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Ich weiß nicht recht, wie ich anfangen soll. Ich erzähle dir erst einmal, was passiert ist. Eine Freundin von mir hat letzte Woche bei einem Arztbesuch erfahren, dass sie Lymphknotenkrebs hat. Gestern hatte sie gleich ihre erste OP und am Montag fängt die Chemotherapie an. Jetzt fragen wir uns einfach alle, warum?! Warum musste das passieren? Sie ist grade mal 14 Jahre! Und was uns als ihre Freunde betrifft, wie sollen wir damit umgehen, wie auf sie reagieren? Werden sie viele Anrufe oder Besuche nerven? Einerseits möchte ich für sie da sein, aber andererseits will ich mich nicht aufdrängen. Unsere Freundschaft war eher so, dass wir viel miteinander geredet und uns gefreut, wenn wir uns gesehen haben. Sie ist ja auch sehr nett. Aber man konnte sich schon öfter über sie ärgern. Das geb ich zu. Und mir tut es nun leid, dass ich so über sie gedacht habe. Jeder hat ja Fehler, auch ich… Und vor allem habe ich ein schlechtes Gewissen, denn in letzter Zeit hat sie öfters über Bauchschmerzen geklagt. Warum habe ich das nie wirklich ernst genommen? Ich möchte gern alles gut machen…
Claudia, 17
Liebe Claudia!
Zuerst möchte ich dir sagen, dass es mir sehr leid tut, was mit deiner Freundin passiert ist. So etwas anzunehmen, ist nicht leicht. Und man fragt sich nach dem Warum... Ich weiß darauf keine Antwort. - Warum gibt es so viel Schmerz in der Welt? Warum lässt uns Gott leiden? Schwierig zu verstehen. Warum passieren Umweltkatastrophen? Warum müssen so viele unschuldige Menschen unter der Gewalt ungerechter Kriege leiden? Warum Krankheiten?
Gründe... Glaubst du, dass es Gründe gibt? Ich kann diese Fragen nicht beantworten. Aber ich möchte dir ein paar Gedanken weitergeben, die mir dazu einfallen:
Als erstes, würde ich das Kreuz anschauen: Jesus, der daran angenagelt ist, voller Schmerzen nach der brutalen Geißelung, der Dornenkrönung und der ganzen Unmenschlichkeit an Brutalität. Als ob das nicht genug wäre, kommt das geistige Leid hinzu, denn alle seine Freunde, außer Johannes, sind geflohen; auch alle, die geheilt wurden, alle, die Brot und Fisch gegessen haben (das von Jesus auf wunderbare Weise vermehrt wurde) und satt geworden sind, alle, die ihm am Palmsonntag zugejubelt haben. Alle sind verschwunden und viele von ihnen haben vor Pilatus geschrieen: „Ans Kreuz mit ihm!“ Fast am Ende all dieser Schmerzen schrie Jesus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Claudia, Jesus – Gott selbst – hat gelitten... und wie! Wahrscheinlich mehr, als je ein Mensch gelitten hat. Er weiß, was Leiden ist. Und er hat das gemacht, aus Liebe zu uns, zu dir und zu mir, zu allen. Er hätte das Gleiche gemacht, wenn es nur einen von uns, nur mich, dich oder deine Freundin gegeben hätte; er hätte sich nur für sie ans Kreuz nageln lassen, aus totaler Liebe... Das ist seine Antwort auf das Leid.
Jesus ist uns immer ganz nah, aber besonders dann, wenn wir leiden. Manchmal fühlen wir uns so, als ob Gott uns nicht beachten würde. Aber ich bin ganz sicher, dass das nicht so ist. Jesus liebt uns unheimlich viel, und er freut sich sehr, jedes Mal, wenn wir zu ihm beten.
Vielleicht könnte es deiner Freundin helfen, ein Kreuz neben dem Bett zu haben, sodass Jesus in ihrem Alltag präsenter wird und sie über diese Gedanken ab und zu ein wenig nachdenken kann.
Mein zweiter Gedanke: Schmerz ist eine Folge der Erbsünde, das heißt eine Folge der Entscheidung der Menschheit, sich von Gottes Liebe und Plan zu entfernen. Trotzdem werden wir das nie ganz verstehen. Was wir doch verstehen können, ist - obwohl es nicht einfach ist, umso weniger, wenn wir gerade leiden –, dass Schmerz uns reifer macht, großzügiger. Schmerz macht uns heiliger und bringt uns näher zu Gott. Und bei Gott finden wir immer die wahre Freude.
Uns fällt es schwer, aber viele Heilige haben es gesagt, dass Schmerzen, Leid, eigentlich ein Schatz sind. Pater Pio z.B. hatte große und viele Schmerzen. Er wollte keinen Schmerz mehr dazu bekommen, nicht wegen des Unangenehmen, das hat er sehr gerne getragen, sondern weil er sich nicht würdig gefühlt hat, so einen großen Schatz (!) zu erhalten. Wenn wir diese Schmerzen oder dieses Leid Gott aufopfern (übergeben), verwandelt er es in etwas sehr Gutes, was viel bewirken und viel verändern kann. Für den Nichtgläubigen klingt das verrückt, aber deine Freundin hat ein echtes Privileg: für viele zu beten und diese Schmerzen zu opfern, für ihre Eltern, Freunde, für den Papst und die Kirche, für den Frieden in diesem oder jenem Land, für persönliche Anliegen... Mach ihr Mut und zeige ihr, was für einen unendlichen Wert es hat, wenn sie ihre Krankheit auf diese Weise lebt. Sie kann wirklich vieles verändern, mehr als sie glaubt.
Dass man durcheinander ist und klagt, wenn man krank ist, das ist ganz normal. Da ist es eben wirklich gut, wenn wir dieses Leid Gott übergeben. Wie oft haben wir das Vaterunser gebetet, wie oft haben wir gesagt: „Dein Wille geschehe“? Schon oft, aber wenn so etwas kommt, ist es nicht einfach, das aus ehrlichem Herzen zu sagen. Trotzdem: Er wird uns helfen und uns seine Kraft geben, alles zu tragen. Dein Wille geschehe. „Du willst es, Herr...? Dann will ich es auch!“ Das Kreuz annehmen, danach kommt der Himmel.
Claudia, das ist mir so eingefallen. Mit Gottes Hilfe wird deine Freundin es schaffen. Wir wissen nicht wie, aber Gott weiß es.
Noch zwei praktische Dinge wollte ich dir sagen:
Erstens, bete viel für deine Freundin. Das wird ihr mehr als alles andere helfen. Und zweitens, besuche sie oft. Hab keine Angst, dich ihr aufzudrängen. Frag sie mal einfach, ob sie das gut findet oder nicht, sie wird ehrlich zu dir sein. Vielleicht gibt es den einen oder anderen Tag, wann sie keinen Besuch mag, aber in der Regel wird sie sich riesig freuen. Sprich ehrlich mit ihr, vergiss dein schlechtes Gewissen und versuche eine gute Freundin für sie zu sein.
Maria, die Mutter Gottes ist auch bei euch. Sie war auch beim Kreuz dabei, und sie weiß, was Schmerz ist. Sie hatte bei der Verkündigung durch den Engel Gabriel Gott ganz ehrlich gesagt: „Dein Wille geschehe“. Sie hat Gott immer total vertraut und so ist sie gerade in solchen Situationen immer bei uns.
Joe
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Daniela
