Wie du lernen kannst, immer mehr in der Gegenwart zu leben.

Text Michi, Ines, Tanja, Miriam und Debbie

Es war eine meine coolsten Erfahrungen. Am Tag nach einem KEY2LIFE Festival vor ein paar Jahren hatten wir nach der ganzen anstrengenden Organisation die spontane Idee: Wie cool wäre es, wenn wir jetzt ans Meer surfen fahren könnten! Ich kann es heute noch nicht glauben, aber am nächsten Tag saßen wir zu fünft oder zu sechst in einem Kleinbus auf dem Weg nach Frankreich ans Meer. Das war für mich „leben im Moment“. Natürlich hatten wir vorher überlegt, ob alle wichtigen Dinge verräumt und erledigt sind. Der Rest aber konnte einfach auch eine Woche warten. Es war eine unvergessliche Zeit und für uns selbst eine spürbare Belohnung für die stressigen Monate davor.

Kennst du dieses Gefühl? Einfach im Moment eine vielleicht etwas ungewöhnliche Entscheidung treffen, um das Leben einfach zu leben? Wie oft stehen wir unter dem Blick und Erwartungen von anderen und machst Dinge, die vielleicht gar nicht so notwendig sind? Wie oft leben wir in einer Wenn-dann-Haltung: Wenn die Schule vorbei ist… Wenn Corona wieder zu Ende ist… Wenn ich einen Freund habe… Wenn ich Geld habe… dann wird alles besser, dann kann ich endlich tun, was ich eigentlich tun will. Kommt dir das bekannt vor? Soll ich dir ein Geheimnis verraten? Wir haben immer nur das Jetzt.

Am Ende nichts bereuen

Es gibt eine Sache in unserem Leben, die klar und sicher ist. Irgendwann werden wir alle sterben. Die Zeitspanne, die wir auf der Erde verbringen, ist begrenzt. Vielleicht sind es 80, 90 oder 100 Jahre. Manchmal auch viel weniger. Die Australierin Bronnie Ware hat in ihrem bekannten Buch „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ über ihre Erfahrungen als Krankenpflegerin von Sterbenden geschrieben. Sie erzählt die Geschichten zahlreicher ihrer Patienten und bemerkt, dass sie besonders 5 Dinge immer wieder gehört hat, die ihre Patienten am Ende des Lebens am meisten bereuten.

Diese 5 Punkte bereuten Menschen am Lebensende am meisten:

    1. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben,
      wie andere es von mir erwarteten.“
    2. „Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.“
    3. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.“
    4. „Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten.“
    5. „Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt.“

You only die once!

Der Blick auf das Ende ist für jeden von uns ein interessanter Gedanke. Irgendwie hilft er sofort, die richtigen Prioritäten zu setzen. „We only die once – wir sterben nur einmal“, das haben One Republic einmal gesungen, ganz bewusst im Gegensatz zum bekannten Slogan: „You only live once – YOLO“. One Republic haben damit einen wichtigen Punkt getroffen. Den Moment zu leben, bedeutet nicht, dass alles egal ist, so als ob es kein Morgen gäbe oder so wie Badmomzjay aktuell in ihrem Song Signal singt: „Lass uns so tun, als wär alles egal.“ Aber auch hier steckt letztlich die gleiche Sehnsucht dahinter, eben sich nicht nur davon leiten zu lassen, was andere von mir erwarten, sondern das Leben intensiv zu leben. Im Augenblick sein. Nicht nur dauernd in der Vergangenheit oder in der Zukunft bleiben. Dinge wagen und auch einmal ein Risiko eingehen. Von der Klippe springen. Genau das macht aber nur Spaß, wenn man weiß, dass unter einem das Meer wartet, in das man springt, oder? Den Moment leben, heißt nicht, mir ist alles egal. Denn einem Freund bist du nicht egal. Darum singen One Republic: „If we only live once, I wanna live with you! – Wenn wir nur einmal leben, dann will ich mit dir leben!“

Leben mit Ewigkeitswert

Ist das Leben nicht genau dann intensiver, wenn du weißt, was dein Ziel ist, was dich am Ende erwartet? Ein Sportler, der den Wettkampf gewinnen will, trainiert ganz anders als wir normalen Menschen. Oder machst du eine Bergwanderung zum ersten Mal, werden dir viel weniger manche Details auffallen, als wenn du den Weg schon gut kennst. Oder wenn du dich überhaupt verirrt hast – wirst du dann deinen Weg genießen können? Wer nicht weiß, wohin er läuft, dem wird bald die Kraft ausgehen, weiterzugehen. Erst vom Ziel her machen die Entscheidungen in der Gegenwart einen Sinn. Als Christen haben wir ein großes Ziel, auf das wir zugehen. Und das ist die Ewigkeit mit Gott. Jeder Augenblick ist daher nicht vergeudet, sondern ist ein Augenblick für die Ewigkeit. Wir müssen das Leben nicht vollstopfen oder auspressen wie eine Zitrone. Wir brauchen auch nicht für die perfekte Insta-Story leben. Wir leben für die Ewigkeit. Und das gibt jedem Augenblick einen echten Wert.

