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Love, Sex and Soul
In unserer letzten Überlegung haben wir über vier wichtige Voraussetzungen der wahren Liebe nachgedacht. Nach den Worten aus der heiligen Schrift in Genesis ...
Nun sagt die Kirche, dass man mit Sex bis zur Ehe, das heißt bis zu dieser Liebe, warten soll. Warum? – Weil erst in der Ehe das Äußere mit dem Inneren zusammen passt. Sex ist das äußere Zeichen, der Ausdruck der wahren Liebe.
Nehmen wir an, du wirst gezwungen etwas tun, was ganz gegen deine innere Überzeugung ist. Das kommt in extremer Weise vor in Diktaturen oder totalitären Regimes, aber auch von deinem Alltag kennst du solche Situationen, zum Beispiel bei Gruppenzwang. Du spürst, dass es gegen deine Würde als Mensch geht, wenn andere dich nicht respektieren und du etwas tun musst, was du nicht willst. Das macht nämlich die Würde des Menschen aus: die Freiheit, sich für das Gute zu entscheiden, sodass unser äußeres Tun mit unserem inneren Sein zusammenpasst. Je weniger jemand nach dieser Würde lebt, desto unruhiger und unausgeglichener ist er. Leute aber, die nach ihrer Würde leben, sind Menschen mit Charakter. Bei ihnen sind der Leib und die Seele eine Einheit. Man spricht von der „Würde der Person“. Sie allein macht uns zu erfüllten Menschen.
Johannes Paul II. sagte zu diesem Thema einen umwerfenden Satz: „Der Leib, und nur er, kann das Unsichtbare sichtbar machen: das Geistliche und das Göttliche. Er wurde geschaffen, das von Ewigkeit her in Gott verborgene Geheimnis in die sichtbare Welt zu übertragen und so Zeichen dieses Geheimnisses zu sein.“ Der Leib macht also das Unsichtbare sichtbar! Welche Dimension bekommt doch daraus unser Leib! Er ist geschaffen, ein verborgenes Geheimnis zu zeigen. Der Leib ist das sichtbare Zeichen unseres Inneren. Betrachten wir also Sex einmal in diesem Sinn als Zeichen und Ausdruck der Liebe. Nehmen wir dazu wieder unsere vier Punkte über die Liebe her:
Das Geschenk: Wie macht Sex sichtbar, dass Liebe ein Geschenk ist? Zum Ersten einmal hat niemand etwas dazu beigetragen, dass der andere mit Leib und Seele existiert. Er ist einfach da. Und auch ich bin da, selbst mit einem Leben, von Gott geschenkt. So schenke ich mich selbst, mit meinem Leib. Wenn ich meinen Leib schenke, bedeutet das die Hingabe meiner ganzen Person, meines ganzen Seins, meines ganzen Lebens. Das Charakteristische an einem Geschenk ist die Freiheit. In Freiheit schenke ich mich mit meinem ganzen Leben dem anderen.
Das extreme Gegenteil wäre Vergewaltigung und hat mit Liebe nichts mehr zu tun. Ein Geschenk bereitet immer Freude, weil es Ausdruck der Sympathie ist. Hier ist das Geschenk der Mensch selbst. Zu einem Geschenk gehört auch, dass es jemand empfängt und annimmt. Geben und Empfangen. Im Höhepunkt dieses Geschenkes, wo der Mann in realer Weise sich der Frau schenkt mit seinem Samen, entsteht die Freude auch körperlich. Hier bestätigt sich das Paradoxon: Sich-selbst-Finden durch Sich-selbst-Schenken. Genauso wird die Frau zum Geschenk für den Mann, indem sie das Geschenk annimmt, und der Mann empfängt seine Frau als Geschenk. „Lieben heißt, alles geben und empfangen, was man weder kaufen noch verkaufen, sondern sich nur aus freien Stücken gegenseitig schenken kann“ (JPII).
Liebe heißt Entscheidung. Sex ist auch Ausdruck für diese Entscheidung. Die Sexualität ist so angelegt, dass sie zum intimen Austausch zweier Personen, des Mannes und der Frau, wird. Rein körperlich gesehen ist kein Platz für jemand dritten. Ein einziges Geschenk kann man eben nicht an zwei Personen verschenken, außer man zerteilt es. Dann wäre es aber nicht mehr ganz. Wie groß ist doch die Verletzung, wenn man merkt, dass der andere fremdgeht. Dieses intime Geschenk der Sexualität fordert die Entscheidung für diese eine Person, der ich es schenken will – „Du bist der/die Erwählte, der/die Einzige“. Jedes Mal, wenn du mit jemanden schläfst, sagst du mit deinem Leib: „Ich heirate dich!“ Und das ist schon ein starkes Stück...
