
Faith
Papstswjt
B 16
von Daniela Sziklai
Gibt es eine Wahrheit? Meistens heißt es: „Es gibt viele Wahrheiten.“ Oder: „Jeder hat seine eigene Wahrheit.“ Gleichzeitig merken wir in unserem Leben aber immer wieder, dass das nicht stimmen kann.
Denn wer stellt nicht täglich die Frage: „Ist das wahr?“ Wer fragt etwa beim Anschauen eines Krimis nicht danach, ob wirklich der Verdächtige das Opfer ermordet hat? Wer fragt denn nicht, ob ein Gerücht, das er über einen Popstar gelesen oder einen Freund gehört hat, stimmt oder nicht? Wir suchen immer nach Wahrheit, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Aber dürfen wir auch behaupten, sie gefunden zu haben?
Genau diese Frage hat Papst Benedikt XVI. im September bei seinem Besuch in Mariazell in Österreich gestellt. Brauchen wir Wahrheit? Wozu brauchen wir sie? Bringt die Frage nach der Wahrheit nicht nur Hass und Streit? Ist es denn nicht besser, wenn jeder „seine eigene Wahrheit“ hat?
Gut und Böse unterscheiden
Nein, sagt der Papst, wir brauchen wieder die Wahrheit, denn erst eine Wahrheit lässt uns Gut und Böse erkennen und unterscheiden. Es muss eine Wahrheit geben, die unabhängig von einzelnen Meinungen ist. Denn es ist eine Sache, ob wir uns bei einem Kriminalfall fragen, wer das Opfer getötet hat. Es ist aber wieder eine ganz andere Sache, wenn der Mörder offen behauptet, es sei „gut“ gewesen, dass er das Opfer umgebracht hat, denn dieser sei nur „schädlich“ gewesen – und wir würden nichts dagegen sagen, denn das ist ja schließlich „seine Wahrheit“...
Besonders gefährlich, sagt Papst Benedikt, kann in diesem Zusammenhang die Wissenschaft werden. Sie kann viel Gutes bringen – aber eben auch Bedrohung und Zerstörung, wenn Wissenschaftler oder Politiker meinen, sie könnten bestimmen, was gut und böse ist. Wir müssen bloß and die Atombombe denken – oder heutzutage an die embryonale Stammzellenforschung, bei der ungeborene Menschen „für die Wissenschaft“ getötet werden.
Die Wahrheit erkennen
Doch wer bestimmt, was Wahrheit ist? Führt das nicht wieder nur zu Fanatismus, Krieg und Terror? Hat es nicht schon genug Religionskriege in der Geschichte gegeben? Und sind sich denn die Terroristen von heute nicht auch ganz sicher, „die Wahrheit“ zu haben, die sie anderen aufzwingen wollen?
Für uns Christen ist das anders – oder sollte es anders sein. Wir Christen erkennen die Wahrheit durch die Liebe, antwortet der Papst. Der Papst sagt: Die Wahrheit erkennt man nie durch Gewalt, sondern nur durch Liebe. Gott möchte uns lieben – und möchte, dass auch wir ihn lieben. So erkennen wir in ihm die Wahrheit.
Maria zeigt uns Jesus
Die Muttergottesstatue von Mariazell macht das sehr deutlich: Hier zeigt Maria, die Mutter, auf ihr kleines Kind, Jesus. Sie zeigt uns Jesus und dadurch die Wahrheit. Christen wissen: Jesus selbst ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Doch will er uns diese Wahrheit aufzwingen? Nein, sondern er kommt zu uns als kleines Baby, das wir einfach liebhaben müssen...
Das macht auch klar: Für Christen ist Wahrheit nie bloß eine Reihe von Behauptungen, sondern vor allem eine Person. Wenn wir diese Person – Jesus Christus – kennen und lieben lernen, lernen wir auch die Wahrheit kennen, die von Gott kommt. Und durch Jesus erkennen wir auch, dass wir Gott vertrauen können.
Ein „Ja“ zu Gott und zu den Menschen
Deswegen ist das Christentum auch kein Moralsystem, keine Reihe von Vorschriften und Verboten, betont der Papst. Es geht vor allem um Liebe – zu Gott und zu den anderen Menschen. Und die Zehn Gebote fassen zusammen, was diese Liebe bedeutet, wie man diese Liebe leben kann. Benedikt sagt: Die Zehn Gebote sind vor allem ein lautes und klares „Ja“: ein „Ja“ zu Gott, zur Familie, zum Leben, zur Liebe, zur Gerechtigkeit, zur Wahrheit, zum Respekt vor anderen Menschen. Durch sie können wir so leben, dass unser Leben gelingt.
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