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04.05.2007

José starb mit 14

für Gott

Er kann sich noch gut an seinen Freund José erinnern. Vor gut 80 Jahren - er war gerade mal 8 - musste Pater Maciel den Märtyrertod seines 14 Jahre alten Freundes miterleben. “José Luis Sánchez del Rio starb um den Glauben zu verteidigen”, so hatte dieser über sich selbst in seinem Abschiedsbrief geschrieben. Am Christkönigssonntag 2005 wurde José nun selig gesprochen und Pater Maciel, der später Gründer der Legionäre Christi und der Gemeinschaft Regnum Christi geworden war, erinnert sich an den Jugendlichen zurück, der ihn ein ganzes Leben lang prägen sollte...




Sie haben den nun seligen José Luis Sánchez persönlich gekannt. Was sind Ihre ersten Erinnerungen an ihn?

P. Maciel: José stammte aus einer Ortschaft ganz in der Nähe meines Geburtsorts Cotija. Ich war sechs Jahre jünger als José, der mit Freude für uns jüngere Kinder Spiele organisierte. Dabei erzählte er uns von Jesus und nahm mich zu einem Besuch beim Allerheiligsten in die Kirche mit. Er war ein großartiger Junge.


Warum wurde er verfolgt und dann getötet?

P. Maciel: Als die Zeit der religiösen Verfolgungen in Mexiko begann, wollte er ein „Cristero“ (katholische Widerstandsbewegung gegen die systematische Christenverfolgung der Regierung) werden, um den Glauben zu verteidigen. Einige Zeit später wurde José Luis festgenommen und wir erfuhren, dass sie ihn in der Taufkapelle der Pfarrkirche festhielten. Ein Fenster geht direkt auf die Straße und dort konnten wir ihn singen hören: „Al Cielo, al cielo, al cielo quiero ir“ („In den Himmel, in den Himmel, in den Himmel möchte ich“). Dieses Lied sang er und wartete auf seine Verurteilung.




Nach einigen Tagen bekamen wir dann nachmittags die Nachricht, dass sie ihn in ein anderes Gebäude gebracht hätten. Noch in derselben Nacht zogen sie ihm die Haut von den Fußsohlen und zwangen ihn, barfuß bis zum weit entfernten Friedhof zu laufen. Wir, ein paar Verwandte, Freunde und Bekannte aus dem Dorf folgten ihm aus der Ferne. Ich erinnere mich noch an die Blutspuren, die seine Schritte hinterließen. Seine Hände waren auf dem Rücken festgebunden, und ich erinnere mich daran, wie er gestoßen und angeschrieen wurde, damit er endlich aufhöre, „Viva Cristo Rey“ („Es lebe Christus, der König“) zu rufen.

Wir durften nur bis zur Friedhofsmauer mitgehen. Auf dem Friedhof wurde er dann neben ein Grab auf den Boden gelegt, mehrmals geschlagen und immer wieder dahin gedrängt, den Glauben zu leugnen. Er aber rief unbeirrt weiter: „Viva Cristo Rey y Santa María de Guadalupe!“ („Es lebe Christus, der König und die heilige Jungfrau Maria von Guadalupe“). Da sein Vater nicht anwesend war, fragten sie ihn voller Hohn: „Was sollen wir deinem Vater sagen?“ Und er antwortete ihnen: „Dass wir uns im Himmel wieder sehen werden!“

Schließlich wurde er durch einen Schuss in den Nacken getötet. Ich hörte den Knall, der seinem Leben ein Ende setzte. Sie können sich nicht vorstellen, was dieses Erlebnis besonders bei uns Kindern für einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. Ich werde meinen Freund, der sein Leben für Christus hingegeben hat, immer liebevoll im Gedächtnis behalten. Für mich ist er immer ein Zeuge dafür geblieben, was wahre Liebe zu Christus wirklich heißt. Wenn ich mich an ihn zurückerinnere, werde ich manchmal auch wehmütig und frage dann den Herrn: „Warum hast du ihn zum Märtyrer gemacht und mich vergessen?“


Was hat das Zeugnis von José bei Ihnen bewirkt? Wie hat es Sie beeinflusst?

P. Maciel: Das Martyrium von José Luis hat in mir tiefe, unauslöschliche Spuren hinterlassen: Sein Tod hat mir die Gewissheit geschenkt, dass der Glaube wertvoller ist als das eigene Leben; es hat mir vom ewigen Wert eines Lebens erzählt, das sich aus Liebe zu Christus ganz hingibt; es hat in mir die Sehnsucht nach der Ewigkeit geweckt.

Aber das geschah nicht nur durch José Luis allein. In meinem Heimatort Cotija sind wir während des Krieges oftmals Zeugen geworden, wie auf dem Marktplatz „Cristeros“ gehängt oder erschossen wurden und wie sie mit dem Ruf: „Viva Cristo Rey!“ starben.

Ich glaube, dass das Zeugnis des Martyriums so vieler Christen, die es vorgezogen haben, ihr Blut zu vergießen, anstatt Jesus Christus zu verraten, mein eigenes Leben und meinen Sendungsauftrag als Gründer entscheidend beeinflusst hat. Denn es war dieses Zeugnis, das den heldenhaften Glauben der ersten Christen neu hat aufleben lassen.

Dieses Zeugnis hat mir geholfen, zu verstehen, dass ein Christenleben, um stimmig zu sein, Jesus ganz verpflichtet sein muss. Christentum heißt nicht, ein mittelmäßiger Christ zu sein, der lau ist und der, wie ein Wort aus dem Volksmund sagt, „eine Kerze für Gott anzündet und eine für den Teufel“.

Ich hätte gern mein Leben so hingegeben, wie es José Luis Sánchez und hunderte, ja tausende von Märtyrern unter den „Cristeros“ getan haben. Aber ich habe verstanden, dass Gott mich um eine andere Form von Martyrium gebeten hat: nämlich das Evangelium bis zur letzten Konsequenz im Leben umzusetzen. Das ist es letztlich, was hinter der Gründung der Legionäre Christi und der Bewegung Regnum Christi steckt: Es geht darum, dabei mitzuhelfen, dass auch andere Menschen sich darauf einlassen, die Liebe Jesu Christi zu kennen, zu leben und sie weiterzugeben.

Das war auch meine persönliche Erfahrung. Den Ruf, Priester zu werden, habe ich bereits mit 14 Jahren empfangen, und ich bin direkt von zu Hause ins Priesterseminar gegangen, als ich 15 Jahre alt war. Niemals habe ich seither an meiner Berufung gezweifelt. Ich war und bin vollkommen glücklich in meinem Priesteramt, und ich bin jetzt schon 85 Jahre alt.




Was ist Ihre Bitte an den seligen José Luis?

P. Maciel: Eigentlich das, wofür ich immer bete: Möge Gott uns die Gnade schenken, ihm treu zu bleiben im Glauben und in unserer bedingungslosen Liebe zu Christus bis zum Tod. Ihm vertraue ich alle Kinder und Jugendlichen an. Ich denke, so wie er für mich ein Vorbild der Freundschaft mit Christus und christlicher Wahrhaftigkeit gewesen ist, so wird er es auch für sie sein.

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