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Liebe Jenny!
Ich habe einen großen Blödsinn gemacht! Und jetzt schäme ich mich so sehr für das, was passiert ist. Also, nach unserem letzten Jugendtreffen sind wir in die Kellergasse gegangen, weil dort ein Fest war. Es ist ziemlich lustig hergegangen und es ist natürlich viel Alkohol geflossen. Tja, und dann habe ich so einen Typen kennengelernt. Es war ganz nett mit ihm zu reden, aber dann war ich doch schon ziemlich betrunken und wir sind zu ihm ins Auto gegangen.
Zuerst war’s ja noch recht aufregend, aber dann hat er angefangen, mich auszuziehen und dann hat er mit mir geschlafen. Einfach so. Ich kenne diesen Typen ja gar nicht und ich hab ihn so sehr an mich rangelassen und das alles nur, weil ich zu viel getrunken habe. Jetzt schäm ich mich nur. Es war das erste Mal, und das musste ich im Rausch in einem Auto erleben. Mitbekommen habe ich davon gar nichts. Ich hab es mir einfach so gefallen lassen. Ich weiß, es ist auch seine Schuld. Er hätte das auch nicht tun dürfen, aber das hilft mir jetzt nicht weiter.
Ich fühle mich echt schlecht. Am liebsten würde ich das alles rückgängig machen, aber das geht leider nicht. Ich hoffe nur, dass ich das sobald wie möglich vergessen und verdrängen kann.
Karo
Liebe Karo!
Mich hat dein Mail doch sehr betroffen gemacht. Es tut mir sehr leid, was dir da passiert ist und dass du dein „erstes Mal“ so erleben musstest. „Männer wollen eben nur das eine...“ – aber das hilft uns, wie du gesagt hast auch nicht weiter. Ich hoffe, dass ich dir aus meiner Erfahrung ein paar Ratschläge geben kann.
Sich zu schämen oder die Situation verdrängen zu wollen, sind ganz normale Reaktionen. Aber es ist wichtig, dass du - so schwer es dir auch fallen mag - vorerst akzeptierst, was und wie es passiert ist und es nicht verdrängst, denn das funktioniert auf die Dauer nicht. Ich will diese Nacht nicht abschwächen, ich weiß wirklich, wie schlimm so ein Erlebnis ist! Aber gerade darum weiß ich auch, wie wichtig es ist, dass du versuchst, es als einen Fehler anzunehmen. Diese Nacht und dieser Bursche haben nämlich nicht das Recht, dir die Freude am Leben und die Freude an der Sexualität zu nehmen!
Was geschehen ist, ist geschehen und es ist nicht rückgängig zu machen, aber wichtig ist jetzt, wie du wieder nach vorne schauen kannst. Und dazu musst du dir selbst verzeihen und auch diesem Burschen. Mach dir nicht lange Selbstvorwürfe, grüble nicht groß herum (hätte ich doch nicht, ...wenn ich nur, ...warum habe ich, ...), das macht es nicht besser! Ich weiß, es ist leichter gesagt als getan, Gedanken „in Zaum zu halten“, aber versuche es wenigstens. Du bist immer noch ein genauso wertvoller Mensch wie vor dieser Nacht. Fehler passieren jedem Menschen, und für Fehler muss man sich nicht schämen. Was zählt ist, wie man mit diesen Fehlern umgeht. Du wolltest nicht, dass es so passiert, und das zählt mehr, als das, was dann wirklich passiert ist.
Es war ganz sicher zu einem großen Teil die Schuld dieses Burschen, weil er deinen Zustand ausgenutzt hat. Er hat nicht danach gefragt, ob du wirklich aus freien Stücken mit ihm schlafen wolltest. Und das ist eigentlich schon eine Form der Vergewaltigung. Auch wenn du dich nicht aktiv gewehrt hast, wolltest du es eigentlich nicht, und darauf hätte er Rücksicht nehmen müssen. Ich weiß nicht, wie betrunken er war, und ich will daher nicht über seine Absichten urteilen, ob sie böse waren oder ob es ihm genauso „einfach passiert“ ist. Aber ich weiß, dass er falsch gehandelt hat, und den großen Teil der Verantwortung für das trägt, was da passiert ist. Natürlich ist es nicht klug, zuviel zu trinken, aber du bist nicht die erste, der das passiert. Und natürlich kann man im Nachhinein sagen, es ist nicht klug, zu einem fremden Burschen ins Auto zu steigen, aber das gibt ihm trotzdem noch lange nicht das Recht mit dir zu schlafen.