Realität versus Klischee

Bedeutet im Moment leben, dass man sich keine Gedanken über die Vergangenheit oder über die Zukunft machen soll? Oft haben wir eine so romantische Vorstellung davon, was es heißt, ganz im Jetzt zu sein, nach dem Motto: Wir hören die Vögel zwitschern, atmen frische Luft und haben keine Sorgen. Tatsache ist aber, dass es in der Realität oft ganz anders aussieht: Es regnet, ich muss mein Zimmer putzen und meine Schwester nervt. Natürlich können wir uns wünschen, dass eine unangenehme Situation vorübergeht, und doch müssen wir aufpassen, dass wir nicht nur die ganze Zeit darauf warten zu leben, sondern wirklich leben. Sonst verpassen wir das Leben erst recht. Gerade in diesen Situationen, die auch schwer sind. Und natürlich müssen wir die Vergangenheit reflektieren und Verantwortung für die Zukunft übernehmen, aber nicht darin hängenbleiben. Denn der einzige Augenblick, in dem wir leben, der ist jetzt. Darum ist es wichtig, sich ab und zu innerlich zu prüfen, wie meine innere Haltung ist. Bin ich dauernd in Unruhe und unzufrieden über meine Umstände, oder versuche ich aus dem heutigen Tag das Beste zu machen? Eine gute Übung dafür ist es, die Dinge, die ich tue, mit hundertprozentiger Aufmerksamkeit zu tun. Z.B. wenn ich mein Zimmer putze, dann schaue ich nicht aufs Handy. Oder wenn ich wandern gehe, dann denke ich nicht an alles, was ich noch zu tun habe usw.

Frei sein im Moment

Hast du schon einmal darüber nachgedacht? Nur der gegenwärtige Moment ist der einzige Moment, in dem wir real leben und in dem wir wirklich frei sind. Die Vergangenheit ist vorbei und wir können nichts mehr daran ändern, so gern wir uns das auch manchmal wünschen würden. Die Zukunft haben wir auch nur sehr beschränkt in der Hand. Das Einzige, was uns letzten Endes gehört, ist der gegenwärtige Augenblick. Das ist die einzige Möglichkeit, wo wir uns wirklich frei entscheiden können. Nur in der Gegenwart sind wir wirklich in der Realität. Selbst wenn meine ganze Vergangenheit eine Katastrophe war, selbst wenn die Zukunft noch so aussichtslos scheint, jetzt kann ich entscheiden, wie ich den Augenblick leben möchte. Hadere ich die ganze Zeit mit meiner Situation oder versuche ich, die Umstände des Augenblicks vertrauensvoll anzunehmen. Warum vertrauensvoll? Weil wir einen Gott der Gegenwart haben. Wenn wir über die Klippe springen, wissen wir, dass Gott das Meer ist, das uns auffängt.

„Um zu lieben, habe ich nur
den heutigen Tag.“

Therese von Lisieux

Gott der Gegenwart

Gott hat sich in der Bibel dem Volk Israel vorgestellt mit dem Namen „Ich bin“, manchmal auch übersetzt mit „Ich bin da“. Sein Wesen ist also das „Sein“. Absolute Gegenwart. Ist das nicht genau das: im Moment sein? Wie schwer fällt es uns, einmal einfach nur zu sein? Und Gott ist so. Er „ist“ einfach. Er ist Gegenwart und Ewigkeit. Und der Ort, wo wir ihn berühren, ist – der gegenwärtige Augenblick. „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“, so hat es uns Jesus in Bibel versprochen. Wir müssen überzeugt sein, dass jeder Augenblick, wie auch immer er aussieht, ganz von der Gegenwart Gottes erfüllt ist. Jede Sekunde ist somit ein Augenblick der Verbindung mit der Ewigkeit. Und ein besonderer Ort, in dieser Gegenwart zu leben, ist das Gebet. Gebet ist die Erdung mit der Gegenwart, die bewusste Verbindung mit dem Gott, der ist. Sich bewusst machen, dass Gott da ist, hilft uns, auch einfach nur mal „da“ zu sein. Ohne etwas tun oder leisten zu müssen. Wir dürfen dabei Gott unsere ganze Vergangenheit und unsere Zukunft bringen und im Augenblick zu ihm sagen: Ich vertraue dir das alles an! Somit wird unser Leben ein Leben im Moment, ohne falsche Sorge über das Gestern oder das Morgen.

