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01.05.2007

Die Priesterweihe

Stellvertreter Gottes

In allen Religionen gibt es Menschen, die als „Mittler“ zu Gott hin wirken: Meditationslehrer, Muezzins, heidnische Opferpriester, Rabbis, Gurus usw.

Das katholische Priestertum unterscheidet sich von diesen total. Es gibt nämlich nur einen einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen: Jesus Christus selbst! (1 Tim 2,5) „Denn: Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus!“ (vgl. Gal 3,20).

Um zu begreifen, was ein katholischer Priester ist, muss man begreifen, dass Christus der einzige Mittler ist. Und daher ist er auch der einzige Priester! Es gibt in der katholischen Kirche nicht viele Priester, sondern nur einen: Jesus Christus.

Wenn du in der Bibel den Hebräerbrief liest (vor allem Kapitel 9 und 10) erfährst du, dass die Juden auch ein Priestertum hatten: die Priester (Leviten) mussten im Tempel von Jerusalem Tag für Tag Opfer darbringen. Das alles ist mit dem Opfer Jesu Christi am Kreuz ein für allemal abgeschafft: Er, und nur er, ist der Priester und das Opfer zugleich. Alle Priester der Kirche haben nur Anteil an dem einen Priestertum.

Daher wird man Priester, indem man das Sakrament der Priesterweihe empfängt: Der Bischof ist Nachfolger der Apostel. Nur er kann die Priesterweihe spenden. Die Weihe erfolgt durch Handauflegung und Gebet, wie es schon zu Zeiten der Apostel war (Apg 8,18; 14,23; 1 Tim 4,14). Der Geweihte tritt damit gleichsam hinein in die Gestalt Christi, er wird zu einem „zweiten Christus“. Darum kann er die Worte Christi in der 1. Person sprechen: „Das ist mein Leib… das ist mein Blut!“ Und: „Ich spreche dich los von deinen Sünden!“

Christus, der einzige Hohepriester, spricht durch ihn und handelt durch ihn. Deshalb sind die Priester auch wie Christus gekleidet, zumindest bei der Heiligen Messe. Priester ist man auf ewig, selbst nach dem Tod in alle Ewigkeit.


Wie wird man katholischer Priester?

Katholischer Priester wird man durch die Gnade der Berufung. Jawohl, Gott ruft! Normalerweise nicht mit Donnerstimmer, sondern in der Stille des Herzens. Wer eine Berufung hat, merkt das daran, dass er große Freude dabei hat, wenn er daran denkt, Priester zu sein.

Normalerweise hat man dabei zugleich auch große Angst und ist erschrocken: Wie soll das gehen? Ich bin doch ein schwacher Mensch? Kann ich das aushalten ohne Frau und Familie? Warum gerade ich? – Ich glaube, dass viele eine Berufung im Herzen tragen, aber viel zu viel Angst haben, Ja zu sagen!

Eine große Hilfe ist hier die Muttergottes, die einem wirklich Mut gibt, die Berufung zu hören und ihr zu folgen! Priester Sein ist toll, aber schwer! Eine großartige Herausforderung, ein lebenslanges Abenteuer!

Priester Werden ist nicht leicht! Also du musst einmal deine Berufung hören und dann den Mut haben, sie anzunehmen. Und dann musst du zu einem Bischof gehen, er muss dich annehmen. Er muss ja prüfen, ob eine Berufung echt ist und der Kandidat auch geeignet ist (vgl. 1.Tim 5,22).

Gott kann einen auch als Priester in einen Orden berufen, dann sind die Oberen zuständig. Wenn dieser erste und wichtigste Schritt getan ist, kommt das Studium: Allein schon die Sprachen Latein, Griechisch und Hebräisch, dazu so abstrakte Gegenstände wie Philosophie, Ethik und Dogmatik sind eine Herausforderung!

Und wenn einer dann die Priesterweihe empfangen hat, dann wartet ein wirklich aufregendes Leben. Ich kann sagen, ein Priester hat mehr „Action“, als die schönste Ehe und Familie bieten kann. Deshalb will ja die Kirche auch, dass der Priester frei bleibt für den Herrn und ehelos lebt, wie schon in der Bibel steht. Lies doch mal nach 1 Kor 7,32-34. Vor der Ehelosigkeit braucht man keine Angst haben, denn Jesus hat doch hundertfachen Lohn versprochen (Mk 10,30)!


Kann man als Priester glücklich werden?

Ja, wenn man seine Weihe auch lebt. Der Priester muss fest glauben und viel beten. Er wird geprüft, kritisiert, manchmal freilich auch verehrt und heiß geliebt. Weil er nur in der Weihe-Verbindung mit Christus Priester ist, muss er sich täglich ganz fest mit Christus verbinden. Und die Gläubigen müssten dem Priester viel mehr dazu helfen.


Wird nicht viel zu viel geschimpft und kritisiert und gespöttelt?

Wenn mir ein Priester sympathisch ist, tue ich mir natürlich leichter. Aber selbst wenn einer unsympathisch und fehlerhaft ist, muss ich wissen: Christus ist in diesem Priester gegenwärtig und wirkt durch ihn in dieser Welt.

Christus sei Dank für seine Priester. Er leitet die Kirche durch schwache Werkzeuge, Er spendet seine Sakramente durch demütige Diener, Er spricht durch mutige Verkünder. Es gibt nichts Schöneres als Priester Jesu Christi zu sein.

P. Dr. Karl Wallner OCist



Fragen und Antworten:

siehe Mönchline/Berufung

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