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Mönchline
Ich habe mir schon vor längerer Zeit den Film "Sophie Scholl- die letzten Tage" angeschaut und ich war sehr berührt. Aber ich habe mich immer wieder gefragt, wie weit man für seine Überzeugung gehen darf, was man riskieren darf? Christoph Probst zum Beispiel hatte eine kranke Frau und drei kleine Kinder! War es da nicht verantwortungslos von ihm, sein Leben zu riskieren? Und andererseits heißt es doch in der Bibel, dass einem Jesus/die Wahrheit über alles gehen muss…
Deine Julia (16)
Liebe Julia,
auch ich bin von diesem Film und natürlich von den Menschen, die er darstellt, zutiefst beeindruckt. Gerade "Sophie Scholl- die letzten Tage", finde ich, zeigt sehr gut, was die Motivation dieser jungen Frau und der anderen Mitgliedern der Weißen Rose war.
Sie wollten etwas gegen das Unrecht der Nazis tun und dabei natürlich verhindern, entdeckt zu werden. Am Beginn der Verhöre geht ihr Bemühen dann auch in die Richtung, sich wieder herauszureden. Irgendwann aber merkt Sophie - und spricht es auch aus - dass man wahrhaftig für die eigene Überzeugung eintreten muss, ob gelegen oder ungelegen. Das ist es, was Christen auszeichnen sollte, Menschen zu sein, die nicht ständig taktieren und ihren Vorteil suchen, sondern geradlinig den Weg gehen, den ihr Gewissen ihnen weist.
Was das Schicksal Christoph Probsts betrifft, wird gerade Deine Frage in dem Film ja sehr gut aufgeworfen. Ihn zu schützen, war ja auch die Intention der Geschwister Scholl.
Darf man als Christ so weit gehen, sich für die Wahrheit und das Recht in Gefahr zu bringen, auch dann, wenn man Familie hat? Diese Frage muß jeder einzelne sicher vor seinem eigenen Gewissen beantworten.
Christoph Probst aber hat selbst gesagt: "Auch im schlimmsten Wirrwarr kommt es darauf an, daß der einzelne zu seinem Lebensziele kommt, zu seinem Heile kommt, welches nicht in einem ,Erreichen' gegeben sein kann, sondern nur in der inneren Vollendung seiner Person."
Allgemein kann man sagen, daß ein Christ durch den Glauben eben mehr von der Wirklichkeit wahrnimmt als nur diese Welt. Denn wenn man die Perspektive der Ewigkeit hat, verschiebt sich manche Gewichtung, vielleicht sogar so weit, daß man bereit sein kann, für die Wahrheit den Tod in Kauf zu nehmen.
Kurz vor seinem Tod hat Christoph Probst zu den Scholls gesagt: "In wenigen Minuten sehen wir uns in der Ewigkeit wieder." In der Ewigkeit, in Gott, trifft er natürlich auch seine Familie wieder, das dann aber endgültig. Jemand, der Gott nicht kennt, wird das allerdings nie verstehen können...
Unsere Entscheidungen für die Wahrheit fordern oft nicht so viel von uns. Aber auch wir stehen immer vor der Frage, ob wir den kurzen Vorteil für uns selbst der richtigen Entscheidung vorziehen.
Ich kann Dir nur wünschen, daß es Dir in Deinem Leben auch gelingt, geradlinig und gut zu sein.
Dein P. Georg
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