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Theologie des Leibes
Mehr als je ein anderer in der Geschichte ist er dem tiefen Sinn der menschlichen Sexualität auf den Grund gegangen…
„Ja, und ich hätte gedacht, der Papst war alles andere als am Sex interessiert“, denkst du vielleicht jetzt. Und doch hat er wie kaum ein anderer verstanden, was es mit der Sexualität auf sich hat: Als Priester verbrachte er sehr viel Zeit mit jungen Paaren und Familien – auf Ausflügen und in Gesprächen - und er war ein Philosoph, ein scharfsinniger Denker. So machte er sich, noch bevor er Papst wurde, vermehrt Gedanken über die Fragen:
Was ist Liebe?
Warum erschuf uns Gott als Mann und Frau?
Was hat Gott sich dabei gedacht, als er die Sexualität erfand?
Was ist der tiefste Sinn der menschlichen Sexualität?
Wie können wir zu der Liebe gelangen, nach der wir uns in den Tiefen unseres Herzens sehnen?
Wie kann eine Ehe von Dauer bleiben?
Wie werden wir hier auf Erden wirklich glücklich?
Was erwartet uns im Himmel?
Er wusste, dass das die Grundfragen des menschlichen Lebens sind und so beschloss er, nachdem er zum Papst gewählt worden war, seine wöchentlichen Ansprachen (bei der Generalaudienz) gleich zu Beginn genau diesen Fragen zu widmen. So entstand die „Theologie des Leibes“.
Was versteht man unter der Theologie des Leibes?
„Theologie des Leibes“ - das sind die 129 Kurzansprachen, die Johannes Paul II. von September 1979 bis November 1984 während seiner Mittwochsaudienzen hielt. Darin betrachtete der Papst anhand der Bibel die Bedeutung der Leiblichkeit des Menschen, insbesondere in Bezug auf die Sexualität und das erotische Verlangen.
Sie besagt, dass der Leib – besonders in seiner konkreten Bestimmung als Mann und Frau, „ein Fleisch zu werden“ – eine Gottesoffenbarung, eine Theologie, ist. Wir können also durch unseren Leib, der sichtbar ist, Gott erahnen, der unsichtbar ist.
Was ist so revolutionär an der Theologie des Leibes?
Der Papst-Biograf George Weigel beschreibt die „Theologie des Leibes“ von Johannes Paul II. als „eine Art theologische Zeitbombe, die mit dramatischen Konsequenzen hochgehen wird“ (vgl. George Weigel, Zeuge der Hoffnung, S. 350). Warum?
Das Revolutionäre an Johannes Paul II. war, dass er – wie kein anderer vor ihm – erkannt hat, dass der Leib und die Sexualität nicht nur heilig sind, sondern auch ein entscheidender Weg zur Heiligkeit sein können und ein Mittel, Gott noch besser zu erahnen:
Wer ist Gott? Wie ist Gott?
Gott ist die Liebe (vgl. 1. Johannesbrief 4, 8 sowie die erste Enzyklika des amtierenden Papstes Benedikt XVI. „Deus Caritas Est“). Gott ist die Liebe – ganz konkret: eine Liebesgemeinschaft von Personen.
Und Er liebt uns ganz konkret: wie ein Bräutigam.
Das heißt: Die Sexualität und die menschliche Liebe geben uns einen winzigen, aber doch sehr deutlichen Hinweis darauf, wie Gott liebt: nicht abstrakt, sondern von Person zu Person und bedingungslos, total, ewig. Und Er lädt uns ein, an dieser Liebe teilzuhaben. Das ist der eigentliche Sinn unseres Daseins und unserer Existenz.
Ja, unsere Leiblichkeit kann uns helfen, die Dreifaltigkeit besser zu verstehen. Das Geheimnis der Dreifaltigkeit wird zwar immer Geheimnis bleiben, und jeder Vergleich hinkt, aber laut Johannes Paul II. hinkt das Bild von Braut und Bräutigam am wenigsten – von allen Vergleichen!
Was bedeutet das für uns?
