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Love, Sex and Soul
Liebe ist ein Feuer. Und Feuer brennt. Es ist lebensnotwendig. Es kann aber auch vernichten. Wie nahe liegen Liebe und Angst, Freude und Traurigkeit, Tod und Leben bei...
WIR LEBEN…Wir empfinden, wir spüren, nehmen wahr, wir greifen und begreifen rund um uns eine Realität und uns selbst als ein Wesen unter Wesen. Seit wir Kinder waren, haben wir immer mehr unsere eigene Identität entdeckt, abgegrenzt von den anderen. Wir haben bemerkt, dass wir eine Entwicklung durchgemacht haben, zuerst mit unserem Körper, dann mit unseren Gefühlen. Wir sehen uns als einen Burschen, als ein Mädchen, als ein Ich, das gleichzeitig nicht zufrieden ist, einsam ohne ein Du. Sehnsucht, Liebe, Geschlechtlichkeit – ist das nicht ein unfassbares Geheimnis? Unerforschlich und trotzdem Mittelpunkt unseres Denkens. Warum Sehnsucht? Warum Sex? Warum Liebe?
Je mehr wir unsere Geschlechtlichkeit erfahren haben, desto mehr Fragen haben sich aufgetan. Wir werden zum Mann oder zur Frau und bemerken, wie unsere Sexualität funktioniert und dass sie irgendetwas mit unserer tiefsten Sehnsucht nach Liebe zu tun haben muss. Jeder Mensch steht einmal vor diesem Geheimnis. Manche wollen dieses Geheimnis erklären, indem sie versuchen bloß die rein biologischen Vorgänge zu analysieren und merken dabei nicht, dass in diesen Vorgängen der Sinn des Lebens zu entdecken ist! Sehnsucht, Liebe, Geschlechtlichkeit enthalten Sinn und Ziel unseres Mensch-Seins!
Der Schlüssel dazu liegt darin, dass wir einen Leib haben, Menschen sind mit Haut und Haaren. Und dass wir eine Seele haben. Wenn wir Liebe und Sexualität verstehen möchten, dann müssen wir begreifen, wer wir als Menschen sind. Wir müssen den Menschen in seiner Gesamtheit begreifen – mit Leib und Seele, mit Haut und Haaren. Wir spüren irgendwie, dass die Frage nach Liebe und Sex etwas Wesentliches ist. Ja tatsächlich, Sinn und Ziel liegen darin verborgen. Und die Wahrheit über den Sinn zu erfahren bedeutet ein geglücktes Leben zu führen, glücklich zu werden. Wir sind hier nicht bei einem Randthema angekommen sondern bei dem Thema der Menschheit, dem Drehpunkt der Menschheitsgeschichte (schließlich wäre niemand ohne Liebe und Sex auf dieser Welt).
Und hier sind wir auch bei Gott angelangt. Wenn es stimmt, dass Gott uns erschaffen hat, dann ist es nur möglich das Geheimnis von Liebe und Sexualität in seiner Tiefe zu verstehen mit dem Blick auf ihn. Er selbst hat uns Antwort gegeben durch sein Kommen auf diese Erde und durch seine Kirche. Wir wollen in dieser Artikel-Serie nicht in erster Linie biologische Vorgänge erklären, Sex im Detail erläutern, obwohl wir manches konkret ansprechen werden müssen. Aber biologische Vorgänge sind bei diesem Thema in Wirklichkeit nie das Problem. Wir wollen viel mehr versuchen die Sexualität in einer tieferen Dimension zu verstehen, was letztlich auch für die Erfüllung in der geschlechtlichen Vereinigung entscheidend ist. Sonst bleibt der sexuelle Akt leer und hinterlässt wieder und wieder dieses unbefriedigte und enttäuschte Gefühl, weil man nicht das gefunden hat, wonach man eigentlich gesucht hat.
Wir beginnen im ersten Teil mit der Frage nach dem Menschen. Wer sind wir? Wie ist das mit Leib und Seele? Das ist wichtig, damit wir wissen, wovon wir sprechen, wenn wir von Begriffen wie Liebe, Würde und Person reden. Dann schauen wir auf unseren Ursprung, wie der Mensch von Anfang an gedacht war, dann auf unser Ziel, dem wir zustreben. An Ursprung und Ziel einer Sache, kann man bekanntlich am meisten deren Sinnhaftigkeit erkennen. So werden auch wir Antwort auf den Sinn des Lebens, der Liebe und der Sexualität im Anfang und Ziel des Menschen finden. Dabei werden wir wieder unweigerlich auf Gott stoßen, der uns zeigen wird, welche Tiefe Körper und Sexualität beinhalten. Zum Schluss werden wir darüber sprechen, wie wir unsere Sexualität in erfüllter Weise – trotz Schwierigkeiten – leben können, wie Lust und Keuschheit zu verstehen sind.
Die erste Voraussetzung, wenn wir über Sex reden wollen, ist zu begreifen, was es heißt ein Mensch zu sein, ein Mensch mit einem Leib! Der Leib ist keine Sache. Der Leib, das bin ich. Wenn es zum Beispiel kalt ist, sage ich ja nicht: „Meinem Leib ist kalt“, sondern: „Mir ist kalt“. Im Alltag ist das eigentlich klar. Ich sehe alles und empfinde alles aus dem Blickwinkel meines Leibes und in Bezug auf ihn. Und trotzdem reduziert sich unser Mensch-Sein nicht auf den Körper. Wir sind keine Maschinen, die ferngesteuert „funktionieren“. Hoffen, Lieben, Philosophieren, Denken oder unser Bewusstsein sind Dinge, die unsere geistige Seele charakterisieren. Diese Seele ist dem Menschen einzigartig. Nicht wie beim Tier nur instinkthaft. Das zeigt auch unsere Erfahrung. Niemand von uns würde z.B. seinen Hund heiraten, auch wenn er ihn noch so „liebt“ oder eher „lieb hat“.
