sogar einen menschlichen Namen angenommen. Gott ist keine unpersönliche Energie. Er ist jemand, den wir ansprechen können, der uns hört und der zu uns spricht.

Zeichen des Christentums

Das Kreuz ist das große Zeichen im Christentum. Wenn wir das Kreuzzeichen machen, wissen wir, dass wir als Christen bereit sein sollen, genauso wie Jesus das Kreuz auf uns zu nehmen. Wir wollen vor dem Negativen unseres Lebens nicht die Augen verschließen und nicht davonlaufen. Wir wollen uns mit dem Kreuz Jesu verbinden, um so letztlich zum Segen für die Welt zu werden. Und wenn wir dann das „Amen“ sagen, stimmen wir dem zu. „Amen“ kommt aus dem Hebräischen und heißt „Ja, so ist es“. Leider passiert es viel zu oft, dass wir in der Kirche dieses Amen einfach nur gedankenlos aussprechen, dabei sollte es eine echte und bewusste Zustimmung zu unserem Glauben sein.

Der Herr sei mit euch!

Wir sind erst einige Sekunden in der heiligen Messe und schon ist wahnsinnig viel passiert. Aber jetzt folgt der Gruß des Priesters mit den Worten: „Der Herr sei mit euch!“ Und alle antworten: „Und mit deinem Geiste!“. Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu begrüßen. Die einen sagen „Hallo!“, die anderen „Guten Tag“ oder „Servus“. In der Messe sieht man aber wieder, dass es eben kein gewöhnliches „Meeting“ ist, sondern etwas Heiliges. Darum ist auch der Gruß schon wieder ein Hinweis darauf, Gott in unserer Mitte zu empfangen.

Gott ist hier

„Dominus vobiscum – der Herr mit euch“, im lateinischen Original fehlt eigentlich das Wort „sei“ und es könnte daher genauso gut heißen: „Der Herr ist mit euch!“ Gott ist hier gegenwärtig! „Und mit deinem Geiste“ – diese Antwort sagen wir zwar auch nicht im Alltag, aber sie schließt den mystischen Gruß und erinnert noch einmal von unserer Seite, dass es hier in erster Linie um etwas Geistiges geht. Nebenbei bemerkt gibt es im deutschen Sprachraum die schöne Tradition, sich auch in den alltäglichen Begegnungen bewusst zu machen, dass Gott unter uns ist, was in dem „Grüß Gott“ zum Ausdruck kommt.

Wir stehen nun vor dem Höchsten. Gott ist da. Vor ihm stehen wir, so wie wir sind. Hier können wir uns nicht verstecken oder verstellen. Wir brauchen das auch nicht. Hier können wir ganz wir selbst sein. In dieser einen Stunde, die nun ihren Anfang genommen hat.

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