TEIL 14

In jeder heiligen Messe begegnen wir Gott ganz real. Hier öffnet sich sozusagen das Tor zum Himmel. Gott ist wirklich da. In dieser Serie zeigen wir dir, wie die Messe für dich zu dieser geheimnisvollen Begegnung werden kann.

Text: Michi Cech und P. Thomas Figl

Die Hingabe von Gott an uns besteht darin, dass wir uns ganz mit ihm verbinden können. Die Jünger haben Jesus oft beobachtet, wenn er im Gebet ganz versunken war. Sie konnten fühlen, um welche starke Verbindung es da gehen musste. Und so baten sie Jesus einmal: Herr, zeig uns auch, wie das geht. Wie können wir so beten wie du? Die Antwort ist keine lange Anleitung zum Gebet, wie man sich vielleicht konzentrieren kann oder meditiert. Jesus gibt den Jüngern als Antwort einfach ein kleines Gebet. Es ist ein schlichtes Bittgebet. Und doch ist alles darin enthalten, worum es geht. Darum wird es seither von den Christen gebetet und so auch in der Messe.

Vater… Dass wir Gott ganz persönlich als Vater bezeichnen können, ist für uns heute irgendwie normal. Damals aber überhaupt nicht. Und auch wir müssten eigentlich viel mehr staunen. Gott ist nicht unser Herrscher, sondern ein Vater, bei dem wir geborgen sind, der uns liebt und nur das Beste für uns will.

Unser… Als Kinder Gottes sind wir keine Einzelkinder. Vor Gott treten wir als Gemeinschaft. Das Vater Unser ist ja vor allem ein gemeinschaftliches Gebet, ein formuliertes Gebet, welches wir gemeinsam sprechen können. Das hat etwas Verbindendes. Wir kommen gemeinsam zu Gott.

Im Himmel… Wir machen uns immer wieder bewusst, dass der Himmel etwas Reales ist. Übernatürlich, aber real. Mit unseren äußeren Sinnen können wir das nicht wahrnehmen, sehr wohl aber mit unserem Herzen, unserem Verstand, dem Glauben. Der Himmel ist nicht ein Ort über den Wolken. Der Himmel ist die Gegenwart Gottes und Gemeinschaft mit allen Heiligen.

Geheiligt werde dein Name… Man hat einen Namen, damit man angesprochen werden kann. Gott hat seinen Namen genannt, nämlich: „Ich bin der: Ich-bin-da.“ Wenn wir mit jemanden sprechen, gehen wir normalerweise davon aus, dass er da ist und uns hört. Manchmal beten wir aber so, als wäre gar niemand da, zu dem wir sprechen. Gott ist im Himmel, aber der Himmel ist da, Gott hört uns. Das sagt uns sein Name. Und seinen Namen „heiligen“, bedeutet auch, seine Nähe ernst zu nehmen. Machen wir uns bewusst, dass Gott jetzt da ist, und wir werden auf einmal ganz anders beten.

Dein Reich komme… Das Reich Gottes kommt, wo ein Mensch versucht, ganz mit Gott zu leben, sich um die Wahrheit und Gerechtigkeit bemüht. Endgültig wird das im Himmel sein. Jesus sagt, sein Reich ist nicht von dieser Welt. Denn sein Reich ist vielmehr in den Herzen, in unseren Herzen. Und durch uns soll es zu den anderen kommen.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden… Wenn wir das Reich Gottes, seinen Frieden, haben wollen, dann müssen wir auch seinen Willen tun. Im Himmel geschieht sein Wille, und so soll er auch auf Erden geschehen. Manchmal denken wir, dass dieser „Wille Gottes“ etwas ist, was wir nicht wollen. Aber eigentlich bedeutet, seinen Willen zu suchen, das herauszufinden, was wir im Letzten selber wirklich wollen.

Unser tägliches Brot gib uns heute… Gott geht es nicht nur um geistige Dinge, sondern genauso hilft er uns in den alltäglichen Dingen, dass wir genug zu essen haben, dass wir genug zum Anziehen haben, in der Schule, bei Prüfungen usw. Auf der anderen Seite sagt er auch: Kümmert euch zuerst um das Reich Gottes, dann wird euch alles andere dazugegeben. Ja, wir bitten im Vater Unser auch um die alltäglichen Dinge. Aber gleichzeitig bitten wir um das „lebendige Brot“, welches wir in der Messe in der Kommunion gleich empfangen werden.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern… Ein Vater ist derjenige, der vergibt, und er will normalerweise auch, dass sich seine Kinder gegenseitig versöhnen. Diese Zeile im Vater Unser soll uns immer daran erinnern, uns zu fragen, ob ich bereit bin, jedem zu vergeben. Und wir können an dieser Stelle immer auch bitten, dass Gott uns hilft, dem anderen echt zu vergeben.

Und führe uns nicht in Versuchung… Das ist ein schwieriger Satz, denn Gott führt uns ja gar nicht in Versuchung. Aber er lässt Versuchungen zu, genauso wie auch Jesus selbst versucht wurde, aber nur, damit wir reifer und stärker werden. Trotzdem dürfen wir darum bitten, möglichst davon verschont zu bleiben, weil wir wissen, dass wir so oft schwach sind. Es ist auch eine Bitte, dass Gott uns hilft, uns nicht leichtsinnig in Versuchung zu begeben, bzw. dass er uns die Kraft gibt, in Situationen der Versuchung stark zu bleiben. 

Sondern erlöse uns von dem Bösen… Wir glauben als Christen, dass Jesus uns bereits erlöst hat. Trotzdem bitten wir darum, denn wir müssen uns immer wieder darum bemühen, aus dieser Erlösung zu leben. Das Böse war nicht auf einmal mit Zaubertrick verschwunden, sondern es liegt an uns, ob wir dem Weg mit Gott zustimmen wollen oder nicht. Mit dieser letzten Bitte im Vater Unser legen wir einfach unser Vertrauen in Gott, dass er es ist, der uns erlöst, sei es von allem Unglück, Leid und Katastrophen, aber auch von der Sünde.

So stehen wir also gemeinsam vor Gott, unserem Vater, der uns liebt, und legen unser Leben in seine Hände. Der Priester fasst in einem kurzen Vers noch einmal zusammen: Erlöse uns… Gib Frieden… Bewahre uns…

Wenn wir beten und Gott um etwas bitten, dann dürfen wirklich glauben, dass er uns helfen wird, dass er unser Leben führen wird. Und so antworten wir mit einem Statement, das unser Vertrauen noch einmal ausdrückt: Denn dein ist das Reich und Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

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