Wenn wir unseren Leib als Gottesoffenbarung sehen und Gott uns wie ein Bräutigam liebt, muss sich das auf unser Leben auswirken: wir werden anders beten(oder zu beten beginnen), wir werden anders die Messe mitfeiern…Wir werden Gott nicht mehr als den strengen „Polizisten“ sehen, der mit der Rute wartet, bis wir einen Fehler machen…sondern wir werden in ein Liebesverhältnis mit Ihm treten.
Somit wird auch unsere Liebe anders sein – zu Ihm und zu unseren Mitmenschen. Wir werden lieben wollen, wie Er uns geliebt hat: in Jesus, Seinem Sohn, der sich für uns (für Seine Braut) am Kreuz hingegeben hat. So sollen auch wir lieben: bedingungslos, total, ohne auf den eigenen Vorteil zu schauen.
Wenn der Leib die Größe und Schönheit Gottes widerspiegelt, werden wir erkennen, dass der Leib - unser eigener sowie der unseres Nächsten - gut und schön ist, ein „Tempel des Heiligen Geistes“. Wir können ihn demnach also nicht mehr ausbeuten, missbrauchen oder für unsere eigene Befriedigung benutzen, sondern wir stehen staunend vor diesem Geheimnis. Und wir treten langsam in die Sichtweise Gottes ein: über uns selbst und über unseren Mitmenschen.
Wir wissen, dass wir schwach sind, aber wir wissen auch, dass Jesus Christus uns erlösthat. Mit seiner Hilfe können wir es schaffen, diese Sichtweise Gottes zu erlangen und danach zu leben.
Aus dem allen können wir schließen, dass die menschliche Sexualität mehr ist als nur eine Befriedigung der eigenen Wünsche und des Triebes. Da sie Gottes Liebe ihrem Wesen nach widerspiegeln soll, verlangt sie, dass sie in Freiheit, bedingungslos, in Treue (=lebenslänglich) und fruchtbar gegeben werden muss. Alles andere würde der Sexualität und ihrer eigentlichen Bestimmung nicht gerecht.
Klingt zu steil?
Der Papst betonte immer wieder: Wenn Gott wirklich durch die Leiblichkeit erfahrbar sein kann, dann muss das für jeden Menschen nachvollziehbar sein können, dann kann Gott von jedem gefunden werden, denn jeder Mensch hat einen Leib!
Was kannst du nun konkret tun?
Besorge dir folgende Texte:
„Die Theologie des Leibes“ – das Original von Johannes Paul II. (Die deutsche Übersetzung ist zur Zeit nicht in Buchform erhältlich, aber hier zum Herunterladen (vorletztes Dokument zum Titel „Die Erlösung des Leibes und die Sakramentalität der Ehe“).
„Theologie des Leibes für Anfänger“ von Christopher West. (Das ist eine leicht zu lesende Einführung in die Theologie des Leibes, in Buchform im YOU!Shop erhältlich.)
„Deus Caritas Est“ - die Enzyklika von Papst Benedikt XVI. über die Liebe. (Als Heft bestellbar oder hier downloadbar)
Besorge dir auch begleitendes Material, z.B. DVDs, Videos, Bücher (eine breite Palette – auf Englisch – findest du z.B. im Theology of the Body Media Center)
Du lädst Freunde, Interessierte (möglichst im ähnlichen Alter) ein – entweder zu dir nach Hause oder in eine Räumlichkeit deiner Pfarre (frage dazu deinen Pfarrer, was möglich ist) und setz einen Termin fest.
Trefft euch in regelmäßigen Abständen (z.B. monatlich), betet am Beginn ein kurzes Gebet und dann lest immer 1 Kapitel gemeinsam laut. Dann ist Zeit für das Gespräch. Am Ende empfiehlt es sich, etwas zum Essen zu servieren (mit Spendenbox!).
Ihr könnt auch die Örtlichkeit wechseln, d.h. jedes Mal findet der Kreis woanders statt. Je nachdem, wer einlädt, kocht ein kleines Abendessen!
Besprecht auch, wie ihr das Gelesene in die Tat umsetzen – also im Alltag konkret leben – könnt.
Weitere Info findest du auf der Homepage des Internationalen Netzwerkes der Theologie des Leibes
Edel M. Fontanari
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