In jeder heiligen Messe begegnen wir Gott ganz real. Hier öffnet sich sozusagen das Tor zum Himmel. Gott ist wirklich da. In dieser Serie zeigen wir dir, wie die Messe für dich zu dieser geheimnisvollen Begegnung werden kann.

Text: Michi Cech und P. Thomas Figl

Mit den Fürbitten endet der erste Teil der Messe, der Wortgottesdienst. Nachdem wir das Wort Gottes gehört und den Glauben bekannt haben, treten wir vor, um Gott zu bitten. In der Messe stehen wir direkt vor Gott. Und wir haben sicher viele Dinge, für die wir bitten möchten, wenn wir direkt vor Gott stehen.

Wenn wir Gott also ansprechen und ihn für unsere Anliegen bitten, dann glauben wir auch, dass Gott sie erfüllen wird. Sonst hätte das ja keinen Sinn. Ich bitte niemanden um Hilfe, wenn ich weiß, dass er mir sowieso nicht helfen kann. Gott kann aber helfen. Und er hat uns auch ermutigt, oft zu bitten. „Bittet, und ihr werdet empfangen! Alles, worum ihr den Vater in meinem Namen bittet, das wird er euch geben!“ Das hat Jesus gesagt.

Gott weiß, was wir brauchen. In der Bibel heißt es: „noch ehe wir ihn bitten“. Wir müssen Gott auch nicht „überreden“, etwas Gutes zu tun. Darum geht es beim Bitten in gewissem Sinn auch um uns selbst. Etwas wird noch mehr unser Anliegen, wenn wir oft darum bitten. Wir selbst werden durch das Bitten verändert zu einer Haltung, in der wir alles von Gott erwarten und vertrauen, dass er alles gut machen wird. 

Wohin sich die Welt bewegt

Und dennoch macht sich Gott von unserem Gebet in gewisser Weise abhängig, weil er möchte, dass wir Menschen mitbestimmen, wie sich die Welt verändert und wohin sie sich bewegt. Wir sollen die Welt gestalten! Somit macht es einen Unterschied, ob wir Gott bitten oder nicht, ob wir die Fürbitten aus ganzem Herzen sprechen oder nicht. Wenn viele Menschen um etwas bitten, dann geschieht so etwas, wie eine Art übernatürliche Solidarität. Und das macht die Ausgangslage für Gott ganz anders, besser gesagt, für die Beziehung zwischen Mensch und Gott. Denn es ist das Vertrauen, das die Welt verändert.

Heißt es nicht: „Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre, wie ein Senfkorn, dann würdet ihr Berge versetzen!“ Und der Glaube drückt sich eben dadurch aus, wie sehr und innig wir bitten. Dabei geht es aber nicht um viele Worte. Manche denken, sie müssen bei den Fürbitten lange und geschwollene Ausführungen machen. Noch einmal: Gott weiß, was wir brauchen. Wir müssen Gott nicht erst überzeugen oder darüber aufklären, was gut für uns ist. Einfach und schlicht, wie zu einem Freund, aber mit dem Wissen, dass er alle Macht hat, kommen wir mit unseren Bitten zu ihm.

Als weltweite Gemeinschaft

Die heilige Messe ist etwas Persönliches und etwas, was mit der ganzen weltweiten Gemeinschaft der Menschen zu tun hat. Darum kommt fast immer zuerst eine Bitte für die Kirche, den Papst und die Bischöfe. Ebenso gibt es eine Bitte für die Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft. Und zum Schluss meist eine Bitte für die Verstorbenen. Dazwischen ist Platz für die persönlichen Anliegen, eben alles, worum wir besonders bitten wollen. Und du kannst auch an deine ganz eigenen Anliegen denken.

Wie ist das nun aber mit dem Erhören unserer Bitten? Oft haben wir den Eindruck, dass unsere Bitten nicht erhört werden. Jesus selbst hat uns darauf eine Antwort gegeben. Gott ist unser Vater, und ein guter Vater gibt uns nur das, was uns wirklich guttut. Kennst du den Film „Bruce Allmächtig“? Hier bekommt Jim Carrey, also dieser Bruce, die Gelegenheit, alle Bitten der Menschen zu „erhören“. Die Folge davon war, dass das völlige Chaos ausbrach. Nicht alles, was wir denken, was gut für uns ist, ist wirklich gut für uns. Wenn wir aber bitten, erhört uns Gott immer so, wie es für uns am besten ist.

Das Beste für uns

Und das Beste für uns ist, dass wir als Menschen in der Liebe wachsen und reifen. Das ist unser Ziel. Aber manchmal ist das für den lieben Gott auch wirklich „schwere Erziehungsarbeit“. Denn wir wollen sooft nur Dinge, die wir momentan glauben zu brauchen… Gott will aus uns aber keine verwöhnten Kinder machen, sondern reife Persönlichkeiten. Das Gute ist jedoch, dass Gott sehr geduldig mit uns ist. Wir dürfen uns wirklich bei ihm ganz geborgen wissen. Wie oft sehen wir dann im Nachhinein, warum etwas so passiert ist, und nicht, wie wir gebeten haben.

Unsere erste große Bitte sollte daher sein, dass wir in der Liebe wachsen. Das ist „das Reich Gottes“, von dem Jesus spricht, wenn er sagt: „Kümmert euch zuerst um das Reich Gottes, und alles andere wird euch dazugegeben.“ Bemühen wir uns, daran zu denken, wenn wir in der heiligen Messe die Fürbitten sprechen. Mit dem Fürbittgebet werden wir zu Gottes Mitarbeitern. Er möchte durch und mit uns die Welt verändern. Das Reich der Liebe wachsen lassen.

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