Intensives Leben

Für uns Christen heißt im Moment leben, in dem Vertrauen zu leben, dass Gott da ist und uns jeden Augenblick schenkt, egal ob er angenehm ist oder nicht. Wir brauchen daher weder alles aus unserer Zeit herauspressen, noch müssen wir in schwierigen Zeiten zu viel Angst oder Sorge haben. Wenn wir in diesem Bewusstsein den Augenblick leben, dann können wir ganz im Moment sein, egal, ob es scheinbar wichtige oder unwichtige Dinge sind, die wir tun. Egal, ob ich das Klo putze oder auf dem Snowboard stehe, ich kann beides mit hundertprozentiger Aufmerksamkeit tun. Noch wichtiger ist das in unseren Beziehungen. Gebe ich jedem Menschen das Gefühl, dass ich hundertprozent bei ihm bin, wenn ich mit ihm spreche? Nicht nur aus Höflichkeit, sondern weil ich mich dafür entscheide? Das kann uns manchmal viel kosten, weil wir schnell mit unseren Gedanken woanders sind, nur nicht in diesem Augenblick. Wenn wir uns aber bemühen, auf diese Weise zu leben und Gottes Gegenwart in uns wirken lassen, dann machen wir die Erfahrung, dass nichts dem Zufall überlassen ist. Wir können jeden Moment als wertvoll entdecken und spüren, wie unser Herz dabei frei wird.

Tipps, um mehr im Jetzt zu leben

#1 Aufmerksam sein für alles, was dich gerade konkret umgibt. Die Menschen, die gerade mit dir im Raum sind. Oder das Rotkehlchen, das über dir im Baum vor sich hin pfeift. Oder die schönen Gebäude deiner Stadt. Mach die Augen auf, die Details des Lebens können so schön sein.

#2 Schalte dein Smartphone aus. Auch wenn Handys ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens sind, sind sie doch richtige „Gegenwarts-Killer“. Nimm dir bewusst Zeiten, wo du nicht aufs Handy schaust oder Musik hörst.

#3 Lernen „Nein“ zu sagen. Das ist wichtiger, als man denkt. Ein deutsches Sprichwort sagt, man kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Und es stimmt. Wenn du immer zu allem und jedem „Ja“ sagst, dann hast du keine Möglichkeit, wirklich im Moment präsent zu sein.

#4 Nimm dir Zeit und schreibe mal ganz bewusst auf, wofür du dankbar bist. Und wofür du am Ende deines Lebens gerne dankbar sein möchtest.

#5 Verfügbar sein. Sei offen für die Dinge, die auf dich zukommen. Sei bereit, auch das Gegenteil von dem zu tun, was du dir vorgenommen hast, ohne Unruhe und ohne Sorge, in dem Bewusstsein, dass Gott dir diese Situationen schenkt.

#6 Sich Gottes Gegenwart bewusst machen. Mach dir im Laufe des Tages immer wieder bewusst, dass Gott da ist und dass er mit dir ist.

Bibelverse zum Leben im Moment

„Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sei Reich und um seine Gerechtigkeit gehen, dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen, denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.“

Matthäus 6,31–34


„Freut euch zu jeder Zeit! Betet ohne Unterlass! Dankt für alles; denn das ist der Wille Gottes für euch in Christus Jesus.“

1 Thessalonicher 5,16-18


„Und wenn man euch abführt und ausliefert, macht euch nicht im Voraus Sorgen, was ihr reden sollt; sondern was euch in jener Stunde eingegeben wird, das sagt! Denn nicht ihr werdet dann reden, sondern der Heilige Geist.“

Markus 13,11


„In Frieden leg ich mich nieder und schlafe; denn du allein Herr, lässt mich sorglos wohnen.“

Psalm 4,9


„Denn ich, ich kenne die Gedanken, die ich für euch denke – Spruch des HERRN – , Gedanken des Heils und nicht des Unheils; denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben.“

Jeremia 29,11


„Der Menschen Herz plant seinen Weg, doch der Herr lenkt seinen Schritt“

Sprichwörter 16,9


„Bei Gott allein wird ruhig meine Seele, von ihm kommt mir Rettung.“

Psalm 62,2