Community
Helpline
Mönchline
Wenn Gott uns Menschen als Wesen mit einem freien Willen ausgestattet hat – also der Freiheit, das zu tun, was wir wollen und für richtig halten –, warum existiert dann laut Bibel die Hölle? Damit ist ja gar keine echte freie Wahl gegeben. Denn wir können zwar wählen, aber wenn wir uns für das Falsche entscheiden, droht die „ewige Verdammnis“ in die Hölle. Was soll denn das für eine Wahlfreiheit sein?
Anton
Lieber Anton!
Mir fällt dazu ein Gespräch mit einem Häftling ein, der mehrere Jahre im Gefängnis gesessen ist. Er hat mir bei einem Besuch gesagt, dass er im Gefängnis gelernt habe, was wahre Freiheit sei: nämlich den schlechten Neigungen, die er – wie wohl jeder Mensch – verspürt, nicht nachgeben zu müssen, und seine guten Vorsätze tatsächlich in die Tat umsetzen zu können. Er wusste, wovon er sprach.
Ähnliches hat der hl. Paulus formuliert, als er schrieb: „Ich entdecke in meinen Gliedern ein eigenartiges Gesetz: nämlich dass ich das tue, was ich eigentlich gar nicht tun will...“ Die Gebote Gottes sind kein äußerer Zwang, sondern sie wollen uns zu einer Freiheit verhelfen, die uns befähigt zum Guten (was ja gar nicht so leicht ist, so sehr wir es auch wollen). Wie das der Papst in Wien gesagt hat, sind die Gebote ein großes JA zum Leben. Sie sagen ganz einfach: „Du bist dann frei, wenn du so handelst. Anders hingegen wirst du abhängig von schlechten Gewohnheiten, von äußeren Umständen und auch von dir selbst, also unfrei.“ Die Bibel sagt recht drastisch, dass wir dann „Sklaven der Sünde“ werden.
Gott möchte, dass wir alle in den Himmel kommen, glücklich werden. Trotzdem respektiert er dabei unsere Freiheit so sehr, dass er seiner Allmacht und seiner Liebe eine Grenze gesetzt hat: nämlich unsere Entscheidungen. So sehr es ihn auch schmerzt, wenn er sieht, dass wir uns für Dinge entscheiden, die unser Leben und unser Glück zerstören. Natürlich sieht er nicht einfach zu: Er mahnt uns durch unser Gewissen, gibt uns seine Gebote und alle möglichen inneren und äußeren Anregungen zum Guten. Er kann aber nichts tun, wenn wir dies alles ausschlagen. Die Hölle ist nicht ein Ort, oder besser gesagt ein Zustand, in den jemand „abgeschoben“ wird, sondern nichts anderes als die letzte Konsequenz der eigenen Entscheidungen, am Ende der Zeit eben auf ewig.
Wenn wir wirklich nur das tun, was wir wollen und für richtig halten, so wie du es gesagt hast, dann werden wir schließlich immer mehr zu Egoisten und bleiben letztendlich einsam zurück. Die Hölle ist in gewisser Weise ein Ort voll lauter einsamer Egoisten, die vielleicht auch im wahrsten Sinn des Wortes „über Leichen gegangen sind“, nur um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Wenn sie aber auf der Erde so leben wollten, dann kann Gott sie nicht „zwingen“, nach dem Tod anders zu sein. Und trotzdem: Wenn der größte Verbrecher ein paar Sekunden vor seinem Tod doch noch bereut, wird er nicht in die Hölle kommen. Wir wissen das zum Beispiel von dem einen Verbrecher, der mit Jesus gekreuzigt worden ist. Für uns als gläubige Menschen geht es aber nicht nur darum, bloß so zu leben, dass wir gerade nicht in die Hölle kommen.
Im Gegenteil: Auch wenn der Verbrecher für uns ein großer Trost ist, dass es nie zu spät ist umzukehren, ist viel mehr jemand anders ein Vorbild und Ideal für unser Leben: Maria, die unterm Kreuz bei Jesus gestanden ist. Sie hat bis zum Schluss in Freiheit ihr JA gesagt und hat geglaubt, auch als es äußerlich gesehen überhaupt nichts gebracht hat. Daher wurde sie auch zur „Königin des Himmels“. Auch du bist, wie Maria, dazu berufen, Gott in dir ganz aufzunehmen und für andere sichtbar zu machen. Und auch du bist gefragt, in deinem Verstand, deinem Willen und mit deiner Freiheit JA dazu zu sagen.
Dein Pater Florian
Um ein Kommentar abgeben zu können, musst du dich registrieren
Jetzt registrieren
