„Gott, bitte, mach mich zu einem Jungen!“

Holli fühlte sich nie als Mädchen. Später begann sie Beziehungen mit anderen Frauen. Innerlich war sie zerrissen, hasste ihr Leben. Hollis Geschichte zeugt von einem erbitterten Kampf um ihre Identität und einer Veränderung, wie sie es nicht für möglich gehalten hätte.

„Ich war eine dieser Personen, die denken, sie seien ein Junge, der im Körper eines Mädchens lebt. Ich dachte, Gott hätte einen Fehler gemacht“, erzählt Holli.

Von klein auf fühlte sie sich nie weiblich und fand es schrecklich, wenn sie in ein Kleid gesteckt wurde oder ihr die Haare gemacht wurden. Statt einer Märchenprinzessin, wollte sie lieber der Prinz sein, der seine Braut rettet. „Ich fand damals, ich wäre ein besserer Junge als die meisten anderen in meiner Klasse.“

Sie wuchs christlich auf. Ihre Eltern waren beide kirchlich engagiert und so glaubte sie fest daran, dass Gott sie ändern konnte und betete oft verzweifelt: „Gott, bitte, mach mich zu einem Jungen. Bitte, mach mich zu einem Jungen!“ Aber nichts passierte. Stattdessen fühlte sie sich schon seit früher Kindheit stark von Mädchen angezogen.

Obwohl ihre Familie sehr religiös war, wusste sie nichts von der tatsächlichen Kraft Gottes. „Es ist etwas falsch mit dir, aber es gibt niemanden, der dir helfen kann. Da ist dieser Gott, der dich lieben sollte. Aber er liebt mich nicht so, wie ich denke, dass ich bin. Sondern nur dann, wenn ich so werde, wie die Religion es von mir verlangt“, beschreibt Holli ihr damaliges Gottesbild. Sie fühlte sich von Gott im Stich gelassen.

Diese Gefühle – sich selbst, anderen Frauen und Gott gegenüber – brachten sie dazu, ihr Leben zu hassen und mehrere Selbstmordversuche zu unternehmen. Drogen und Beziehungen mit Frauen gestalteten ihr Jugendalter.

Und dann berührte Gott ihr Herz. Mit 16 Jahren hörte sie auf einem Sommer-Jugendcamp eine Predigt, an die sie sich heute kaum noch erinnert. Das Einzige, das ihr im Gedächtnis geblieben ist, ist ihr Schrei zu Gott: „Gott, bitte, mach irgendetwas!“ Was daraufhin geschah, war nicht nur irgendetwas. Es war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie sich wirklich geliebt fühlte. „Er füllte mich komplett mit Liebe und gab mir ein Lächeln ins Gesicht“, beschreibt sie dieses besondere Erlebnis.

Doch sie wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte. Zuhause wartete ihre Beziehung zu einer Frau, die sie vielleicht sogar heiraten wollte. Eins war ihr klar, sie musste sich entscheiden. Entweder sie gab ihr ganzes Leben Gott oder sie machte so weiter wie bisher. Und so fiel sie direkt zurück in ihren alten Lebensstil.

„Die ganzen Jahre liebte ich Gott so sehr für diese eine Berührung und ich wollte mehr von ihm. Aber ich wusste nicht, dass er mich freisetzen kann.“ Vier Jahre lang lief Holli von Gott weg, bis sie sich eines Tages mit einem Messer in der Hand wiederfand und sich einmal mehr das Leben nehmen wollte.

Aber als sie auf das Messer schaute, machte sie eine Entscheidung. Sie sprach ein endgültiges „Nie wieder!“ zum Selbstmord. Seit der zweiten Klasse hatten sich ihre Gedanken immer wieder darum gedreht, wie sie das Leben beenden könnte. „Jetzt wusste ich, dass Gott besser war. Er war alles, nach dem ich suchte. Alles, was ich brauchte.“ In dem Moment legte sie das Messer beiseite und übergab ihr Leben Jesus.

Sie fing an, in eine christliche Gemeinde zu gehen und lernte dort ihren zukünftigen Ehemann kennen. Diese erste Beziehung zu einem Mann war von Anfang an sehr schwierig. Doch die beiden gaben nicht auf und ein Jahr später besuchten sie zusammen eine Bibelschule. „Ich musste einen Abschluss machen, um zu verstehen: Der Teufel ist schlecht, Jesus ist gut“, sagt Holli über ihre Erfahrungen dort.

Kurze Zeit später heiratete Holli – nicht aus Liebe, sondern aus Gottvertrauen. „Drei Jahre lang war es eine sehr harte Beziehung. Ich hasste es, mit ihm intim zu sein“, gibt sie heute zu. Schließlich kam sie zu dem Punkt, an dem sie so nicht mehr weitermachen konnte. In der Bibelschule hatte sie gelernt, dass Gott handelt, wenn wir hungrig sind nach Veränderung. Und so schrie sie immer wieder zu Gott: „Du musst mich befreien, du musst mich befreien!“

Die Kraft Gottes kam. Eines Tages schlief sie gerade mit ihrem Ehemann, als sich alles veränderte: „Es war auf einmal das Schönste, das ich jemals in meinem Leben erfahren durfte. Ich wusste nicht, dass es so großartig sein konnte. Für die nächsten drei Monate war ich wie ein Teenager – absolut in meinen Mann verknallt.“

Heute beschreibt sich Holli als typische Frau mit Mädchenträumen, einem Ehemann und zwei Töchtern. „Gott hat mich komplett befreit!“, sagt sie. Was sie nun sicher weiß: Wir müssen uns nicht mit allem abfinden, denn unser Leben kann tatsächlich ein kleiner Vorgeschmack des Himmels sein.

Text: Nadja Schäble, Klara Ennemoser / Symbolbild: getty images

Das ganze Zeugnis von Holli kannst du hier auf Englisch anschauen:

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