Jim Caviezel: „Medjugorje hat mich geändert…“

Durch seine Rolle von Jesus im Film „Die Passion Christi“ wurde der US-Schauspieler weltberühmt. Anlässlich einer Reise zum Marienerscheinungsort Medjugorje erzählte er über seine persönlichen Hintergründe… Das Interview führte Christian Stelzer von der Medjugorje-Gemeinschaft „Oase des Friedens“ aus Wien und erschien schon vor einigen Jahren in einer Ausgabe unseres YOU!Magazins.

Wie hast du von Medjugorje erfahren?

Jim Caviezel: Meine Frau war in Medjugorje, als ich in Irland gerade bei den Dreharbeiten zu „Monte Cristo“ war. Die Dinge liefen zu dieser Zeit nicht so gut, obwohl ich sieben Tage pro Woche arbeitete. Sie rief mich an und schon an ihrer Stimme spürte ich, dass eine Veränderung mit ihr vorgegangen war. Sie begann mir von Medjugorje zu erzählen und davon, dass ein Seher nach Irland kommen würde. Ich unterbrach sie mit den Worten: „Schau, ich habe ernste Arbeit zu tun. Ich kann mich jetzt nicht mit Sehern abgeben.“ Jedoch dann, an einem Donnerstag, fühlte sich mein Filmpartner, Richard Harris, plötzlich unwohl, und ich bekam für den Rest des Tages frei. So konnte ich bei der Erscheinung dabei sein. Ich stand ganz hinten in der vollen Kirche und hatte keine besondere Vorstellung, was hier vor sich ging. Doch als im Moment der Erscheinung ein Mann neben mir sich aus seinem Rollstuhl heraus auf die Knie fallen ließ, war ich sehr betroffen – dieser Behinderte, so schoss es mir durch den Kopf, kniet trotz seiner unglaublichen Schmerzen auf dem kalten Steinboden und betet! Heute ist mir bewusst, dass nur Gott mich so genau kennen konnte und wusste, wo ich zu packen war.

„Ok, hier bin ich. Ich bin bereit. Mach mit mir, was du willst.“

So eigenartig es klingt, aber am Sonntag darauf bekam ich unerwartet noch einmal frei, und so konnte ich dem Seher Ivan begegnen, was der besondere Wunsch meiner Frau war. Während der Erscheinung kniete ich neben ihm und sagte in meinem Herzen: „Ok, hier bin ich. Ich bin bereit. Mach mit mir, was du willst.“ Im selben Moment spürte ich, wie etwas mich erfüllte, es war so einfach, und doch so einmalig. Als ich aufstand, schossen mir die Tränen aus den Augen, ich begann mit ganzem Herzen zu weinen. Ivan sagte zu mir: „Jim, der Mensch sucht sich immer Zeit für das, was er liebt. Wenn jemand keine Zeit hat und plötzlich ein Mädchen trifft, das er liebt, schafft er sich Zeit für sie. Der Grund, warum jemand keine Zeit für Gott hat, ist, weil er ihn nicht liebt.“ Das traf mich und ich fragte mich, ob ich Zeit für Gott habe. Dann sagte Ivan weiter: „Gott ruft dich, dass du mit dem Herzen betest.“ „Wie soll ich das tun?“, fragte ich ihn. „Indem du beginnst zu beten.“ In diesem Moment öffnete sich ein Fenster meines Herzens. Niemals hätte ich davor gedacht, dass dies möglich sein würde. Wir gingen in ein Restaurant und ich muss sagen, dass mir das Essen und der Wein noch nie so gut geschmeckt haben wie an diesem Abend. Etwas begann sich in mir zu ändern. Oft schon hatte mir meine Frau das Rosenkranz-Beten beibringen wollen, und ich hatte immer abgelehnt. Jetzt aber wollte ich ihn beten, obwohl ich nicht genau wusste, wie. Ich fühlte nur, dass sich mein Herz dafür geöffnet hatte. An einem Morgen sagte ich zu meinem Chauffeur, der mich täglich zum Filmort brachte: „Ich weiß zwar nicht, wie Sie darüber denken. Aber ich will den Rosenkranz beten.“ Zu meiner Überraschung antwortete er mir: „O.K., machen wir es.“

Wann bist du dann das erste Mal nach Medjugorje gekommen?

Jim Caviezel: Nach Abschluss der Dreharbeiten, die in Malta endeten, entschloss ich mich, nach Medjugorje zu fahren. Ich war voller innerer Erwartungen. Im Alter von 20 Jahren war es wie eine innere Stimme, die mir gesagt hatte, dass ich Schauspieler werden solle. Als ich davon meinem Vater erzählte, gab er mir zur Antwort: „Wenn Gott etwas von dir wünscht, dann doch sicher nur, dass du Priester wirst. Warum sollst du Schauspieler werden?“ Auch ich verstand es damals nicht. Jetzt stellte ich mir die Frage neu, ob es Gottes Wille ist, dass ich deshalb Schauspieler werde, um viel Geld zu verdienen und reich zu werden. Ich sah das Ungleichgewicht in der Welt zwischen den wenigen, die viel zu viel besitzen und den vielen, die zu wenig zum Leben haben, und ich war mir sicher, dass Gott das nicht so gewollt hat und dass auch ich mich entscheiden musste, wem ich dienen wollte: dem Reichtum, der keine dauernde Freude schenkt, oder Gott, der mein Leben leiten will. Während der ersten Tage in Medjugorje spürte ich beim Beten eine innere Unruhe, weil ich es nicht gewohnt war, so viel zu beten, und ich bat Gott, mir zu helfen. Doch nach vier Tagen wollte ich nichts anderes mehr tun als beten. Denn immer, wenn ich betete, fühlte ich mich mit Gott verbunden. Das ist eine Erfahrung, die ich jedem Katholiken nur wünschen kann. Vielleicht habe ich als Kind eine solche Erfahrung gemacht und sie vergessen. Jetzt war sie mir geschenkt worden. Und diese Erfahrung hält an, auch zu Hause. In meiner Familie leben wir gemeinsam die Sakramente. Mit meinen Kindern bete ich täglich den Rosenkranz auf dem Weg in die Schule. Und wenn ich einmal nicht gleich beginne, dann fängt mein Sohn mit dem Gebet an.

