Was die Kirche für wahr hält
Was sind eigentlich die Wahrheiten des christlichen Glaubens? Das kann man schwarz auf weiß nachlesen, und zwar im sogenannten Katechismus. Jetzt gibt es ganz neu den „YOUCAT“, den Katechismus für Jugendliche. In kürzester Zeit wurde dieses Buch zum Bestseller und in zig Sprachen übersetzt und auch jeder Weltjugendtagsteilnehmer wird in Madrid ein Exemplar geschenkt bekommen. Wir vom YOU!Magazin wollten nun wissen, wer hinter diesem Projekt steckt. Immerhin ist uns ja der Name gleich sehr positiv aufgefallen… So hat sich YOU! Chefredakteur Michael auf den Weg nach München gemacht, um Bernhard Meuser zu treffen, Chef des katholischen Pattloch Verlags und Verleger des YOUCAT.
Nicht immer trifft man einen großen Verleger. Ich stieg also in mein Auto mit dem Ziel München, das Aufnahmegerät und den Fotoapparat im Gepäck. Ich war gespannt, denn mich hatte dieses kleine Buch, welches wie eine Art Reiseführer durch den katholischen Glauben für Jugendliche aussieht, gleich zu Beginn bereits überaus begeistert, abgesehen davon trug es den Namen „YOU“ im Titel. Bernhard Meuser begrüßte mich in seinem Verlagsbüro sehr freundlich. Ein Mann mittleren Alters, tippte gerade, wie es sich für einen Journalisten gehört, im Zweifi ngersystem in seinen Computer. Bei einer Tasse Kaffee unterhielten wir uns dann über die interessante Entstehung des YOUCAT, sprachen über gute Gründe für den Glauben und über die Wahrheit. Ich spürte das Herzblut für seine Arbeit mit dem Jugendkatechismus und gleichzeitig faszinierte mich die Begegnung mit einem Menschen, der nicht Erfolg und Profi t über sein Leben geschrieben hat. „Wir als Erwachsene müssen die Talente der Jugendlichen fördern“, gab mir Bernhard Meuser noch mit auf den Weg.
Michael: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, so ein Buch, so einen Katechismus für Jugendliche zu machen?
Bernhard Meuser: Es war überhaupt keine lang geplante Geschichte. Ich bin Verleger eines katholischen Buchverlages und wir hatten im Jahr 2005 das deutsche Kompendium zum Katechismus gedruckt. Und bei der Buchpräsentation damals mit Kardinal Schönborn stand eine Mutter auf, die mehrere halbwüchsige Kinder hatte, und machte dem Kardinal Vorhaltungen, dass diese Kurzfassung gar nicht für Jugendliche passen würde, und sie hätte eine kleine Empfehlung: Er soll doch bitte mal nach Rom gehen und einen ordentlichen Jugendkatechismus dort einfordern. Naja, aus dieser etwas interessanten Situation heraus, kam dann die Idee. So haben sich ein paar Leute gefunden und viele Jugendliche, die mitgemacht haben, und so haben wir am YOUCAT gearbeitet.
Michael: Wie genau hat diese Arbeit funktioniert?
Bernhard Meuser: Zunächst haben sich vier Leute gefunden, zwei Priester und zwei Laien. Dann wurden Jugendliche gesucht, die bereit waren, in zwei großen Sommercamps am Jugendkatechismus zu arbeiten.
Michael: Was sehen Sie als das Besondere an diesem Buch?
Bernhard Meuser: Zum einen ist es das erste Mal in der Geschichte der katholischen Kirche, dass es einen solchen Jugendkatechismus überhaupt gibt. Er sieht ganz anders aus als alle bisherigen Katechismen. Er hat viele Bilder und eine Fülle von Anregungen drinnen, dann auch viele Zitate von Heiligen und anderen großen Schriftstellern. Fremdwörter findet man gleich erklärt.
Michael: Wie waren die ersten Reaktionen der Jugendlichen?
Bernhard Meuser:Was mich immer besonders freut, sind nicht die Rezensionen oder Besprechungen von Erwachsenen, sondern wenn Briefe hier eintreffen oder wenn man bei Amazon oder anderen Verkäufern Stellungnahmen von jungen Leuten fi ndet. Wenn eine 17-Jährige schreibt, dass sie das Buch mit heißen Ohren gelesen habe und dass sie zum ersten Mal verstanden hat, was die katholische Kirche ist, dann könnte ich jubeln, weil das genau der Zweck war.
Michael: Der YOUCAT ist im Frage-Antwort-Stil aufgebaut. Lässt sich eine Wahrheit so einfach definieren?
Bernhard Meuser: Ja, vielfach wird die Ansicht vertreten, man könnte das doch heute gar nicht mehr in einem Satz aussagen. In der Welt gäbe es so viele Meinungen und da dürfe die Kirche doch nicht mit standardisierten Antworten kommen. Ich sage immer darauf, dass ein Jugendlicher heute gute kurze Antworten braucht, wenn er in einem Lokal von zehn anderen Jugendlichen umringt wird und ausgefragt wird, warum er Christ ist.
Michael: Und prinzipiell, wie kann man sagen, dass etwas wahr ist?
