
Faith
Papstswjt
JP II
Papst Johannes Paul II forderte uns Jugendliche auf, uns niemals mit Mittelmäßigkeit zufrieden zugeben, sondern immer nach Vollkommenheit zu streben. Er sel...
Plötzlich war der Hype da. Am Samstag war ich noch ein wenig schockiert vom Heimgang unseres großen Papstes zu hören, am Montag, dem 4. April 2005 liefen unsere Telefone heiß. Pro7, ORF und Ö3 riefen bei uns im YOU! Büro an. Ob wir nicht Jugendliche kennen, die noch am selben Tag nach Rom aufbrechen, um am Papstbegräbnis am Freitag teilzunehmen. Interviews wollten sie machen. Am besten mit drei, vier, fünf jungen Leuten. Was „gleichschauen“ sollten diese allerdings auch.
Papaboys gesucht
Plötzlich bemühten sich die Medien darum, „Papaboys“ – wie der nette Ö3 Reporter sie nannte – zu finden. Man merkte schnell, dass die meisten Journalisten ein wenig überrumpelt waren von der Tatsache, dass so viele Jugendliche nach Rom fuhren, um Abschied von Johannes Paul II zu nehmen. Hatte man nicht immer ein Bild der Kirche kolportiert, die keinen Jugendlichen mehr anzusprechen weiß? Wurden nicht wieder und wieder „Experten“ zitiert, welche der Kirche den baldigen Untergang prophezeiten, weil sie nicht zeitgemäß und deshalb unattraktiv für junge Menschen wäre? Und plötzlich bewegten sich Millionen Richtung Rom. Nur weil das Oberhaupt dieser oft schon „totgesagten und –geschriebenen“ Institution seinen Geist aufgab und starb.
Begeisterung für den Papst
Wie das möglich sei, haben sie uns verblüfft gefragt, in den zahlreichen Interviews, die wir spontan bekannten und unbekannteren Medien gaben. Warum dieser, doch nicht ganz unumstrittene Papst, so ein Star bei der Jugend wäre. Vergleiche mit Woodstock wurden bemüht, Wörter wie Popstar fielen. Manche ewig Gestrigen konnten es sich trotzdem nicht verkneifen und versuchten die junge Begeisterung sofort als psychologisch bedenkliches Massenphänomen à la Canetti abzustempeln. Frei nach dem Motto: „Was nicht sein darf, das ist auch nicht.“ Aber sie war da. Und sie wächst weiter. Die Welle der Begeisterung. Und in diesem Fall ist es der Geist, der Papst Johannes Paul II beseelt hat.
Weil er echt war...
Warum wir Jugendliche vom Papst so begeistert waren und sind? In den Interviews war meine Antwort immer dieselbe: „Weil er echt war!“ Und was das bedeute, bohrte dann der Reporter von FM4 (österreichisches Alternativradio) weiter. „Der Papst“, sagte ich, „der Papst, der hat vorgelebt, was er gepredigt hat.“ Wie ich das wissen kann? Ganz einfach: Er wurde 1981 angeschossen, und hat im nächsten Augenblick seinem Attentäter vergeben. Er hat sich als Kirchenoberhaupt in die große Politik eingemischt und sich immer auf die Seite der Unterdrückten (vor allem die Opfer der Ideologien, wie z.B. im Sowjetkommunismus) gestellt.
Er hat an die Wahrheit geglaubt
Seine Taten sprechen für ihn. Aber Johannes Paul war auch ein Mensch, der an die Wahrheit geglaubt und sie gesucht hat. Er sagte nicht das, was bequem war; er war niemals ein Populist. Johannes Paul stand zu hundert Prozent hinter der Lehre der Kirche und wollte keine billigen Zugeständnisse an unsere westliche Gesellschaft machen. Dafür wurde er kritisiert, auf subtile Art verspottet. In Themen wie Abtreibung, Frauenpriestertum, Homo-Ehe, Verhütung, Keuschheit, Zölibat, usw. galt er als konservativ. Zu diesen Themen bezog er eindeutig Stellung. Dafür nahm er mediale Prügel in Kauf. Das ist es, was mich fasziniert. Ein Papst, aber in erster Linie ein Mensch, der nicht nach dem geht, was angesagt ist, was im Trend liegt, sondern nach dem, was auf lange Sicht gut für den Menschen ist. Das wird nicht so leicht verstanden.