Ist es nicht nur der Mensch, der sein ganzes Leben eine Sehnsucht in sich trägt, eine Sehnsucht nach dem Glücklich-Sein? Ist es nicht nur er, der auch darüber spricht und danach strebt. Doch was ist Glücklich-Sein anderes als eine Bezeichnung für den Zustand der Seele?
Die Seele ist aber nicht losgelöst vom Körper. Wir sind weder Engel noch Geister! Darum kann man sogar manche Gefühlsregungen im Körper messen oder das Gehirn als Ort des Denkens lokalisieren. Körper und Seele zusammen machen uns als Person aus. Körper und Seele, das ist mein Leib. Die Seele belebt den Köper. Der Körper drückt die Seele aus. Ich bewohne nicht meinen Leib, ich bin mein Leib. Der Leib, das bin ich.
Der Leib ist es schließlich, der es uns möglich macht, mit anderen in Kontakt zu treten. Er vermittelt unsere Identität. Ist die Sprache des Körpers nicht oft erstaunlich? Ein Lächeln, ein Heben der Augenbrauen, eine Umarmung können doch mehr sagen als hundert Worte. Jede Bewegung, jedes Achselzucken, nicht zuletzt jedes Wort sendet Zeichen aus unserem innersten Wesen als Person. Die Mediziner haben schon lange erkannt, dass die Seele einen großen Einfluss auf den Gesundheitszustand eines Patienten hat. Psychosomatische Krankheiten etwa haben, wie der Name schon sagt (griech. ‚Seele-Leib‘), überhaupt nur rein seelische Ursachen. Andererseits kann sich eine Krankheit ganz schön auf den Gefühlszustand niederschlagen. So ist es daher sehr wichtig, auf seine Gesundheit zu achten, sich zu pflegen oder auch Sport zu betreiben oder sich im richtigen Ausmaß zu entspannen, damit man ausgeglichen sein kann.
Die wichtige Erkenntnis daraus ist nun, dass wir als Person einen Leib und eine Seele haben, die untrennbar miteinander verbunden sind, Geist im Fleisch, Seele, die sich im Leib ausdrückt. Daher kann man den Leib nicht als Sache behandeln, denn alles, was mit unserem Leib geschieht, hat Auswirkung auf uns als ganze Person und damit auf unsere Selbstverwirklichung, auf unser Glücklich-Sein.
Wie viel mehr muss daher die geschlechtliche Vereinigung mit unserem innersten Wesen zusammenhängen? Wenn wir begriffen haben, was es heißt Person zu sein als Einheit von Leib und Seele, wie kann man dann je Sex bloß als Vorgang betrachten, entkoppelt von der Liebe, von der Hingabe, vom Leben? Sex nimmt etwas vom Innersten der Person, vom Intimsten, und schenkt sich dem anderen in totaler Hingabe. Obwohl wir eigentlich noch nicht geklärt haben, was Liebe wirklich bedeutet, merken wir, dass gerade hier „der Körper die Seele ausdrückt“. Sex ist nicht Händeschütteln, auch nicht nur eine Umarmung. Die Geschlechtlichkeit ist nichts rein Biologisches, sondern betrifft vielmehr den innersten Kern der Person. Die Bibel drückt das so aus: „Die beiden werden ein Fleisch“ – sowohl körperlich als auch geistig!
Sexualität beeinflusst die Psyche (= die Seele!) weit mehr als andere Geschehnisse. So ist im Negativen das schreckliche Erlebnis einer Vergewaltigung oder des sexuellen Missbrauchs ein extremer seelischer Schock, der Schäden im ganzen Leben nach sich zieht. Aber auch positive sexuelle Erfahrungen prägen sich sehr in die Seele und das Erinnerungsvermögen ein und die Erinnerungen bleiben klar vorhanden. Und hier sehen wir vielleicht die schmale Trennlinie: Wenn Sexualität in der Wahrheit und in der Liebe gelebt wird, dann erlebst du die erfüllende menschliche Dimension. Sagst du hingegen mit dem Leib: „Ich liebe dich“, stehst aber mit der Seele wenig oder überhaupt nicht dahinter, dann lebst du nicht in der Wahrheit als Person, sondern belügst dich sowie den anderen. Dann ist Leere und Enttäuschung vorprogrammiert.
Auf der anderen Seite haben wir die Möglichkeit, die Liebe in ihrer ganzen Tiefe immer mehr zu begreifen und die Liebe in der Wahrheit zu leben!
„Wann werde ich meine Seele in sein Herz ergießen, wann wird sein Herz in meine Seele einströmen, wann werden wir selig, vereint und unzertrennlich beisammen leben?“
Hl. Franz von Sales *1567
Quellen: Johannes Paul II: "Theologie des Leibes", Daniel Ange: "Dein Leib geschaffen für die Liebe", André Léonard: "Jesus und dein Leib"
Michael Cech
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