
Faith
Zeugnisse
Zeugnisse
Für seine Eltern und Verwandten war er ein hoffnungsloser Fall. Donald Calloway hat alles erlebt. Drogen. Frauen. Gefängnis. Japanische Mafia. Heute ist er Priester. Das folgende Zeugnis stammt aus einem Interview mit Sr. Emmanuel über seine Umkehr, welches wir mit freundlicher Erlaubnis der Zeitschrift „Triumph des Herzens“ veröffentlichen dürfen.
Der dritte Ehemann meiner Mutter war Offizier bei der Kriegsmarine, ein guter Mensch, aber keineswegs religiös. Sein Beruf brachte es mit sich, dass wir häufig den Wohnort wechselten. Bald zogen wir von Virginia Beach nach Südkalifornien, wo mein Leben eine falsche Richtung nahm. Ich hielt es nicht mehr für notwendig, in die Schule zu gehen. Viel besser gefiel es mir am Strand, wo ich im Alter von elf Jahren begann, die ersten Drogen zu nehmen und Mädchen zu missbrauchen. Immer öfter war ich betrunken, rauchte alles Mögliche und geriet bald völlig außer Kontrolle. Meine Eltern hatten keinerlei Einfluss mehr auf mich. Eines Tages eröffnete uns mein Stiefvater: „Ich werde nach Japan versetzt. So werden wir einige Jahre dort wohnen.“ Mit dieser Neuigkeit brach eine Welt für mich zusammen.
Des Landes verwiesen
Kaum waren wir in Japan angekommen, ließ ich mich sofort mit einer Bande amerikanischer Jugendlicher ein, mit denen ich unglaubliche Dinge tat: Mit meinen 14 Jahren nahm ich täglich Drogen, Opium, Heroin und trank jede Menge Alkohol. Jede Nacht schlief ich mit einem anderen Mädchen. Ich riss von zu Hause aus und unternahm zusammen mit einem Freund schwerwiegende kriminelle Delikte. Wir stahlen Motorräder und Autos, riesige Geldsummen bei Banküberfällen und waren sogar in die Machenschaften der japanischen Mafia verwickelt. In dieser Zeit, als ich untergetaucht war, erlitt meine Mutter aus Sorge um mich einen Nervenzusammenbruch. In ihrer Verzweiflung wandte sie sich an den katholischen Militärkaplan. Da ihr der Priester wirklich Trost spenden konnte, wuchs in meiner Mutter der Wunsch, katholisch zu werden.

Es kam der Zeitpunkt, an dem meine Mutter in die USA zurückkehren sollte, um erneut ein Heim für die Familie zu suchen, bevor die Amtszeit meines Vaters in Japan abgelaufen war. Da ich ja untergetaucht war, musste sie Japan verlassen, ohne sich von mir verabschiedet zu haben. Kurze Zeit später wurde die staatliche Polizei auf mich aufmerksam, da sie Telefongespräche abhörte. Sie fand mich rasch und nahm mich fest.
An den Händen gefesselt und mit den Füßen an einen Stuhl gekettet, wurde ich im Polizeibüro verhört. Trotzdem gelang mir auf dem Weg zur Toilette die Flucht, denn ich war sehr gewandt und schnell. Doch man fasste mich wieder. Da ich für die Gesellschaft gefährlich war, wurde ich ohne Prozess des Landes verwiesen.
Ich lebte wie ein Sterbender
Da ich minderjährig war und meine Delikte in Japan verübt hatte, konnte ich in den USA nicht vor Gericht angeklagt werden. Man übergab mich am Flugplatz von Los Angeles der Aufsicht meines Vaters, von dem ich mich zu meiner eigenen Überraschung in unser neues Zuhause nach Pensylvania begleiten ließ. Dort empfing mich meine Mutter schluchzend.
