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11.06.2008

Miss Austria

im Religionsunterricht

Wer sagt, dass der Religionsunterricht immer nur von der Bibel handelt?

von Siegfried Peherstorfer, Michael Cech

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Für die Schülerinnen und Schüler der HTL Wien 10 war das wohl eine größere Sensation, dass gerade ihr Religionslehrer eine Miss Austria in die Schule brachte. Kurz vor Weihnachten des letzten Jahres wurde das Model Tatjana Batinic, die Miss Austria 2006, von besagtem Lehrer in den Unterricht eingeladen. Und sie sprach nicht nur über den Weltfrieden...


Welcome!

„Welcome Miss Austria“ stand groß auf der grünen Tafel des Klassenzimmers. Models und Miss Austrias sieht man ja eigentlich meist nur im TV und auf Promi-Partys. Dementsprechend war auch die freudige Spannung, welche in der Luft lag. Die Tür ging auf, und ein spontaner Applaus begrüßte Tatjana Batinic. Anschließend begann sie zu erzählen: über ihren Beruf, ihre Familie, ihre Einstellung und auch ihren Glauben, was doch den einen oder anderen ziemlich überraschte. Andererseits war man im Religionsunterricht. Trotzdem: Warum glaubt gerade eine junge Dame, die alles erreicht hat, was sich jedes Mädchen wünscht, an Gott?


Glaube ist mir wichtig!

„Der Glaube an Gott ist für mich sehr wichtig. Ein Leben ohne ihn kann ich mir nicht vorstellen.“ Bei der jungen Miss wirkte das auf jeden Fall so selbstverständlich wie nur irgendetwas. Tatjana Batinic, geboren 1985 in Wien, ist Österreicherin kroatischer Abstammung. Ihre Eltern kamen vor etwa 30 Jahren nach Wien. Sie besuchte nach der Volksschule das Gymnasium und maturierte 2005. Anschließend inskribierte sie an der damaligen Pädagogischen Akademie in Wien-Favoriten, um die Ausbildung zur Volksschullehrerin zu absolvieren. Im Frühjahr 2006 wurde die damals 20-Jährige zur Miss Vienna und wenige Wochen später zur Miss Austria gewählt. Derzeit arbeitet Tatjana Batinic hauptberuflich als Model. Sonntags findet man sie aber in der Kirche: „Der Gottesdienst am Sonntag ist für mich eine Gewohnheit im positiven Sinn. Er gibt mir Kraft und Orientierung für meinen Alltag“, so die Miss Austria. Ihre pfarrliche Heimat hat sie dabei in der kroatischen Kirche „Am Hof“ im ersten Wiener Gemeindebezirk gefunden.


Wie wird man Miss Austria?

„Wie wird man Miss Austria?“, will ein Schüler wissen. Bereitwillig stellt sich Batinic den Fragen, die nun auf sie einfliegen: „Ich hab mich schon immer für die Misswahlen interessiert und im Fernsehen angesehen. Vor zwei Jahren, um Weihnachten herum, sah ich die Wahl der Miss Universe. Ich dachte mir: ‚So etwas will ich auch machen. Was kann passieren? Mehr als verlieren kann ich nicht!’ Noch in derselben Nacht hab ich mich übers Internet zur Miss-Vienna-Wahl angemeldet, die ich dann auch gewann. Zur Wahl der Miss Austria traten die neun Siegerinnen aus den Bundesländern sowie die zweitplatzierten Mädchen an. Die Wahl fand in Baden statt und um Punkt 24 Uhr erfuhr ich, dass ich gewonnen hatte...“


Immer schon gläubig?

