Mein Praktikum bei YOU!

„Und, wie viele Kaffees hast du schon gekocht?“, fragt mich ein Freund nach einer Woche Praktikum. „Keinen, aber viele getrunken“, gebe ich zu. Das liegt nicht daran, dass ich hier ohne den Koffeinschub nicht arbeiten kann (das wäre überall so), aber das Redaktionsbüro befindet sich sozusagen in einem Café. Kein Wunder, dass es mindestens eine Kaffeerunde gibt. Aber von Anfang an…

Arbeitsbeginn um 10 Uhr. Ich stehe mit meinem Laptop bepackt im Büro. Sonst ist keiner da. Ein Indiz dafür, dass ich wirklich in Wien gelandet bin und meine deutsche Pünktlichkeit gegen eine österreichische Gelassenheit austauschen darf. Zwei Monate, in denen nun die Frage „Was interessiert Jugendliche?“ im Vordergrund steht und nicht mehr „Wie bringe ich Kindern etwas bei?“ Eigentlich habe ich nämlich gerade Lehramt studiert. Aber statt diesem Beruf weiter nachzugehen, schnupper ich erst einmal zwei Monate Redaktions- (und Kaffee-) Luft, um mich zu orientieren. Vielleicht wäre der Journalismus ja auch etwas für mich?

Jetzt heißt es erst einmal Recherchieren und Schreiben. Der große Holztisch im Büro füllt sich über den Tag immer mehr mit Mädels, die fürs YOU!Magazin arbeiten. Laptops werden ausgepackt, in alten Magazinen geblättert, begeistert von dem Redaktions-Highlight „Avengers: End Game“ erzählt (das Plakat musste unbedingt ins aktuelle Heft!) und sich über die neueste Challenge ausgetauscht. Anschließend hört man nur noch das leise Tippen auf der Tastatur. Naja, zumindest für ein paar Minuten. Dann wird die Stille wieder von einem Lachen unterbrochen oder dem trompeterischen Summen von Michi, dem YOU!-Chef. Ich fühle mich wohl und darf einiges miterleben, schreiben und veröffentlichen: Pressevorführungen, Prominews, Glaubensargumente, Interviews, Blogs und eine Nacht unter freiem Himmel. Also schön viel zum Ausprobieren für eine Quereinsteigerin wie mich.

Um 12 Uhr knurrt dem Ersten meistens schon der Magen und es wird gemeinsam gegessen. Danach einen Kaffee bestellen (Redaktions-Geheimtipp: Espressolimo und Cheesecake) und mit neuer Energie nochmals Word öffnen. Es gibt mal mehr, mal weniger zu tun, der Redaktionsschluss bestimmt die Gezeiten. Und während ich langsam die Abläufe in der Redaktion kennen lerne, finde ich es ebenso spannend, das Katholische dahinter zu entdecken. Ich selbst bin aus einer Freikirche, aber immer neugierig auf Neues. Nachmittags kann man zum Beispiel zum Barmherzigkeitsrosenkranz gehen. Warum nicht, denke ich, und bin erst einmal prompt überfordert. Aber nach einigen Gesprächen wird mir so einiges klar und das kurze Gebet in der stillen Kapelle lässt mich für einen Moment innehalten, alle Gedanken ausschalten und einen neuen Fokus finden. Einen Fokus auf denjenigen, der hinter all dem steht und dessen Bild vorne auf dem kleinen Leitfaden zum Barmherzigkeitsrosenkranz strahlt. Dieser wird mir nämlich kurzerhand zugesteckt und ich trage ihn seitdem in meiner Tasche.

Auch das Schwarz auf Weiß wird zu meinem ständigen Begleiter. Wenn ich es am Anfang nicht gewohnt war, sechs Stunden am Tag auf den Bildschirm vor mir zu schauen, wird es langsam doch zu meinem Alltag – der mir irgendwie gefällt. Auf was mein Blick sonst den ganzen Tag so fällt? Rote Backsteinziegel an den Wänden, daran ein Surferbild. Auf dem Regal ein Vogelkäfig, gefüllt mit Spielzeugtieren. Daneben ein Kleiderständer, an dem auch mal ein Indianerkostüm hängt. Und an der Tür bunte YOU!-Plakate, wo sich nun die Avengers eingereiht haben. Es gibt also eindeutig ungemütlichere Räume, sich sechs Stunden am Tag aufzuhalten. Ansonsten entdecke ich Wien, lerne durch das Café Caspar interessante Leute kennen und überlege, wie es bei mir danach weitergehen soll. Denn irgendwann sind auch diese zwei Monate um. Und bekanntlich geht das schneller als man denkt. Zumindest bei schönen Erfahrungen und einer Tasse Kaffee.

Wenn du auch ein YOU!-Praktikum machen willst, dann findest du hier alle Infos. Viel Spaß dir!

Text: Nadja Schäble

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