(c) gettyimages, constantinfilm

 

Welche Beziehung gibt es zwischen dem Film „Die Passion Christi“ und Medjugorje?

Jim Caviezel: Du kennst wahrscheinlich die Redewendung, „den Rubikon überschreiten“ – es bedeutet, dass du nicht mehr zurückgehen kannst. Der Film „Die Passion Christi“ ist so etwas für mich. Ich war 33 Jahre alt, als die Arbeiten zum Film begannen, also im gleichen Alter wie Jesus bei der Passion. Immer wieder hatte ich Zweifel, ob ich würdig sei, Jesus zu spielen. Ivan Dragicevic ermutigte mich und sagte, dass sich Gott nie die Besten aussucht und dass er das bei sich selbst sieht. Ohne Medjugorje hätte ich die Rolle nie gespielt, denn dort hat sich mein Herz dem Gebet und den Sakramenten geöffnet. Ich wusste, dass ich Jesus, wenn ich ihn darstellen will, ganz nahe sein muss. Täglich ging ich zur Beichte und zur eucharistischen Anbetung. Zur heiligen Messe kam auch Mel Gibson unter der Bedingung mit, dass sie in lateinischer Sprache gelesen wird. Das war gut für mich, denn so lernte ich auch Latein. Immer wieder kamen Versuchungen, gegen die ich mich wehren musste, und oft erfuhr ich in diesem Kampf einen großen inneren Frieden. So zum Beispiel in der Szene, wo Maria, die Gottesmutter, auf mich zustürzt und ich sage: „Siehe, ich mache alles neu.“ Diese Szene haben wir vier Mal wiederholt, und ich fühlte trotzdem, wie immer noch ich im Vordergrund stand. Dann schlug jemand auf das Kreuz und meine linke Schulter sprang aus dem Gelenk heraus. Bei diesem plötzlichen fürchterlichen Schmerz verlor ich das Gleichgewicht und wurde vom Kreuz zu Boden gedrückt. Ich schlug mit dem Gesicht auf der staubigen Erde auf, und im gleichen Moment schoss mir das Blut aus der Nase und dem Mund. Ich wiederholte die Worte zur Mutter: „Siehe, ich mache alles neu.“ Meine Schulter tat so unbeschreiblich weh, als ich langsam das Kreuz umarmte und dabei fühlte, wie wertvoll es ist. Hier hatte ich aufgehört zu spielen und es war Jesus, der sichtbar wurde. Wie als Antwort auf meine Gebete trat er hervor: „Ich will, dass die Menschen dich, Jesus, sehen, und nicht mich.“

b05-22 passion17Durch das ununterbrochene Rosenkranzgebet – ich weiß nicht, wie viele Rosenkränze ich während des Films betete – fühlte ich eine besondere Atmosphäre. Ich wusste, dass ich nicht fluchen oder mich gehen lassen durfte, wenn ich dem Team etwas vermitteln wollte. Wie kann ich Menschen helfen, mehr an Jesus zu glauben? Ich begriff, dass das geschehen kann, wenn Jesus in mir gegenwärtig ist durch die Eucharistie und die Menschen durch mein Leben hindurch Jesus sehen. Als die Szene vom Letzten Abendmahl gedreht wurde, hatte ich in speziellen Taschen auf der Innenseite meines Gewandes Reliquien von Heiligen, auch ein kleines Stück vom Kreuz Christi.

Ich wünschte mir so sehr, dass Jesus ganz gegenwärtig ist, und bat einen Priester, das Allerheiligste auszusetzen. Zuerst wollte er nicht, aber ich bat ihn eindringlich, weil ich davon überzeugt war, dass die Menschen, wenn ich auf Christus schaue, ihn eher in mir erkennen werden. Der Priester stand, mit der Eucharistie in den Händen, knapp hinter dem Kameramann und mit ihm ging er nah an mich heran. Wenn die Menschen im Film das Leuchten in meinen Augen sehen, realisieren sie nicht, dass sie in Wirklichkeit Jesus sehen, die Reflexion der konsekrierten Hostie in meinen Pupillen. So war es auch während der Kreuzigungsszene: Der Priester war anwesend und hielt das Allerheiligste in seinen Händen, während ich ununterbrochen betete. Die größte Herausforderung für mich im Film war nicht, wie ich ursprünglich dachte, das Erlernen der Texte in lateinischer, aramäischer und hebräischer Sprache, sondern die körperlichen Strapazen, die es zu bewältigen gab. So hatte ich bei der letzten Szene eine luxierte Schulter, die jedes Mal heraus sprang, wenn ich auf das Kreuz geschlagen wurde. Bei der Geißelung war ich zwei Mal von den Peitschen getroffen worden und hatte am Rücken eine 14 Zentimeter lange Wunde…

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Für mich ist die „Die Passion Christi“ ein einziger großer Liebesfilm. Zugleich sehe ich auch, wie Jesus heute kontroversiell ist, vielleicht mehr als jemals zuvor. Und ich erfahre, dass, obwohl die Schöpfung von vielen Faktoren bedroht wird, die uns Angst machen könnten, der Glaube an Jesus zur Quelle der Freude wird.

 

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