Ob sie immer schon gläubig gewesen sei, erkundigt sich ein anderer Schüler. Die junge Miss bejaht, der Glaube sei ihr durch ihre Erziehung vermittelt worden. Ihre Eltern seien sehr gläubige Menschen und hätten sie immer in die Kirche mitgenommen. Selbstverständlich habe es auch in ihrer Pubertät eine Zeit gegeben, in der sie in der Kirche auf die Uhr geschaut hätte, wann die Messe denn endlich aus wäre. „Aber diese Phase ist längst vorbei“, lächelt sie offenherzig. „Der Gottesdienst ist schon für mich eine Quelle der Kraft und der Hoffnung.“ Sagt’s und ermunterte die Schülerinnen und Schüler sogleich, doch auch öfter am Gottesdienst teilzunehmen.


Wie läuft die Wahl ab?

In der nächsten Frage geht es darum, wie eine Misswahl so konkret abläuft. Tatjana Batinic: „Zur Wahl der Miss Austria waren wir vier Tage in Baden, um genügend Zeit zu haben, unsere Choreographien zu üben und uns vorzubereiten. Friseure und Visagisten waren da, um uns zu ‚präparieren’. Die Wahl zur Miss Austria bestand dann aus drei Durchgängen. Der erste wurde im Abendkleid absolviert, der zweite im Bikini, der dritte war ein Interview vor der 10-köpfigen Jury. Jeder einzelne Juror vergab in jedem Durchgang Punkte. Am Schluss wurde zusammengezählt.“


Beim Papst!

Ob sie den Papstbesuch vor wenigen Monaten verfolgt habe, der ja bei der kroatischen Kirche „Am Hof“ begonnen hatte, wird sie nun gefragt. „Verfolgt hab ich ihn weniger, ich war selbst dabei!“, das Model kommt nun über ihre Wurzeln ins Schwärmen. „Wir als Kroaten waren sehr stolz, dass der Papst zu unserer Kirche gekommen ist. Benedikt XVI besucht Österreich. Was macht er als erstes? Er fährt zur kroatischen Kirche! Ich war also beim Empfang am Freitag vor unserer Kirche dabei. Das Wetter war ja nicht so schön, wir sind alle nass geworden. Aber er war ein großartiges kirchliches ‚Spektakel’. Es war schön, wie die vielen Kinder und Jugendlichen dem Papst zugejubelt haben, wie sie geschrieen und gekreischt haben und ihn wie einen Popstar begrüßt haben. Mir hat das gefallen. Das ist unsere heutige Kultur. Am Samstag war der Papst in Mariazell, und am Sonntag war ich beim Gottesdienst auf dem Stephansplatz. Das war auch ur-schön. Viele Menschen, große Bildschirme, ein festlicher Gottesdienst.“


Beten Sie?

„Wie wirkt sich der Glaube in Ihrem Alltag aus? Beten Sie?“ fragt ein Schüler. Antwort: „Ich versuche einfach liebevoll zu sein und nicht zickig. Ja, ich bete am Abend. In der Früh ist es meist ein wenig hektisch, da komme ich oft nur zum Beten, wenn ich schon auf dem Weg bin.“


Nacktfotos?

Würde sie aus religiösen Gründen ablehnen, Nacktfotos machen zu lassen? Hier ist die Miss Austria entschieden: „Warum aus religiösen Gründen? Ich will das ganz allgemein nicht.“ Nachsatz: „Und ich hoffe, dass das auch niemanden interessiert!“ Weiters erläutert die junge Schönheit, dass man in der Modelbranche eigentlich gleich die Koffer packen könne, wenn man Nacktaufnahmen machen ließe, was auch gut sei so.


Echte Freunde?

Zum Thema Freundschaft erzählt Tatjana Batinic, dass es in der Gesellschaft, in der sie sich seit ihrer Wahl zur Miss Austria gelegentlich bewege, schwierig ist, tiefere Freundschaften zu knüpfen. Die Gespräche seien hier oft sehr oberflächlich und meistens Smalltalk. Wahre Freunde erkennt man aber nicht nur dann, wenn es einem ganz schlecht geht, sondern auch, wenn es einem ganz besonders gut geht. So die Meinung der Miss zu diesem Thema.