Wir hatten uns ja mehrere Monate nicht mehr gesehen. Ich schaute ihr in die Augen und hatte nur ein Wort für sie: „Ich hasse dich!“ Ja, ich hasste meine Eltern, ich hasste jeden Menschen, ich hasste mich selbst. Von Gott oder Religion hatte ich nicht die geringste Ahnung. Die staatliche Polizei verpflichtete meine Eltern, mich in eine Erziehungsanstalt zu bringen, aus der ich schon nach kurzer Zeit ausbrach. Gleich in der ersten Nacht betrank ich mich mit einer ganzen Flasche Wodka und so begann mein altbekannter Lebensstil – nur noch schlimmer als zuvor.
Meine Nahrung bestand aus Makkaroni, Käse, aus Aufputsch- und Beruhigungstabletten und den härtesten Drogen wie Kokain, LSD und Heroin. Und Frauen, unzählige Frauen, jede Nacht eine andere... Ich lebte wie ein Sterbender. Heute noch erinnere ich mich gut daran, wie ich manchmal auf dem Gehsteig lag, nachdem ich zu viele Drogen genommen hatte.
Da ich keine Bleibe hatte, wohnte ich immer wieder für eine Weile bei meinen Eltern. Durch das tiefe Leid, das ich ihnen verursachte, hatten sie zusammen mit meinem Halbbruder zur katholischen Kirche und zu einem lebendigen Glauben gefunden. Ich aber machte mich darüber nur lustig, vor allem dann, wenn sie mir mit Güte und Sanftmut begegneten.
Die Frau meiner Träume
Eines Tages im Jahr 1992 – ich war 20 Jahre alt und eigentlich mit meinem Leben am Ende – hatte ich plötzlich die innere Gewissheit, dass in dieser Nacht etwas Entscheidendes passieren würde. Vielleicht würde ich sterben? Auf jeden Fall wusste ich: Heute Abend muss ich zu Hause bleiben. Niemand konnte mich überreden, mit ihm auszugehen. Ich war es nicht gewohnt, den Abend allein zu verbringen und langweilte mich sehr. So stöberte ich in unserem Bücherregal, ob da etwas Interessantes war, womit ich mir die Zeit vertreiben könnte. Willkürlich nahm ich eines der Bücher in die Hand. Es trug den Titel „Die Königin des Friedens erscheint in Medjugorje“.
Dieses Buch schien mir voller Fremdwörter: Jesus, Maria, Jungfrau, Rosenkranz, Eucharistie... Worte, die ich nie zuvor in meinem Leben gehört hatte. Also schaute ich mir die Fotos an: Kinder, die alle gebannt auf einen bestimmten Punkt blickten. Das fesselte mich und so begann ich schlussendlich, trotz des fremden Vokabulars, zu lesen. Und ich verschlang dieses Buch, als wäre es Leben, bis ich es gegen vier Uhr morgens ausgelesen hatte. Ich kannte diese Jungfrau Maria nicht, doch intuitiv wusste ich: Das ist die Frau, die ich mein Leben lang gesucht hatte. Auch wenn ich sie nicht sah, fühlte ich mich so sehr zu ihr hingezogen! Mir kam vor, dass ich noch nie einer so wundervollen Frau begegnet war, die so vollkommen und so rein ist. Diese Frau hatte mein Herz erobert. Sie gehörte mir! Und ohne zu wissen, was es bedeutete, schenkte ich mich ihr vorbehaltlos.
Der Augenblick, der mein Leben veränderte
Es schien mir unendlich lange, bis der Morgen anbrach. Ich musste unbedingt mit einem Priester sprechen. Sobald es hell geworden war, rannte ich zu unserem Militärpfarrer, den ich selbstverständlich noch nie zuvor gesehen hatte. Ich stürmte in die Sakristei und schon sprudelte ich los. Doch der Priester bat mich, ganz still hinten in der Kirche Platz zu nehmen und nach der Heiligen Messe wiederzukommen.
Verlegen setzte ich mich in die letzte Bank und schaute zu. Dann kam der Moment der Wandlung. Der Priester hob diese kleine runde Scheibe empor. In diesem Moment schenkte mir der allmächtige und gütige Gott die klare, tiefe Erkenntnis: Diese Hostie ist Jesus Christus. Ich wusste: Das ist es, worüber in jenem Buch geschrieben steht, das ich letzte Nacht gelesen hatte.
