In jeder heiligen Messe begegnen wir Gott ganz real. Hier öffnet sich sozusagen das Tor zum Himmel. Gott ist wirklich da. In dieser Serie zeigen wir dir, wie die Messe für dich zu dieser geheimnisvollen Begegnung werden kann.

Text: Michi Cech und P. Thomas Figl

Wir sind angelangt beim tiefsten Geheimnis, dem Geheimnis aller Geheimnisse, dem Höhepunkt der hl. Messe, dem Höhepunkt unseres ganzen christlichen Lebens. Der Vereinigung mit Gott selbst.

Es ist ein Geheimnis, weil es verborgen ist. Und dennoch ist es real. Verborgen und real. Sind nicht die größten und wirklichen Dinge in unserem Leben etwas Verborgenes? Gott verbirgt sich im Brot, weil die Liebe etwas Verborgenes ist. Liebende sind sich am nächsten, nicht wenn sie viel reden, sondern wenn sie schweigen, sich in die Augen schauen. Und das passiert jetzt in der Messe. Wir schauen Gott in die Augen.

Die ganze heilige Messe bereitet diesen „Augenblick“ vor. Wir haben um Verzeihung gebeten, wir haben mit Gott gesprochen, ihm zugehört in den Lesungen, wir haben sozusagen die Türen geöffnet, dass Gott jetzt in der Kommunion in unser Herz einziehen kann. Wenn wir begreifen würden, was das heißt, dass Gott zu uns kommt, würden wir wahrscheinlich von der Kirchenbank abheben. Aber um vielleicht ein wenig zu erahnen, was Kommunion bedeutet, müssen wir noch einmal etwas in die Tiefe gehen.

In der Kommunion nehmen wir Gott, Jesus, in Gestalt des Brotes in uns auf, indem wir ganz konkret das Brot essen. Wir glauben, dass Jesus hier wirklich mit seinem Leib gegenwärtig ist. Jesus hat gesagt: „Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben.“ Gott essen? Wie kann das sein? Mit unserem Verstand können wir das nicht verstehen, aber es war Gottes Idee, uns so nahe zu sein, wie es nur geht. Nichts kommt uns näher als Nahrung. Es ist sogar so, dass Nahrung, alles, was wir essen, zu uns selbst wird. Unser ganzer Körper, jede Zelle, kommt ja irgendwie aus dem, was wir essen. Bei der Kommunion werden wir sozusagen in Jesus umgewandelt. Wir vereinigen uns mit ihm, werden eins mit ihm.

Ist es nicht so, dass man zu jemandem, den man wirklich gern hat, manchmal sagt: „Ich hab dich zum Fressen gern!“? Es drückt ein bisschen diese Sehnsucht aus, ganz mit dem anderen eins zu sein. Und auch wenn es jetzt auf den ersten Blick etwas eigenartig klingen mag, aber ist es nicht auch das, was ein Kuss bedeutet? Wenn man sich liebt, möchte man sich so nahe sein, wie es nur geht. So können wir fast sagen, dass die Kommunion so etwas wie der Kuss von Gott an den Menschen ist. Der heilige Paulus spricht aber nicht nur vom Kuss, sondern sogar von einer Hochzeit. So wie sich in der Ehe Mann und Frau verbinden, so möchte sich Gott mit uns Menschen verbinden. So schenkt er uns wirklich seinen Leib. Und der Priester sagt kurz vor der Kommunion manchmal dieses Wort: „Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind!“

Kommunion, da stecken die Wörter Gemeinschaft (Stamm „Kom-“) und Vereinigung (Union) drinnen. Durch das verwandelte Brot hat Gott die Möglichkeit geschaffen, sich mit allen Menschen aller Zeiten in geheimnisvoller Weise, aber ganz real zu verbinden. Aber zu einer Gemeinschaft, zu einer Vereinigung, gehören immer zwei, das heißt, es liegt sehr an uns, wie wir uns darauf einlassen. Wie sehr denken wir bei der Kommunion daran, was hier passiert? Das meint nicht, dass wir alles total verstehen müssen. In der Liebe müssen wir nicht immer alles erklären und analysieren, hier geht es einfach darum, da zu sein. Eine Umarmung braucht keine Erklärung. Und hier berühren wir ganz real und tatsächlich Gott selbst. Lassen wir Gott uns von Gott umarmen, wenn wir die Hostie mit unserem Mund empfangen.

Schauen wir nicht nach links und rechts. Wir spüren in gewisser Weise den Leib unseres Gottes. Begrüßen wir ihn in uns. Schweigen wir vor ihm. Es tut gut, wenn wir nach der Kommunion die Augen schließen und daran denken, wer jetzt zu uns gekommen ist. Nach außen hin schmeckt und sieht es weiterhin aus wie Brot, und trotzdem ist es der wahre und ganze Leib Jesu.

Kommunion bedeutet Gemeinschaft. Zuerst Gemeinschaft mit Gott, aber dann auch mit allen anderen, die sich mit Gott verbinden möchten. In der Messe heißt es einmal sinngemäß: „Wie das Brot aus vielen Körnern besteht, so sind wir alle ein Leib.“ Wir Christen bilden alle zusammen einen Leib. Kirche sein heißt nicht nur, einem Verein anzugehören, sondern einen Leib zu bilden, etwas Lebendiges. Es ist der Leib Christi, den wir essen, zu dem wir verwandelt werden. Und darum denken wir bei der Kommunion auch an diese Einheit, diese Familie, die wir bilden. Wir denken an die Heiligen und besonders an Maria, denn sie ist es, die ja den ersten Leib Christi geboren hat. Und in der mystischen Welt, im geistlichen Bereich, hat Gott sie weiterhin beauftragt, die Mutter des neuen Leibes Christi zu sein. Sie ist also da, wenn du Jesus in der Kommunion empfängst. Sie ist da, um deine innere Wohnung für ihren Sohn vorzubereiten. Sie ist da, mit dir die Tür zu öffnen, um Jesus einzulassen.

Niemand wird es wissenschaftlich beweisen können, dass das Brot kein Brot mehr ist, genau so wenig wie du die Liebe wissenschaftlich beweisen kannst. Und dennoch wirst du erfahren, dass sich dein Leben verändert, wenn du mit ganzem Herzen regelmäßig dieses Brot empfängst und damit Jesus in dir aufnimmst. Bewahre diese Begegnung mit Jesus wie Maria in deinem Herzen. Es wird dein verborgenes Geheimnis zwischen dir und Gott sein. Lass dieses Brot die Nahrung für dein Leben werden. Lass dich hier von Gott berühren, indem du seinen Leib berührst…

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