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Love, Sex and Soul
Dein Körper ist schon etwas Besonderes. Du siehst mit deinen Augen auf deine Hände, deine Füße, ja auf deinen ganzen Leib: Wie faszinierend doch a...
Du kannst dich nur anderen mitteilen, weil du einen Leib hast, oder besser, weil du ein Leib bist. Er drückt dein Innerstes aus. Und genauso und gerade deshalb bringt er zum Ausdruck, dass du ein Mann oder eine Frau bist. Das ist nicht nur eine Art „äußere Hülle“, nein, dass du ein Mann oder eine Frau bist, das ist in erster Linie dein innerstes Wesen, dein ganzes Sein, deine Berufung. Und deine Berufung ist es zu lieben. Du als Mann. Du als Frau. Es steht in deinem Leib geschrieben.
Und genau mit diesem Leib bist du Abbild Gottes. In der heiligen Schrift lesen wir: „Gott schuf den Menschen als sein Abbild. Als Mann und Frau schuf er sie“ (Gen 1,27). So wie sie sind, als Menschen mit einem Leib, als Mann und Frau, sind sie Abbild Gottes. Sie sind also ein Bild, eine Art Foto, auf dem wir Gott erkennen können. Ein Bild ist immer etwas zum Anfassen, ein Zeichen für die Realität, die noch viel größer ist. Wenn nun der Mensch als Mann und Frau ein Bild für Gott ist, heißt das dann nicht, dass der Leib wirklich auch ein Zeichen für die Beziehung zu Gott ist?
Das erste Gebot, das Gott dem Menschen gleich nach der Schöpfung aufgetragen hat, war: „Seid fruchtbar und vermehrt euch!“ Mit anderen Worten: „Lebt nun nach diesem Abbild, indem ihr euch gegenseitig ganz schenkt, und habt damit Anteil an meiner göttlichen Liebe, die neues Leben hervorbringt!“ Man muss hier einmal über das ganze Gewicht dieser Aussagen nachdenken.
Stell dir vor, Gott schafft den Menschen und spricht zu ihm zum ersten Mal. Ist es nicht nur logisch, dass er ihm hier damit erklärt, wofür er da ist, was sein Sinn und seine Berufung ist? Und der erste Satz, den Gott zum Menschen spricht, ist: „Seid fruchtbar!“, also: „Habt Sex!“ Und das steht in der Bibel...! Aber: „Lebt dieses Geheimnis nach meinem Abbild! Es ist ein Bild für meine Liebe.“ Gott ist Liebe. Und der Mensch als Abbild Gottes ist berufen zu lieben wie Gott liebt, und das mit seinem ganzen Leib.
Unser Sinn im Leben hat wirklich etwas mit Sexualität zu tun. Sexualität ist nicht selbst das Ziel. Aber wir müssen verstehen, dass die Liebe nie eine Theorie bleiben darf, sondern dass sie mit unserem ganzen Sein – und da gehört der Leib dazu – gelebt werden muss. Doch wie ist das zu verstehen? Ein Blick auf Jesus gibt uns eine Vorahnung: Seine Liebe ist soweit gegangen, dass er seinen Leib für uns hingegeben hat am Kreuz, zerschunden, entblößt. Das Gegenteil von Egoismus, Begierde, Ausnutzung.
Der springende Punkt ist dass die Liebe – wie wir es schon in den früheren Artikeln überlegt haben – immer ein selbstloses Geschenk ist. Lieben heißt zu geben, ohne etwas zurückzuerwarten. Hast du Angst, dass du zu kurz kommst? Angst enttäuscht zu werden? Wie kannst du das denken, wenn Christus schon alles für dich hingegeben hat?
In unserer Welt fällt es so schwer zu lieben, weil wir nicht glauben, dass wir uns ganz schenken können, weil wir nicht mehr glauben, dass es einen Menschen gibt, der sich uns vorbehaltlos schenken möchte. Wir glauben nicht, dass Gott sich uns ganz schenkt. Daher denken wir, dass wir uns selbst nehmen müssen, was uns der andere nicht gibt. Daher manipulieren Mädels Jungs gerne mit einem „sexy“ Gehabe und Jungs benutzen Mädels für eine schnelle Befriedigung, und das auf verschiedenen Ebenen. Reduziert das den anderen nicht auf ein Ding, auf ein Objekt, das man für sein eigenes kurzes Vergnügen benutzt wie ein Spielzeug? Nie und nimmer ist das Liebe.