Wir müssen tiefer gehen
Auch von den wohlgesinnten Reportern nicht: „Bist du denn mit allem einverstanden, was Papst Johannes Paul II gesagt hat?“ „Ja“, sage ich, „aber das war nicht immer so. Das war ein Werdegang. Zuerst konnte ich nämlich keinen Sinn in den ganzen Ver- und Geboten erkennen, welche die Kirche aufgestellt hat und nach wie vor aufstellt. Aber das ist ja das Problem unserer Gesellschaft! Wir bleiben immer nur an der Oberfläche. Um die Wahrheit erkennen zu können, müssen wir aber tiefer gehen.“ Verständiges Nicken folgt. Ich weiß nicht, ob ich verstanden wurde.
So viele Verbote?
Die Berichte über uns junge Papstfans aus Österreich waren durchwegs positiv. Aber werden die Menschen da draußen wirklich verstehen, dass es in der Kirche nicht um Verbote geht, sondern um das Heil, also um die Erfüllung der Menschen? Der Papst sagt nicht, dass wir keinen Sex vor der Ehe haben sollen, weil er ein Spielverderber ist. Er sagt das, weil er weiß, dass wir Menschen sehr zerbrechliche Geschöpfe sind, die gerade in ihrer Sexualität am leichtesten verwundbar sind. Und seelische Blutungen sind eben nur mit großer Mühe zu stoppen. Ungefähr so verhält es sich auch mit anderen Themen.
Eine andere Perspektive
Als letztes Beispiel sei noch eines herausgegriffen: die Abtreibungsproblematik. „Wie kann man nur hinter so etwas stehen?“, wurde ich gefragt. „Nehmen wir nur für einen Augenblick an“, so die Antwort, „dass das Leben tatsächlich mit jenem Augenblick beginnt, in dem die Samenzelle in die Eizelle eindringt. Heute wird sehr viel über die Rechte der Frauen geredet. Aber was ist mit den Rechten derjenigen Frauen, die noch nicht reden können, weil sie noch nicht geboren sind?“ Zugegeben: das ist eine andere Perspektive. Und genau das, machte der Papst sehr oft. Der Welt eine andere Perspektive schenken.
Unbequeme Zeitgenossen
So etwas ist natürlich unbequem. Aber Christus war auch kein bequemer Zeitgenosse. Christus forderte die Menschen. Und als sein Vertreter auf Erden forderte uns auch der Heilige Vater. Das ist der Geist, den Papst Johannes Paul II am Barmherzigkeitssonntag 2005 aushauchte und in die Hände seines Vaters überantwortete. Der Geist der Kirche, der Geist der Hoffnung, der Geist des Auferstandenen selbst: Jesus Christus.
Letzter Gruß für JPII
Ehrlich gesagt, geht es mir in diesem Artikel auch gar nicht darum den Papst in den Himmel zu loben. Aber ich war dort. Ich stand am Petersplatz, als (damals noch) Kardinal Ratzinger den schlichten Holzsarg einsegnete, ich applaudierte mit den Millionen, die gekommen waren, um ein letztes „Aufwiedersehen“ zu beten, ich sah die Tränen der Männer, Frauen und Kinder, die teilweise weite Strecken in Kauf genommen hatten, um an diesem bewölkten Freitag Karol Wojtyla den letzten Gruß zu entbieten.
Ein Mann des Gebets
Ich hörte Kardinal Ratzingers Predigt, die mit den Worten „Folgt mir nach“ begann und mit denselben Worten endete. Und folgen wollten wir ihm damals am Petersplatz alle. Nachfolgen auf dem Weg des Gebetes, der kleinen Dinge, der unscheinbaren Taten, des Durchhaltens im Leiden, der Hoffnung, des Glaubens und vor allem der Liebe. Wir forderten „Sancto Subito“ – „Sprecht ihn sofort heilig“. Wir waren gekommen um vom Papst Abschied zu nehmen, wir waren aber auch gekommen um genau das zu tun, wozu uns Johannes Paul immer wieder aufgefordert und eingeladen hat: Jesus Christus anzubeten.
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