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01.05.2007

Das Böse

Wahn oder Wirklichkeit

Eine Analyse anhand des Films "Requiem"

Ein Dorf in der schwäbischen Provinz, Anfang der 70er Jahre. Ein Mädchen auf einem Fahrrad kämpft sich einen Hügel hinauf. Oben angekommen, schlüpft sie in eine kleine Kapelle, fällt auf die Knie und blickt flehend auf den Altar und das Lichtermeer der Kerzen.

So beginnt die Geschichte von Michaela Klingler (Sandra Hüller). Aufgewachsen in einem streng katholischen Elternhaus, ferngehalten von jeglichen Einflüssen ihrer Zeit, entschließt sich das junge Mädchen gegen den Willen ihrer Mutter (Imogen Kogge), in Tübingen Religionswissenschaften und Pädagogik zu studieren. Der Widerwillen der Mutter begründet sich nicht nur in ihrer Angst vor den Gefahren der Welt, sondern auch in einer anderen, berechtigten Sorge: Michaela ist Epileptikerin, und ihre Anfälle kommen plötzlich und unvorhergesehen.

Zunächst scheint alles perfekt – Michaela genießt ihr Leben in Tübingen und entwickelt sich zu einer selbstbewussten jungen Frau. Doch nach und nach stellt sich eine unheimliche Veränderung ein: Michaela beginnt Stimmen zu hören, sieht Gestalten. Sie kann nicht mehr beten, das Kreuz an ihrer Wand nicht mehr berühren und zerreißt bei einem ihrer Anfälle einen Rosenkranz. Aus Angst vor Ablehnung vertraut sie sich niemandem an, doch sie ist immer mehr davon überzeugt, dass sich etwas Fremdes ihrer bemächtigt hat.

Als die Anfälle immer schlimmer werden, sucht sie Hilfe bei ihrem Dorfpfarrer Landauer (Walter Schmidinger), der ihren Bericht jedoch zunächst aus Angst als Wahnvorstellung abtut. Verzweifelt und einsam weiß sie keinen Ausweg mehr, verliert an Gewicht und zieht sich immer mehr zurück. Um ihr doch zu helfen, stellt Landauer ihr nun den jungen Pater Martin Borchert vor, der sie als einziger ernst nimmt und einen Exorzismus vorschlägt...

Der Film Requiem ist angelehnt an die wahre Geschichte von Anneliese Michel, einem jungen Mädchen im Deutschland der frühen 70er Jahre. Augenzeugenberichten zufolge als ein fröhliches, beliebtes, im Glauben fest verankertes Mädchen lebt Anneliese den Alltag einer Jugendlichen, bis sie sich urplötzlich grundlegend verändert, bis zum Skelett abmagert und schließlich stirbt. Regisseur Hans-Christian Schmid (Crazy) hat sich jedoch im Zuge der Dreharbeiten von der ursprünglichen Geschichte entfernt und einige Figuren und Ereignisse dazu erfunden. Das Ergebnis ist weder Dokumentation noch Tatsachenbericht, sondern ein nachdenklicher Film über den schmalen Grat zwischen Wahn und Wirklichkeit, Glaube und Aberglaube, Vertrauen und Resignation.

Filmtechnisch gesehen ist Requiem gut gemacht. Die Figuren sind realistisch, vielschichtig, sehr menschlich und lassen keine Schwarz-Weiß-Malerei zu. Sehr unterschiedliche Menschen sehen sich einfach mit Ereignissen konfrontiert, die sie nicht erklären und mit denen sie nicht umgehen können. Alle tun das, was sie für das Beste halten, und doch entgleitet die Situation ihrer Kontrolle. Trotz der brillant ausgearbeiteten Figuren und der beeindruckenden Bilder hinterlässt der Film einen bitteren Nachgeschmack. Denn es bleiben einige Fragen offen. War es tatsächlich Besessenheit oder nur eine Einbildung, hervorgerufen aus einer Krankheit? Gibt es so etwas wie das Böse oder Dämonen?

Die Geschichte von Anneliese Michel wurde bereits erst unlängst im Kino in „Der Exorzismus der Emily Rose“ behandelt. Im Zuge dessen wurde die katholische Praxis heftig diskutiert und auch im Film Requiem bleibt unklar, ob ein Exorzismus nicht doch eher etwas für eine veraltete Kirche ist, die noch immer an die Existenz von Dämonen glaubt. Regisseur Schmid selbst glaubt jedenfalls nach eigenen Angaben nicht an dämonische Besessenheit und bleibt in dieser Frage daher trotz aller Bemühungen nicht neutral. Er zeichnet ein starres, dunkles, sinnlos strenges Bild des katholischen Elternhauses, aus dem Michaela zuerst ausbrechen muss, um wirklich ihr Leben zu leben, und dem sie doch nie entkommen kann. Indirekt wird dem Glauben und der Kirche die Schuld am Tod des Mädchens gegeben.

Die Kirche ist mit dem Thema Exorzismus sehr vorsichtig, vor allem um keine Angstmache zu schüren. Tatsache ist, dass es beauftragte Exorzisten bis heute gibt. Tatsache ist auch, dass Menschen, die sich zum Beispiel mit okkulten Dingen einlassen, manchmal die Hilfe von Exorzisten wirklich brauchen. Aber für einen Christen, der sich bemüht, ist jede Angst unnötig. Man muss höchstens die Sünde fürchten, wie ein Exorzist YOU!Magazin gegenüber einmal sagte. Aber da sagte er ja nicht mehr als die Kirche sonst auch. Die Existenz von Gut und Böse ist eine Realität, mit der wir umzugehen lernen müssen. Die Entscheidung, die zählt, ist letztlich die, welcher Seite wir uns anvertrauen.

Magdalena Trauttmansdorff

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von: davidhume
07.01.2008
“Tatsache ist auch, dass Menschen, die sich zum Beispiel mit okkulten Dingen einlassen, manchmal die Hilfe von Exorzisten wirklich brauchen.”

Ja? Und was genau ist die Basis dieses Arguments?

“Die Existenz von Gut und Böse ist eine Realität, mit der wir umzugehen lernen müssen.”

Wessen Realität ist das denn? Und wieder mal die Frage, worauf begründet sich dieses Argument?

Zu deiner letzten Frage...
von: Klara
10.01.2008
Ich würde einmal meinen, dass man die Welt nicht in Gut und Böse einteilen kann. Es ist in jedem Menschen etwas Gutes und etwas Böses, es kommt darauf an, welcher Seite man Platz macht. Und da hilft Gott.

 

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