So erkennen deine christlichen Freunde an deiner Sprache, wie gläubig du bist.

Gestern, während des Prophetic Worships im Obergemach fühlte ich, wie sich eine tiefe Salbung auf den Raum legte, als ich das Wort las. Wir teilten daraufhin die Bibel und hatten den Eindruck, dass wir einen sinnbildlichen Akt der Fußwaschung begehen sollten. Danach hielten wir Agape und wünschten uns gegenseitig den Schalom.

Wenn du dir schwergetan hast, diese Einleitung zu lesen, so kann es sein, dass deine christlichen Freunde noch ein wenig an deiner Gläubigkeit zweifeln. Gehörst du wirklich schon dazu? Bist du ein Insider? Ist Jesus schon so in deinem Herzen verankert, dass er auch wirklich Herr über deine Sprache ist? Wenn dem so ist, so verzage nicht! Ich habe einige Tipps gesammelt, wie du dir das Wunder der Sprache zunutze machen kannst, um deinem Umfeld zu zeigen, dass der Glaube nicht bloß ein Hobby, sondern dein Lebensstil ist:

1. Benutze immer „Amen“ als Zustimmung.

Das ist ziemlich Basic. Wenn du das bisher noch nicht getan hast, dann solltest du schleunigst damit beginnen. Jemand betet etwas vor? – Stimme währenddessen immer wieder mit einem leisen „Amen“ zu und nicke mit verschlossenen Augen mit dem Kopf. Je öfter du das Wort hintereinander sagst, desto eher fühlt sich diese Person bestätigt und entwickelt automatisch Sympathien für dich.

Doch wo wären wir, wenn wir es beim Gebet belassen würden? Amen ist eine generelle Zustimmung. Jemand sagt etwas Schlaues? – Amen! Jemand fragt ob er Pizza bestellen soll? – Amen Bruder! Ein Freund erzählt eine Erfolgsstory, wie er kürzlich ein Jesusbild in das Bankfach der Sitznachbarin geschummelt hat und wie sicher er ist, dass sie sich jetzt bekehren wird? – Amen, Halleluja (Ausnahme: In der Fastenzeit)!

2. Wenn du etwas Kontroverses machst, dann tu es „in der Freiheit der Kinder Gottes“.

Ihr seid coole Christen und nicht so versteift wie der Rest? Ihr trefft euch also zusammen auf ein Bier und packt dann sogar die Zigaretten aus? Das ist schon ziemlich grenzwertig. Aber es ist okay, solange ihr dazu sagt, dass dies in der Freiheit der Kinder Gottes geschieht. Zusammen philosophiert ihr noch ein bisschen herum, wie sehr ihr in der Welt seid, doch nicht von der Welt und dann nehmt ihr noch einen Zug, denn „nicht was in die Lunge hineinkommt ist böse, sondern was aus der Lunge herauskommt“. Oder so ähnlich.

3. Merke dir zumindest fünf Bibelverse.

Je bibelfester du bist, desto mehr Respekt verdienst du. Da die Bibel aber ein sehr dickes Buch und sehr anstrengend zu lesen ist, reicht es, wenn du dir ein paar Verse herauspickst, die du bei Gelegenheit in die Diskussion einstreuen kannst. Dabei ist es egal, ob der Vers komplett aus dem Kontext gerissen ist. Vermeide Stellen aus dem Alten Testament.

Favoriten sind:

„Gebt dem Kaiser was dem Kaiser gehört und Gott, was Gott gehört.“

– Wenn du GIS-Gebühren bezahlen musst.

„Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“

– Gilt als Rechtfertigung für alles. Funktioniert nicht im selben Atemzug mit der Freiheit der Kinder Gottes.

„Das Opfer der Witwe war mehr wert als das Opfer des Reichen.“

– Wenn du bei der Kollekte zum 20 Cent Stück anstatt zum 5€ Schein greifst.

4. Vermeide Schimpfwörter und ersetze sie durch christliche Terminologie.

Schimpfwörter sind wieder so eine Sache. Du möchtest zeigen, dass du eigentlich keiner dieser langweiligen Stock-im-A…meisenhaufen-Christen bist und deswegen berufst du dich auf die Freiheit der Kinder Gottes, die es dir erlaubt, die Sprache der Welt zu sprechen. Das geht doch schließlich nicht ohne Vulgarität oder? Solltest du dich trotz der Freiheit der Kinder Gottes um eine reine Sprache bemühen wollen, so habe ich hier ein paar Phrasen, die du statt dem üblichen Herumfluchen verwenden könntest. Bisher haben sie sich noch nicht ganz durchgesetzt:

Oh sh…alom!
„Erkenn“ dich!
Du kleines… Nadelöhr!
Du Nachkomme Babylons!

5. Sag deinem Gegenüber, dass du seine Anliegen im Gebet mitträgst.

Du wirst vermutlich nie wieder daran denken, aber zumindest glaubt er, dass du für ihn betest. Der Trick ist, schnell nachdem du das ausgesprochen hast, ein kurzes Stoßgebet gen Himmel a la „Herr, ich bitte dich für Peters Anliegen“ zu schicken. Somit lügst du nicht, du hast für Peter gebetet und Peter freut sich, weil er glaubt, du kümmerst dich um seine Anliegen. Win/Win!

6. Bete über WhatsApp.

Jeder Gläubige ist doch mehr oder weniger zwanghaft in einer WhatsApp-Gruppe mit über 100 Gruppenmitgliedern, von denen er zwei Drittel nicht kennt, in welcher ständig Gebetsanliegen gepostet werden. Der Trick, um besonders standfest im Glauben zu erscheinen ist, nicht bloß die gefalteten Hände zu posten, um den anderen wissen zu lassen, dass du für dieses Anliegen betest, sondern gleich dein ganzes Gebet auf WhatsApp zu formulieren. Immerhin hört Gott dich besser, je mehr Leute mitlesen.

7. Lob darf unter keinen Umständen angenommen werden.

Wenn dich jemand lobt, so musst du sofort sagen, dass das nicht dein Verdienst war, sondern alle Ehre an Gott abgeben. Somit werden dich die anderen noch weiter loben und sind beeindruckt von deiner übergroßen Demut. Du könntest quasi auf der Stelle heiliggesprochen werden, so sehr wie du dich dadurch selbst erniedrigt hast.

Das war es auch schon mit den überaus hilfreichen Tipps. Alles was in diesem Text geschrieben steht ist Satire und dient zur Erheiterung. Bei den meisten dieser Verhaltensweisen habe ich mich als Autor des Textes natürlich schon selbst sehr oft ertappt. Vielleicht hilft der Artikel aber auch ein wenig, zu reflektieren, wie wir als Christen eigentlich auf Personen die selbst keine „Insider“ sind wirken.

Text: David Strodl / Foto: IStock

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