Das Gegenteil von lieben ist nicht hassen, sondern benutzen. Immer dort, wo der Leib als ein Ding gesehen wird, handeln wir gegen die Liebe, weil es den Menschen in seiner ganzen Person nicht mehr respektiert. Dann leben wir ein verfälschtes Abbild von Gottes Liebe, was soviel bedeutet, dass wir nicht mit Gott leben. Dann leben wir an unserem Sinn vorbei. Am Leben vorbei.
Wir wollen nicht wie ein Ding benutzt werden. Es kommt aber häufig vor, dass Jugendliche ihren eigenen Körper wie ein Ding ansehen, das getrennt ist von ihrer Person. Wenn die Pubertät beginnt und sich der Geschlechtstrieb bemerkbar macht, können sie das oft nicht einordnen. So als würde dieser Trieb ein Etwas sein, das nicht zu ihrer Person gehört, dem man gegenübersteht und folgen muss. Dabei merken sie nicht, dass der Trieb ein einziges Drängen des ganzen Leibes ist, zu lieben und sich für den anderen hinzugeben! Dass uns aber der Trieb zur Haltung des Benutzens treibt und nicht zu der des Hingebens, das kommt aus dem Herzen.
In der Pubertät ist es für Jugendliche oft peinlich über das Geschlecht zu reden. Peinlich deshalb, weil sie sich ein bisschen wie eine Sache vorkommen, aber nie als solche gesehen werden wollen. Die einen machen sich daher über Sex kichernd lustig, die anderen überspielen es protzig mit zweideutigem Reden.
In dieses Thema fällt auch die Selbstbefriedigung. In gewisser Weise benutzt man dabei seinen Körper, um sich für sich selbst Lust zu verschaffen. Aber nie und nimmer möchte man benutzt werden, wie ein Ding, wie ein Spielzeug. Wie viele Jugendliche können davon berichten, dass sie anschließend das Gefühl der Enttäuschung erfahren, weil sie sich schämen, sich „schmutzig“ fühlen. Aber schmutzig ist nicht der Körper. Es gibt keinen Körperteil, der auch nur irgendwie „schmutzig“ zu bezeichnen wäre! Aber wenn der Körper wie ein Ding benutzt wird, dann verliert man die Achtung vor ihm, weil man in sich eine Trennung hervorruft. Eine Trennung zwischen Leib und Seele.
Dabei spricht der Leib, besonders die Geschlechtsorgane, nur eine Sprache: „Ich möchte mich dem anderen hingeben!“ Die Geschlechtsorgane sind ganz objektiv betrachtet für den anderen da, für eine Vereinigung mit jemand anderen. Darum verlernt man durch die Selbstbefriedigung, was es heißt, wahrhaft zu lieben. Der Sinn des Leibes wird ins Gegenteil verkehrt. Die Liebe wird verdreht. Selbstbefriedigung wird manchmal als „Sich-selbst-Lieben“ bezeichnet, aber was ist das für eine Selbstliebe, wenn man sich selbst benutzt und auf ein Ding reduziert? Wie soll man je den Leib des anderen achten, wenn man seinen eigenen Leib nicht achtet? Wie soll man sich je für den anderen hingeben, wenn man sich selbst schon bloß benutzt?
Sich hingeben ist wahrlich nicht leicht. Es bedeutet, dass wir an unserem Herzen arbeiten müssen, denn es ist viel leichter zu nehmen als zu geben. Aber es ist letztlich Gott, der unser Herz wandelt. Er hat sich ganz für uns hingegeben. Aber lassen wir uns das schenken? Wenn wir beten, kann Gott unser Inneres wandeln: „Herr und Gott, nie und nimmer möchte ich den anderen wie ein Ding sehen, genauso wie auch meinen Leib. Der Leib ist dein Tempel, der Ort wo du zu finden bist. Wandle du mein Herz, damit ich dein Bild im Leib des anderen erkenne, weil ich berufen bin zu lieben, so wie du liebst!“
Je mehr man sich selbst und den anderen als ganze Person sieht und nicht nur als Ding des Selbstzwecks, desto mehr wird man in der Freiheit wachsen. In der Freiheit zu lieben. Zu lieben, wie Gott liebt. Das heißt es, ein reines Herz haben. Jesus sagt uns, dass das der Weg ist, glücklich zu werden. Er sagt uns in der Bergpredigt: „Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen!“ Und wir können hinzufügen: „Sie werden Gott schauen – durch den Leib!“
Quellen: "Theologie des Leibes" von Johannes Paul II. und "Thology of the Body Explained" von Christopher West.
Michael Cech
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