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Zeugnisse
Where the Funk is
Die Weiße Rose – Bei längerem Nachdenken und Zurückerinnern an das, was man doch schon mal im Geschichtsunterricht gehört hat, kommen einem wahrscheinlich Schlagwörter wie Widerstandsgruppe gegen das NS-Regime, 1942/43, Studentenbewegung, Flugblattaktion, Scholl Geschwister in den Sinn. Der eine oder andere hat vielleicht auch den Film über Sophie Scholl (Die letzten Tage) gesehen, doch wer die Mitglieder der Weißen Rose nun wirklich waren und warum gerade sie sich als einfache Studenten gegen das Hitler-Regime aufgebäumt haben, das weiß man wenig. Wie haben sie gedacht, welche Interessen haben sie gehabt haben und woher fanden sie den Mut für ihr waghalsiges Unternehmen?
Anlässlich einer Ausstellung im Hauptgebäude der Universität Wien war die einzig Überlebende, die mittlerweile 85-jährige Anneliese Knoop-Graf, Schwester von Willi Graf, zu Gast und gab in ihrem Vortrag Einblicke in die inneren Gedanken der Weißen Rose. Auch der Regisseur der Sophie Scholl Verfilmung, Marc Rothmund, war zugegen.
Von Freundschaft wurde gesprochen. Und vom christlichen Glauben. Am nächsten Tag gehen wir vom YOU!Magazin selbst vor Ort und schließen uns einer kleinen Schülergruppe an, die von einem jungen Medizinstudenten durch die Wanderausstellung geführt wird. Hier soll es nicht bloß um historische Daten und Fakten gehen, sondern um das Leben und die tiefe freundschaftliche Verbindung der Hauptakteure selbst.
Die Devise dieser Ausstellung lautet wohl einfach stehen bleiben und lesen. Schritt für Schritt kommt man den Menschen näher, die vor gut 60 Jahren ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben. Menschen, die einfach nicht mehr tatenlos zusehen wollten, denen es nicht ausreichte einfach nur „dagegen“ zu sein. Sie wollten handeln, wollten auf menschliche Weise gegen unerträgliche Unmenschlichkeit rebellieren.
Die Geschwister Hans und Sophie Scholl, Alexander Schmorell, Christoph Probst, Willi Graf und Kurt Huber waren junge Studenten, die es wagten, sich auf unglaublich mutige Weise gegen das Hitler-Regime zu stellen. Ihre Flugblatt Aktion 1943 machte sie unter dem Decknamen „Weiße Rose“ bekannt. Es war keine Widerstandsorganisation mit großer Struktur. Es war vielmehr eine intensive Freundschaft, die durch eine tief gegründete christliche Überzeugung verbunden war.
Immer wieder liest der Ausstellungsführer Passagen aus Tagebuchaufzeichnungen, Briefen an Geschwister, Eltern und Freunde vor. Diese persönlichen Texte faszinieren besonders. „Das ist es einfach, was diese Ausstellung so spannend macht und was sie von anderen vielleicht unterscheidet“, erklärt eine junge Besucherin. „Man wird nicht mit bloßen Fakten bombardiert, sondern man hat die Möglichkeit einen persönlichen Bezug zu den Personen der Weißen Rose herzustellen.“
Sophie, Hans, Alexander, Willi, Christoph und Kurt scheinen aus ihrer Erstarrung als heroischen Geschichtsfiguren befreit zu werden. Auf einmal wird einem klar, dass diese jungen Menschen eben keine unerreichbaren Helden waren, die sich hingebungsvoll geopfert haben. „Wir gingen gemeinsam zu Konzerten und zum Essen, fanden uns zusammen beim Tee, besuchten Vorlesungen bei Prof. Huber, trafen uns bei Leseabenden“, kann man in einer Stellungnahme von Anneliese Knoop-Graf lesen.
Die Mitglieder der Weißen Rose waren junge, fröhliche Studenten, die das Leben liebten und zu genießen wussten. Sie waren weder perfekt noch ohne Fehler – aber sie wollten sich nie mit der Unwahrheit abfinden in ihrer tiefen und ehrlichen Suche nach der Wahrheit und in ihrer Liebe zum Leben. „Lieber unerträglichen Schmerz als ein empfindungsloses Dahinleben“, sagte Sophie Scholl einmal. Ihr Bruder Hans Scholl meinte: „Ich will weit gehen, soweit als möglich, auf der Bahn der Vernunft“. Und weiter: „Mein ganzer Körper, jede Sehne, jede Ader sehnt sich nach Leben.“ Lieber opferten sie aber ihr Leben als sich gegen die Wahrheit und gegen ein Leben in Freiheit zu stellen.
