So siehst du gläubiger aus, als alle deine Freunde!

Fischsticker auf dem Autoheck, Kreuztattoo, oder T-Shirts mit christlichen Sprüchen… Seit Urzeiten spekuliert die Menschheit, was dir in der christlichen Szene tatsächlich Respekt verschafft. Wir haben die Antworten.

Letztes Mal haben wir im Artikel „So erkennen deine christlichen Freunde an deiner Sprache, wie gläubig du bist“ besprochen, wie du dich verbal möglichst heilig artikulieren kannst, damit deine gläubigen Mitmenschen von deiner deepen Relationship with the Lord beeindruckt sind. Nun müssen sie es aber auch SEHEN, denn du kannst ja nicht mit jedem reden.

1. Gehe beim Lobpreis NICHT nach vorne

Es mag zwar so aussehen, als würde der Leiter deiner Gemeinde wollen, dass du möglichst viele Schritte vorwärts machst – und er bringt es sogar noch so, als wäre das auch Gottes Wille – doch du weißt, dass das eine gemeine Fangfrage ist, um die Spreu vom Weizen zu trennen. DU hast die Evangelien gelesen (oder zumindest mal im Gottesdienst gehört) und du weißt, dass dich insgeheim alle deine Freunde für deine Bibelfestigkeit bewundern, wenn du dich weit vom vorderen Bereich des Kirchenraumes entfernt aufhältst.

2. Deine Bibel sollte deine spirituelle Tiefe verkünden

Ein weiterer wichtiger Indikator, an dem Christen deine Gläubigkeit beurteilen, ist deine Bibel. Trägst du sie bei dir? Welche Größe hat sie? Streichst du die wichtigsten Stellen mit Marker an (Minimum ein Vers pro Seite)? Stehen Notizen daneben? Große Pluspunkte, wenn das Buch so aussieht, als wäre es von deinem Hund zerfressen worden. Es wirkt, als würdest du das Wort Gottes kompromisslos überallhin mitnehmen und im Wartezimmer, sowie in der Badewanne lesen.

3. Je altertümlicher, desto besser

Wenn du dich über Gitarre und Cajon im Lobpreis freust, dann ist das voll okay – Aber du zählst definitiv nicht zur Elite. Vermutlich bist du noch in der Phase, in der du Gotteserfahrungen in der Musik suchst. Wenn du reifer wirst, dann wirst du verstehen, dass die wahren Gottesdienste auf Latein gefeiert werden. Aber vermutlich ist das jetzt bei dir einfach noch nicht dran.

4. Trage christliche T-Shirts, die dein Insiderwissen verkünden

Was gibt es besseres, als ein T-Shirt zu tragen, welches Jesus Christus als deinen Herrn und Erlöser verkündet, während du an einem Event teilnimmst, an dem du bestimmt nur Leute treffen wirst, die diese Liebe zu ihm mit dir teilen? Vergiss nicht, dir sobald du die Straße betrittst, etwas überzuziehen.
Hier einige T-Shirt Aufdruckvorschläge:

„Ich bin Christ, frag mich warum!“

Definitiv ein guter Anfang. Problem: Leute fragen dich vielleicht tatsächlich warum.

„Lord of the Things – Jesus Christ“

Niemals ein Fehlgriff, da die Herr der Ringe Trilogie besonders unter Christen hohen Anklang findet.

„Faithbook“

Da Christen gerne mal ein wenig hinterherhinken, ist dieser Aufdruck momentan noch um einiges beliebter als „Instagrace“.

5. Das optimale Social Media Profilbild

Mädels: Du tanzt voll Freude in einem Feld. Die Sonne strahlt dir aufs Gesicht, welches du zum Himmel erhoben hast. Dort schwebt ein Schriftzug, der eine inspirierend klingende Bibelstelle beschreibt.

Jungs: Du musst so wirken, als würdest du etwas arbeiten oder einen Dienst für deine Gemeinde tun. Es reicht, wenn du bloß ein T-Shirt, das in Verbindung mit einem Gemeindedienst steht (Welcome-Service, Gebetsdienst), trägst. Caption gibt es entweder überhaupt keine, oder nicht direkt im Bild. Dabei musst du darauf achten, dass zumindest das Wort „strong“ oder „serving“ vorkommen.


Das Einzige, was diesem Bild noch fehlt, ist eine Bibelstelle quer über den Himmel gezeichnet.

 
6. Gehe auf Missionseinsatz

Um ernstgenommen werden zu können, musst du mindestens einmal im Leben auf Missionseinsatz gewesen sein. Entweder, du tust dies im Rahmen einer Jüngerschaftsschulung, oder du suchst dir einfach selbst ein besonders armes Land und machst zwei Wochen dort Urlaub. Vergiss nicht, ein Foto mit den Kindern auf Facebook zu posten und die Caption „They’re giving me more than I could ever give them“ darunter zu setzen.

7. Arbeite im vollzeitlichen Dienst

Niemand kann an deiner Religiosität zweifeln, wenn dein Einkommen davon abhängt! Also was gibt es sinnvolleres, als sich von einer Gemeinde, Gemeinschaft, YOU-Magazin, Diözese, Bewegung anstellen zu lassen. Du gehst natürlich das Risiko ein, von den Spenden anderer abhängig zu sein, aber wenn du die restlichen Tipps alle befolgst, so sollte es kein Problem sein Spender zu finden, die es für notwendig erachten, deine Gebete zu finanzieren.

Für Social Media: Alles was du getan hast war „eine Ehre“, vor allem wenn du eine wichtige Position innehast.

„Es war so eine Ehre dort predigen zu dürfen!“
„Es ist so eine Ehre, dieses tolle Team leiten zu dürfen!“

Bisher hat schließlich noch niemand gepostet: „Es ist so eine Ehre, hier Kloputzen zu dürfen!“

8. Wenn die stille Gebetszeit zu Ende ist, sei der Letzte der aufsteht

Es ist egal, ob du schon längst mit deinen Gedanken ganz woanders bist und dir schon 500 Möglichkeiten einfallen, was du jetzt machen könntest: Du bewegst dich nicht, ehe alle anderen im Raum schon aufgestanden sind. Sobald die letzte Person den Raum verlassen und die Türe geschlossen hat, darfst du Anstalten machen, aufzustehen. Wie sollen deine Brüder und Schwestern sonst glauben, dass du so eine intensive Gebetszeit hast, dass du Gott am liebsten nie wieder verlassen würdest?

Das war es auch schon mit den überaus hilfreichen Tipps. Alles was in diesem Text geschrieben steht ist Satire und dient zur Erheiterung. Bei den meisten dieser Verhaltensweisen habe ich mich als Autor des Textes natürlich schon selbst sehr oft ertappt. Vielleicht hilft der Artikel aber auch ein wenig, zu reflektieren, wie wir als Christen eigentlich auf Personen die selbst keine „Insider“ sind wirken.

Text: David Strodl / Fotos: Pixabay

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