
Faith
Zeugnisse
Where the Funk is
von Valerie Schwarzbauer
Mit 19 Jahren hat Pater Philipp Neri, damals hieß er noch Martin, den Entschluss gefasst, für immer das Leben eines Mönches zu leben. Dazu verzichtete er auf das Heiraten sowie auf eigenen Besitz, um ganz Gott zu gehören, im Dienst für die anderen. Kapp 70 weitere Mönche, die meisten von ihnen sind ebenfalls noch sehr jung, leben im Stift Heiligenkreuz im Herzen des Wienerwaldes, wo erst vor kurzem Papst Benedikt XVI bei seinem Besuch in Österreich Station gemacht hat. Klöster sind „Orte der geistlichen Kraft“, so hat es der Papst damals gesagt.
Für Pater Philipp ist dies seit sechs Jahren tägliche Wirklichkeit geworden. Und auch die zahlreichen Besucher spüren die Anziehungskraft dieses speziellen Ortes. Rund 160.000 sind es jährlich. Viele sind in erster Linie an dem kulturell großartigen Bauwerk des Klosters interessiert. Andere kommen, um sich für einige Zeit zurückzuziehen, weil sie ihr Leben neu ordnen möchten oder einfach Ruhe benötigen. So fand zum Beispiel der deutsch/österreichische Oskarpreisträger Florian Henckel Donnersmarck, zugleich Neffe des Abtes, als Drehbuchautor die nötige Inspiration für seinen erst preisgekrönten Film „Das Leben der anderen“. Aber auch für „ganz normale“ Menschen und besonders für Jugendliche besteht die Möglichkeit, ein paar Tage Auszeit im Stift Heiligenkreuz zu nehmen

Mit seinem Ordenseintritt ins Kloster hat sich vieles für den jungen Mönch Philipp verändert. Ein neuer Name, ein neues Gewand, ein neuer Tagesablauf. Er trägt von nun an das Ordensgewand der Zisterzienser. Höchstens beim Basketballspielen – das Kloster hat eine eigene Basketballmannschaft – legt er das schwarz-weiße Gewand ab. Genauso wie die Namensänderung war das Ordensgewand ein Zeichen für den tiefgehenden Einschnitt in seinem Leben. Noch heute erinnert er sich, wie besonders es für ihn war, als er plötzlich einen neuen Namen bekam: – „Da merkt man dann, das etwas anders ist als vorher.“
Die altehrwürdige Regel „Ora et Labora“ („Bete und Arbeite“) sollte von nun das gesamte Leben prägen. „Und auch das ‚Lege’ – das Lesen hat eine wichtige Bedeutung“, fügt Pater Philipp hinzu. Gemeint ist das Lesen der Bibel und anderer geistlicher Schriften. Doch im Grunde sei alles ein Gebet. „Die Grenzen zwischen dem, was ‚irdisch’ und was ‚himmlisch’ ist, verschwimmen immer mehr, weil Gott eben nicht bloß in der Kirche wohnt!“, so der junge Zisterziensermönch. Trotzdem möchte er betont wissen, dass man es hier nicht mit „abgehobenen Übermenschen“ zu tun hat, sondern mit Menschen, die sich einfach von Gott verändern lassen wollen.

Nur so ist es auch verständlich, dass ein Leben im Zölibat, das heißt ein eheloses Leben, genauso wie Armut und Gehorsam, die Dinge, für die er sich entschieden hat, ein ganzes Leben lang möglich werden. Einige seiner Freunde sind mittlerweile verheiratet, haben berufliche Karriere gemacht, sind sogar schon Eltern geworden. Doch seine Suche und Sehnsucht nach Gott war stets stärker als das Verlangen, eine Familie zu gründen oder weltlichen Erfolg anzustreben.
Er hat sich einen Ort der Stille gewählt, der so ganz anders ist. Im oftmaligen Schweigen möchte er die Stimme Gottes entdecken, aber auch in sich hineinhören. Pater Philipp: „Ich will meine innersten Worte hören, jene Gedanken in mir, die ich oft nicht einmal wahrhaben will – um zu sehen, wohin sie mich führen, und um zu sehen, wer es ist, den Gott da liebt. Das alles steckt im Schweigen.“ Gleichzeitig fügt er lächelnd hinzu: „Und schwer fallen tut es mir trotzdem.“