Der Priester hatte an diesem Morgen leider nicht viel Zeit, um sich lange mit mir zu unterhalten. Ich solle doch morgen wiederkommen, bat er mich. Für heute gab er mir ein Kreuz, ein Herz-Jesu-Bild und eines von Papst Johannes Paul II mit. Als ich nach Hause kam, begann ich, mein Zimmer auszuräumen. Sieben große Müllsäcke füllte ich mit Gegenständen, die mir bisher viel bedeutet hatten. Meine Mutter stand im Gang und lächelte. In meinem Herzen verstand ich, was sie innerlich sagte: „Mein Gott, ich danke dir!“
Tränen der Reue und des Glücks
Und jetzt? Was sollte ich jetzt tun? Einfach warten bis zum nächsten Morgen, bis ich wieder mit dem Priester sprechen konnte? Oder vielleicht könnte ich es machen wie die Kinder in „meinem Buch“? Ich öffnete die Seite mit den Fotos. Dann dachte ich bei mir selbst: „Hm, warum nicht beten? Mal schauen, was das ist!“
Ich wusste nicht, was das war: beten. So schaute ich mir die Fotos an und versuchte nachzuahmen, was ich sah: Ich stellte das Herz-Jesu-Bild vor mich auf den Boden, kniete nieder, faltete die Hände und schaute nach oben. Dann dachte ich mir: „Gut, ich bin fertig! Bete!“ Aber ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte. Nichts geschah. So schaute ich einfach das Bild an, das vor mir stand: Jesus, der mit einer Hand segnet und mit der anderen auf sein Herz zeigt. Während ich auf das Bild blickte, hatte ich plötzlich in meinem Inneren das klare Bewusstsein: „Das ist der Gott-Mensch, der für mich am Kreuz gestorben ist. Dieses geöffnete Herz war für mich!“

Ich begann zu weinen, ja zu schluchzen wie nie zuvor in meinem Leben. Ich weinte so sehr, dass die Kleider von den vergossenen Tränen ganz nass wurden. Mir schien, jeder Tropfen Flüssigkeit in meinem Körper floss aus meinen Augen. Alles, was ich getan hatte, tat mir so leid; alle Mädchen, die ich missbraucht hatte; alle Frauen, mit denen ich intim gewesen war; meine Freunde, die ich bestohlen, betrogen und belogen hatte; meine Eltern und mein Bruder, denen ich so viel Leid zugefügt hatte... Doch gleichzeitig wusste ich: „Es gibt eine Hoffnung!
Ein unsagbares Glück erfüllte mehr und mehr mein Herz. Das erste Mal in meinem Leben fühlte ich mich frei und ein unbeschreiblicher Friede kam über mich. Daraufhin schlummerte ich ein wenig ein.
Meine Hochzeitsreise mit dem lebendigen Gott
Am folgenden Morgen ging ich wieder in die Kirche. Seit dieser Nacht hatte ich kein Verlangen mehr nach Zigaretten, Drogen oder Alkohol und auch nicht nach Frauen. Ich war unfähig, eine Frau begierlich anzuschauen. Es begann eine Zeit, die ich gerne als „meine Hochzeitsreise mit dem lebendigen Gott“, meinem Bräutigam, bezeichnen möchte. Unzählige Stunden verbrachte ich in der Kirche. Ich betete den Rosenkranz und den Kreuzweg, las Lebensbeschreibungen von Heiligen und Schriften über die Kirche.
Immer stärker spürte ich den Wunsch, Gott ganz zu gehören und Priester zu werden. Ich schrieb Bittgesuche an über zweihundert Gemeinschaften und wegen der vielen Zusagen entschloss ich mich, jene zu wählen, die zweimal den Namen Mariens im Titel trägt. So fiel meine Wahl auf meine jetzige Gemeinschaft, „The Marians of the Immaculate Conception“, die mich im Jahr 1993 aufnahm. Nach zehnjährigem Studium wurde ich am 31. Mai 2003 zum Priester geweiht und heute wirke ich als Superior des marianischen Studienhauses in Steubenville, Ohio.

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