Am Ende der Ausstellung werden wir mit den Abschiedsbriefen der Mitglieder der Weißen Rose konfrontiert, die wohl das ergreifendste Element der Sammlung darstellen. Sie mussten von ihrem jungen Leben loslassen, weil sie es ablehnten sich in eine Kette von Unmenschlichkeit und Freiheitsraub einzugliedern. Der Entschluss für die Freiheit und Wahrheit einzustehen, hatte ihnen ihr Leben gekostet. Doch anstelle von Gefühlen des Hasses, Rache, Frustration, Verzweiflung oder Angst durchdringen Worte des Dankes und Trostes an geliebte Menschen die letzten Gedanken von Sophie, Hans, Alexander, Willi, Christoph und Kurt.
So schreibt Alexander Schmorell: „Ich bin überzeugt, dass mein Leben, so früh es auch erscheinen mag, in dieser Stunde beendet sein muss, da ich durch meine Tat meine Lebensaufgabe erfüllt habe. Für euch ist dieser Schlag leider schwerer als für mich, denn ich gehe hinüber in dem Bewusstsein, meiner tiefen Überzeugung und der Wahrheit gedient zu haben.“
Christoph Probst: „Trauert nicht zu sehr um mich, denn das würde mir in der Ewigkeit Schmerz bereiten. Aber ich bin ja nun im Himmel und kann euch dort einen herrlichen Empfang bereiten.“ Hans Scholl schrieb an seine Eltern: „Ich bin ganz stark und ruhig. Ich werde noch das Heilige Sakrament empfangen und dann selig sterben. … Ich danke euch, dass ihr mir so ein reiches Leben geschenkt habt.“ Und in Willi Grafs Abschiedsworten lesen wir: „Die Liebe Gottes hält uns umfasst und wir vertrauen seiner Gnade, möge er uns ein gütiger Richter sein.
“Bis zum Schluss, bis zu ihrer Hinrichtung, blieben sie ihren Idealen, ihrer Liebe zur Freiheit und zum Leben treu. Mit aufrechter Haltung und tiefer Hoffnung auf Gott gingen sie ihren letzten Weg. Wir erfahren, dass selbst Henker Roland Freisler, der das Todesurteil über sie gesprochen hatte, eingestehen musste, dass unter den 3000 Hingerichteten diese jungen Leute am aufrechtesten dem Tode entgegen gegangen sind.
An der 52. und letzten Tafel der Ausstellung angekommen, versteht man nun ein wenig, was ihnen den Mut gab, bis zum Schluss durchzuhalten, und woher sie Kraft nahmen, sich gegen ein Regime zu stellen, das ihnen an Zahl und Macht weit überlegen war. Das, was diese jungen Menschen so stark machte, war die tiefe Freundschaft, die sie in den anderen Mitgliedern finden konnten. Eine Freundschaft, die es zuließ, ihre eigene Persönlichkeit zu entdecken und zu entfalten und die ihnen die Kraft gab, bis zum Ende durchzuhalten. Die Liebe zur Wahrheit, das Vertrauen auf Gott und die motivierende Kraft ihrer Freunde – das machte sie stark sich zu widersetzen. Eine Botschaft bleibt allerdings auch für uns heute. Die kompromisslose Suche nach der Wahrheit und der bedingungslose Einsatz für das Leben und die Freiheit gelten auch für uns.
Andreas, 18 – Die Botschaft, die ich aus der Ausstellung mitnehme ist, dass man dafür einstehen soll, wenn man an etwas glaubt und hofft und auch dafür kämpfen soll, da es sich auf jeden Fall auszahlt.
Nadine, 17- Sie haben gezeigt, wie wichtig es ist für die Wahrheit einzutreten.
Stephanie, 17- Sie waren wohl wirklich überzeugt von ihrer Sache und haben daher voll und ganz dafür kämpfen können. Die Konsequenzen waren ihnen wohl mehr oder weniger egal. Durch ihre tiefe Überzeugung konnten sie alles in Kauf nehmen.
Manu, 17 – Ich bewundere das schon. Vor allem, weil die Mitglieder der Weißen Rose ja ganz normale Menschen gewesen sind, junge Menschen, die sich getraut haben, sich aufzulehnen und ihre Meinung frei zu sagen.
Ester, 17- Ich bewundere ihr Verhalten sehr, vor allem, weil sie so eine kleine Gruppe waren. Doch das hat sie nicht abgehalten immer Mut und Hoffnung zu haben, obwohl ihre Situation sehr aussichtslos war.
Katharina Thonhauser, Valerie Schwarzbauer
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