Beichte?

Beichte ist die Vergebung der Sünden. Dadurch fühle ich mich reiner und es ist schön, die Vergebung der Schuld offiziell von Gott zugesprochen zu bekommen.


Die Schülerinnen und Schüler bedankten sich beim charmanten und prominenten Gast für das Kommen mit einem Strauß Blumen und einem kräftigen Applaus. Und dann wurden Fotos gemacht...

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Tatjana Batinic, Österreicherin mit kroatischer Abstammung, gewann die Miss Wahlen im Jahr 2006
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Miss Austria Tatjana Batinic mit allen Jungs der Klasse – inklusive Religionslehrer!
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Miss Austria nahm sich mit großer Geduld Zeit für alle, auch für Einzelfotos mit Schülern.

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Ja...
von: davidhume
25.06.2008
...das passt ja. Auf der einen Seite einen Beitrag über eine ehemalige Pornodarstellerin zu machen, die nun zu Gott gefunden hat, auf der anderen Seite einen Artikel über eine gläubige Miss Austria. Dass sie, die sich mit den Misswahlen einem System unterwirft, dass die Frau zum Objekt degradiert, hier als Vorbild dargestellt wird, ist ja wirklich lachhaft.

Glaube über alles, oder? Da ist’s ja dann egal, ob man zu dem findet nachdem oder bevor man sich objektifizieren hat lassen.

Da hast du gar nicht so Unrecht...
von: -Maria-
27.06.2008
...allerdings wurden eigentlich wir alle in solch ein System, das Menschen als Objekte betrachtet, hineingeboren und arbeiten und leben mehr oder weniger von diesem System, schließlich agiert so die gesamte Wirtschaft und nicht nur die Modewelt. Das lässt sich allerdings kaum vermeiden, ich kenne kein Wirtschafts- oder Regierungssystem, das dies nicht tut.

Wenn jemand an die Macht kommt, wirtschaftlich oder politisch, führt dies leider meist dazu, dass er Personen nur als Ware oder Mittel zum Zweck betrachtet.

Also, wie sollte deiner Meinung nach ein Vorbild aussehen, jemand der sich komplett von der normalen Welt abschottet und sich und eine kleine Gemeinde selbst versorgt? Nur so kann man diese “Objektifizierung”, von der du sprichst, komplett vermeiden. Das ist sicher bewundernswert, aber ob wir alle das machen sollten oder überhaupt können?

Also ist es doch auch vorbildhaft, in diese Welt etwas Liebe, Glaube und Werte zu bringen, wie Tatjana das versucht.

Ach nein,...
von: davidhume
29.06.2008
...mit einem System hat das recht wenig zu tun. Oder glaubst du Tatjana ist vom System dazu gebracht worden, sich im Bikini vor eine Jury zu stellen?
Hallo David,
von: -Maria-
07.07.2008
nein. Aber du kaufst auch im Supermarkt ein und lässt dich somit zum Objekt Kunde degradieren. Und würdest du jemanden nur dann als Vorbild bezeichnen wenn er nichts einkauft?

Das meinte ich eigentlich.

Ich persönlich interessiere mich überhaupt nicht für Mode oder Misswahlen, aber wenn jemand das tut und dabei bei all der Oberflächlichkeit, die in diesem Bereich (wie auch in vielen anderen Lebensbereichen) vorherrscht, nicht vergisst, dass jeder Mensch etwas Besonderes ist und bei seinen Werten bleibt, wieso soll das dann nicht vorbildhaft sein.

von: -Maria-
12.06.2008
Die war an meiner Schule gg

Einer unserer Relilehrer hat uns in einer Supplierstunde auch mal einen Fernsehbeitrag über sie und ihren Glauben gezeigt.

Halleluja
von: Andi33
12.06.2008
Wie schön, das Tatjana so offen über ihren Glauben spricht und so ein positives Zeichen setzt!

 

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