Die Treue: Ein Geschenk ist nur dann ein Geschenk, wenn es endgültig ist. Was ist das für ein Geschenk, das man nach einem halben Jahr wieder zurückhaben möchte? „Nein, ich hab’s mir doch überlegt. Ich will es jemand anderem schenken..." In der heiligen Schrift spricht Jesus von Sex als „Ein-Fleisch-Werden“. In der Tat drückt die geschlechtliche Vereinigung äußerlich diese starke Verbindung und Einheit aus. Was aber eins ist, ist nicht mehr zwei und kann nicht mehr getrennt werden. Ganz real wird dieses Ein-Fleisch-Werden, wenn Samenzelle und Eizelle zu „einem Fleisch“ verschmelzen, wenn ein neues Leben entsteht! Wer aber kann schon anschließend ein Kind in „Vater- und Mutterzellen“ zerteilen? Sex ist also wirklich Ausdruck der Treue und Ewigkeit der Liebe.
Der vierte Punkt ist Sex als Zeichen für die Liebe Gottes. Johannes Paul hat gesagt: „Der Leib macht das Unsichtbare sichtbar: das Geistliche und das Göttliche.“ Das Göttliche? Macht Sex wirklich das Göttliche sichtbar? Hör mal das: Es gibt einige Gelegenheiten, wo das Göttliche sichtbar wird. Zeichen für das übernatürliche Handeln Gottes – es sind die Sakramente. Darum ist die Ehe ein Sakrament. Weil Gott in der Vereinigung von Mann und Frau sichtbar wird! Die Ehe ist nicht nur die Hochzeitsfeier.
Das Sakrament der Ehe wird wirklich konkret und sichtbar in der liebenden Vereinigung! Mann und Frau sind Abbild Gottes. Die Liebe zwischen den beiden ist Zeichen der Liebe Gottes. Die Freude bei der sexuellen Vereinigung ist ein Zeichen, ja ein Vorgeschmack auf die ewige Vereinigung mit Gott! Der Leib macht das Göttliche sichtbar... Haben wir Sex je schon auf diese Weise betrachtet?
Ja, diese Ansicht von Sex ist etwas radikal und muss auch richtig gelesen werden. Aber es war ein Papst, der uns dazu herausforderte, Sex in diesem Licht und Geheimnis zu sehen. Er ermutigte uns, die Sexualität nicht nur als biologischen Vorgang zu sehen, sondern der Würde des Menschen entsprechend. Wir unterscheiden uns eben von den Tieren. Nur der Mensch kann in der ganzen Tiefe wahrhaft lieben. Es stimmt aber auch, dass wir in einer gefallenen Welt leben, wo Sex oft nur als Befriedigung unserer Triebe und für den eigenen Spaß gesehen wird. Gerade deshalb forderte der Papst uns heraus, den wahren Wert und den Sinn der Sexualität wieder zu entdecken und zu leben durch Erlösung und Gnade Christi.
Sex ist also ein reales Zeichen für die ewige Vereinigung mit Gott. Sind nicht der Körper und Sex deshalb so anziehend, weil sie diesen tiefen Sinn enthalten? Wenn wir entdecken, dass Gott unser ultimatives Ziel und unsere ultimative Erfüllung ist, dann bekommt Sex eine tiefe Bedeutung und wird letztlich zu einem geheimnisvollen, aber realen und wirklichen Gebet!
Sex in dieser Weise zu sehen und zu leben, kommt aus der Erlösung, die Jesus für uns erwirkt hat. Er hat sich für uns mit seinem Leib hingegeben, damit auch wir sehen, was es heißt, sich mit dem Leib hinzugeben. Bitten wir Gott, dass wir das Geheimnis der Liebe immer mehr und tiefer verstehen können! Dafür ist er in die Welt gekommen.
Quellen: "Theologie des Leibes" von Johannes Paul II. und "Thology of the Body Explained" von Christopher West.
Michael Cech
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