Wichtig ist jetzt, dass du dir und ihm vergeben kannst. Und etwas, das dabei sehr hilfreich sein kann, ist beichten zu gehen. Bei der Beichte vergibt uns Gott ALLES, damit letztlich wir uns selbst vergeben können. Indem wir in der Beichte unsere Schuld sagen, verdrängen wir unseren Fehler nicht, sondern geben einfach ehrlich zu, wo wir schwach waren. Wir dürfen Gott darum bitten, dass er uns wieder aufrichtet, dass wir wieder gerade vor uns selbst stehen können.
Nur Gott, der unser Innerstes, unser Gewissen kennt, weil er es geschaffen hat, kann uns wieder aufrichten, genauso wie damals den Gelähmten auf der Tragbahre. Und du hast erfahren, dass ein Fehler einen wirklich lähmen kann. Wenn wir Gott in der Beichte um Verzeihung bitten und uns mit ihm versöhnen, zeigt das, dass wir wissen, dass er es ist, der über unserem Leben steht und mit uns etwas Großes vorhat. Und viel zu oft entsprechen wir dem nicht.
Wenn Gott also, der dich immer (und immer noch ganz gleich wie vor dieser Nacht) unendlich liebt, dich sogar mehr liebt, als du dich selbst, dir alles, wirklich alles, verzeiht, dann hast du eigentlich kein Recht, dir selbst etwas nicht zu verzeihen. Wenn Gott, der ganz ohne Fehler ist und dich geschaffen hat, dich so wie du jetzt bist, ganz annimmt, dann kannst auch du dich mit all deinen Fehlern annehmen!
Noch etwas: Durch die Versöhnung mit Gott in der Beichte, heilt er die Verletzungen unserer Seele wirklich vollständig. Alles, was man bereut und beichtet, ist für Gott so, als wäre es NIE geschehen. Wenn Gott vergibt, dann so vollständig, dass er „vergisst“, dass es überhaupt geschehen ist! Das ist für uns Menschen oft viel weniger leicht zu akzeptieren. Du kannst eine Handlung zwar nicht rückgängig machen, aber vor dir selbst und vor Gott bist du wirklich wieder „ganz jungfräulich“, vielleicht noch mehr, weil du einen konsequenteren Entschluss gefasst hast.
Mein zweiter Tipp neben der Beichte ist das Gebet. Rede einfach mit Gott, sag ihm, wie du dich fühlst und bitte ihn, alles wieder gutzumachen und dir zu helfen. Bete auch für diesen Burschen. Ich weiß, dass Gott dich wieder ganz heil machen kann. Er wird nicht ungeschehen machen, was passiert ist. Aber er kann machen, dass du dich deswegen nicht mehr schlecht fühlst, dass du an diese Nacht zurückdenken kannst und dabei Frieden empfinden kannst, auch wenn dir das jetzt noch unmöglich erscheint! Er kann dich ganz neu machen. Und ich bin sicher, dass er dir diese Heilung auch schenken will, wenn du ihn darum bittest.
Sei aber auch nicht ungeduldig mit dir und mit Gott. Auch Heilung braucht Zeit. Für diese Zeit empfehle ich dir „zur Stärkung“ oft die Messe zu besuchen und zur Kommunion zu gehen. In der Wandlung schenkt sich uns Jesus Christus ganz. Er ist für unsere Sünden und Verletzungen gestorben, und durch den Empfang der Kommunion können wir wieder unverletzt und ganz werden, jedes Mal ein Stückchen mehr!
Liebe Karo, ich weiß, dass man viel leichter redet und Tipps geben kann, als wenn man sich selbst gefühlsmäßig in einer solchen Situation befindet! Aber versuch einfach den nächsten Schritt zu setzen und du wirst sehen, dass der liebe Gott mit dir geht.
Deine Jenny
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