Der junge Zisterzienser versucht die Faszination von Klöstern dadurch zu beschreiben, dass diese eben gerade „so anders“ sind. Manche bezeichnen es vielleicht als „hinterweltlerisch“, doch für ihn bedeutet es gerade viel, ein wenig „hinter der Welt“ zu sein, um einen „klaren und objektiven Blick auf die Dinge des Lebens zu bekommen“. Pater Philipp ergänzt weiter: „Mit dieser neuen Sicht des Lebens wird man dann das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden lernen. Das gibt einem wahre Freiheit, Gelassenheit und Freude.“ Klöster als „geistliche Oasen“ also, in denen die Menschen Kraft finden können.
Die leicht müden Augen des jungen Paters lassen aber erahnen, dass er bereits seit den frühen Morgenstunden auf den Beinen ist. Mit einem verstohlenen Gähnen verrät er, dass sein Wecker bereits um 4.30 Uhr geläutet hat, um pünktlich um 5.15 Uhr fit fürs Gebet zu sein. „Ich stehe früher auf und gehe früher schlafen“, smiled der Mönch und macht sich mit diesen Worten auf den Weg in die Klosterkirche. Es ist 19.45 Uhr, und die Glocken haben zur Komplet, dem Nachtgebet der Mönche, geschlagen. Danach herrscht im Kloster das „Silentium nocturnum“, das nächtliche Schweigen.

Facts
...so wird man Mönch:
1. Erstes Probejahr, das „Noviziat“: Man bekommt einen neuen Namen und das Ordensgewand.
2. Zeitliche Gelübde („Zeitliche Profess“): für drei Jahre
3. Ewige Gelübde („Ewige Profess“): Gelübde für das ganze Leben, man ist ein „richtiger Mönch“.
...Tagesablauf eines Mönchs:
5:15 Vigilien (Morgengebete)
6:00 Laudes (Morgenlob)
6:25 Konventmesse, danach Frühstück
8:00 -12:00 Arbeit
12:00 Terz, Sext (Stundengebete), danach Mittagessen
12:55 Non (drittes Stundengebet zur neunten Stunde), danach Freizeit
14:00-18:00 Arbeit
18:00 Vesper (abendliches Lobgebet der Kirche), danach Abendessen und Freizeit
19:45 Komplet (Nachtgebet) danach „Silentium nocturnum“, nächtliches Stillschweigen
20:10 Rosenkranz vor dem Allerheiligsten

...In der Kirche verbringen die Mönche fast dreieinhalb Stunden ihres Tages, mit Gebet und Heiliger Messe.
...Im Kloster befindet sich ein 23,5 cm langes Stück des Kreuzes Chisti, für jeden zu sehen in der Kreuzkapelle.
...Die Zisterzienser sind schwarz-weiß gekleidet. Das Ordensgewand besteht aus drei Teilen: Aus einem weißen, bodenlangen „Habit“ (lat. Prägung, Kennzeichen), es ist eine Art Taufkleid, durch das der Mönch zum Ausdruck bringt, dass er radikal Christus gehören will. Darüber wird das „Skapulier“ (Schürze) getragen und zusammengehalten wird das Ganze von einem schwarzen „Zingulum“ (lat. Gürtel).
...Gäste sind in Heiligenkreuz sehr willkommen. Die Art des Gastaufenthaltes kann sehr verschieden sein: geistliche Einkehr, Erholung vom Stress, Zeit für das Studium, Neuordnung des Lebens, Jugendveranstaltungen, Pilgerreise oder einfach einige Tage in Stille. Für Burschen und Männer besteht auch die Möglichkeit zu „Kloster auf Zeit“, d.h. man kann dann mit den Brüdern einige Zeit lang ganz mitleben. Heiligenkreuz ist besonders offen für Jugendliche. Jedes Jahr finden zahlreiche Jugendveranstaltungen statt. Weitere Infos zum Kontakt auf www.youmagazin.com
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