Bernhard Meuser: Das eigentümliche des Wahrheitsbegriffes vom Christlichen ist ja nicht, dass wir irgendeine Ideologie haben, die wir jetzt systematisieren. Wahrheit beginnt vielmehr damit, dass ich Jesus glaube, dem Gott, der vor 2000 Jahren Mensch geworden ist. Und Jesus nehme ich eben alles ab. Das ist der Kern des christlichen Glaubens.
Michael: Was ist das Positive, das der Glaube einem jungen Menschen von heute geben kann?
Bernhard Meuser: Ich denke, dass der Glaube die Menschen zu zwei Dingen führt: Er führt sie zur Liebe und zur Freiheit. Zur Liebe, indem sie etwas fi nden, das ihnen vielfach in der Gesellschaft vorenthalten ist. Ein Gott, der bedingungslos für sie da ist, der sie annimmt, der sie sieht, der sie beim Namen ruft und bei dem sie sich entfalten können. Das führt dann gleich zum zweiten Punkt, eben zur Freiheit. Der Glaube ist die Möglichkeit, dass man einem gehört, nämlich Gott, und dann vollkommen frei ist, befreit ist, große Dinge zu tun, ein wunderbares, starkes Leben zu führen. Das ist ein unglaubliches Angebot.
Michael: Gibt es in Ihrem Leben ein besonderes Ereignis, das sie als junger Mensch geprägt hat?
Bernhard Meuser: Ich habe in den ersten dreißig Jahren meines Lebens eher schwierige Erfahrungen gemacht. So richtig zum Glauben bin ich erst recht spät gekommen. Für mich war sehr wichtig, dass mir jemand einen Weg zum Gebet gezeigt hat. Ich will nicht sagen, dass ich damit früher keine Erfahrungen gemacht habe. Aber wirklich auf Gott zu vertrauen, wirklich darauf zu vertrauen, dass er mich jeden Tag führt, und dass es keine Zufälle gibt und dass Gott da ist, dass er ansprechbar ist, dass er mich hört, diese Erfahrung habe ich erst spät gemacht und sie hat mein Leben noch einmal fundamental verändert. Dafür bin ich Gott ewig dankbar und da gebe ich ein bisschen etwas zurück.
Michael: Und was ist Ihnen heute am Glauben am wichtigsten?
Bernhard Meuser: Die Lust und Freiheit, etwas für Gott tun zu dürfen. Das ist das Allerschönste, was es gibt. Dass ich nicht mein eigenes Leben führen muss und nicht von Urlaub zu Urlaub lebe, nicht auf die nächste Gehaltsverbesserung warte, nicht auf die Rente warte. Ich habe große Lust im Hören auf Gott, mutige und kühne Sachen zu tun und Freunde zu finden und mit denen fürs Reich Gottes zu arbeiten. Das sind meine Lust und mein Spaß.
Aus dem Vorwort des YOUCAT von Papst Benedikt XVI:
Liebe junge Freunde!
…Manche Leute sagen mir: Junge Menschen von heute interessiert das nicht. Ich bestreite das und bin sicher, recht zu behalten. Junge Menschen von heute sind nicht so oberfl ächlich, wie man ihnen unterstellt. Sie wollen wissen, worum es im Leben wirklich geht. Ein Kriminalroman ist spannend, weil er uns in das Schicksal anderer Menschen hineinzieht, das auch das unsrige sein könnte. Dieses Buch ist spannend, weil es von unserem eigenen Schicksal redet und darum einen jeden von uns zutiefst angeht. So lade ich euch ein: Studiert den Katechismus! Das ist mein Herzenswunsch. Dieser Katechismus redet euch nicht nach dem Mund. Er macht es euch nicht leicht. Er fordert nämlich ein neues Leben von euch. Er legt euch die Botschaft des Evangeliums vor wie die »kostbare Perle« (Mt 13,45), für die man alles geben muss. So bitte ich euch: Studiert den Katechismus mit Leidenschaft und Ausdauer! Opfert Lebenszeit dafür! Studiert ihn in der Stille eurer Zimmer, lest ihn zu zweit, wenn ihr befreundet seid, bildet Lerngruppen und Netzwerke, tauscht euch im Internet aus. Bleibt auf jede Weise über euren Glauben im Gespräch! Ihr müsst wissen, was ihr glaubt. Ihr müsst euren Glauben so präzise kennen wie ein IT Spezialist das Betriebssystem eines Computers. Ihr müsst ihn verstehen wie ein guter Musiker sein Stück. Ja, ihr müsst im Glauben noch viel tiefer verwurzelt sein als die Generation eurer Eltern, um den Herausforderungen und Versuchungen dieser Zeit mit Kraft und Entschiedenheit entgegentreten zu können…
Benedikt XVI
[Foto: (c) photocase.com / cydonna]


1 Comment
Hab auf YouTube ein geniales Video über den YouCat gefunden, und dabei bin ich auch über
If Mary and Joseph used Facebook (http://www.youtube.com/watch?v=reMq5fM874k) gestolpert,
was ich hiermit mit euch teile
Merry Christmas to all of YOU!