28.04.2007

Der Leib sagt nichts von Verhütung

Verhütung ist ein Thema, welches die Kirche bei vielen nicht besonders beliebt macht. Einer der häufigsten Kritikpunkte, die die Kirche heute zu hören b...

Warum soll Verhütung auch wirklich etwas Schlechtes sein? Haben wir nicht die Verantwortung „vorzusorgen“, dass kein „Unglück“ passiert? Ist es nicht manchmal verantwortungsvoller, kein Kind zu bekommen, weil es die Umstände doch nicht besser erlauben? Oder dürfen wir nicht selbst entscheiden, wann der richtige Augenblick ist ein Kind zu bekommen?

Setzen wir einmal voraus, dass wir nur von Sex innerhalb der Ehe sprechen, weil wir in unseren bisherigen Überlegungen eigentlich zu diesem Schluss gekommen sind, dann bedeutet Verhütung im Grunde nur das Vermeiden einer Schwangerschaft und nicht den Schutz vor Geschlechtskrankheiten. (Abgesehen davon sind Kondome ohnedies nur ein schlechter Schutz.) Die Sache wird natürlich dann kompliziert, wenn Sex nicht eine Sache der Ehe ist.

So oder so geht es also darum, dass man miteinander schlafen möchte ohne ein Kind zu bekommen. Man möchte Sex, aber nicht die eigene Fruchtbarkeit. Man möchte Spaß und respektiert damit eigentlich nicht, was man als Mensch ist, weil man den eigenen Leib nicht respektiert. Man möchte das schöne Gefühl der Liebe, ist aber noch so weit weg von der wahren Liebe, weil man nicht an Konsequenzen denkt. Und genau dagegen will die Kirche sich wehren.

Für jemanden, der nicht verstanden hat, dass die Liebe etwas mit Gott zu tun hat, für den wird die Einstellung der Kirche zu diesem Thema immer ein Rätsel bleiben. Für denjenigen aber, der ahnen kann, dass die Liebe zwischen einem Mann und einer Frau mehr ist, als was man sieht, weil es im Letzten wirklich um Gott geht, für den wird die ganze Sache eine Einladung sein, sich noch mehr auf Gott, der die unendliche Liebe selbst ist, einzulassen. Sich auf Gott einzulassen heißt, von seiner Liebe erfüllt zu werden. Das heißt seinen ewigen Plan von der Liebe zu leben. Sein Plan ist es aber, dass wir von seiner Liebe lernen, dass wir so lieben, wie er liebt.

Wenn Gott aber die Liebe ist und Sex ein Ausdruck der Liebe, dann ist gerade die Sexualität etwas, was wir von Gott nicht trennen können. Gott hat sich etwas dabei gedacht, als er uns als Mann und Frau erschaffen hat. Lieben heißt vereinen, was vorher getrennt war. Eins werden. Doch nur was unterschiedlich ist, kann sich ergänzen. Gott hat uns so geschaffen, dass eine wirkliche, eben eine leibliche Vereinigung möglich ist. Er wollte, dass dadurch seine Liebe zu uns Menschen sichtbar wird.

Tatsächlich kann unsere Sexualität etwas sichtbar machen, was eigentlich unsichtbar ist. Die Liebe Gottes kann sichtbar werden. Darum ist die Beziehung zwischen Mann und Frau auch etwas Heiliges. Darum ist die Ehe ein Sakrament. Darum ist Sex etwas Heiliges und es ist daher nicht egal, wie wir damit umgehen.

Wenn ich entdecke, dass Sex tatsächlich eine heilige Handlung ist, dann ist das nicht mehr eine Sache, die einfach nur für mich „Spaß macht“, sondern dann werde ich fast ehrfürchtig Acht geben, dass ich das ausdrücke, was damit gemeint ist. Ich werde mich bemühen, dass ich innerlich vollziehe, was ich äußerlich tue, dass ich wirklich ehrlich meine, was ich mit meinem Leib sage. Wenn ich mit jemandem schlafe, dann sagt aber mein Leib: „Ich möchte dir so nahe sein, dass wir nicht mehr zwei sind sondern ganz eins. Mein Leib verbindet sich mit deinem Leib und diese Verbindung kann sogar in einem neuen Leben sichtbar werden, welches für immer, für ewig gedacht ist, genau wie unsere Liebe.“ - Ist es nicht genau das, was wir bei der Hochzeit versprechen? „Ich will dich lieben. In guten und in schlechten Tagen. Bis der Tod uns scheidet. Und wir sind bereit die Kinder anzunehmen, die Gott uns schenken möchte.“

Unser Leib spricht diese Sprache. Bringen wir hier aber Verhütung dazwischen, dann sagen wir auf einmal etwas ganz anderes. Verhütung sagt: „Ich will mich nicht dir schenken. Ich möchte dich nicht ganz annehmen, denn ich will dich, aber ohne deine Fruchtbarkeit und ohne Konsequenzen.“ So wird das Zeichen der Liebe auf einmal zu einem Anti-Zeichen. Das Heilige wird unheilig. Das, was der Liebe Gottes ähnlich sein sollte, wird ins Gegenteil verkehrt. Denn Gottes Liebe zu uns ist nie egoistisch. Gottes Liebe ist nie sterilisiert. Seine Liebe schenkt sich ganz, schenkt neues Leben. Ewiges Leben. Ja, man kann äußerlich „Liebe machen“ aber es wird nie das sein, was der Liebe nahe kommt, weil Liebe nichts außer Geschenk ist, und sich nie „machen“ lässt. Sicher, das erfordert schon Geduld und manchmal auch Verzicht, aber zeichnet nicht gerade das den Liebenden aus?

Die Sprache des Leibes heißt Geschenk. Somit sagt uns schon allein die Tatsache, dass wir Mann oder Frau sind, dass wir dazu berufen sind uns einander zu schenken, also nicht zuerst auf uns zu schauen, sondern auf den anderen. Nur durch eine wahre Hingabe können wir letztlich glücklich werden. Das heißt es zu lieben. Wenn wir aber mit unserem Leib eine andere Sprache sprechen, dann können wir das nicht leben. Denn nichts geht tiefer als die Sexualität. Sie ist der Schauplatz der Beziehungen untereinander. Sie ist ja schließlich die Grundlage jedes neuen Lebens. In der Sexualität könnten und sollten wir Gott begegnen. Gott hat den Menschen als Mann und Frau, als sein Abbild erschaffen, damit wir seine Liebe, die reines Geschenk ist, verstehen und leben können. „Seid fruchtbar“, war Gottes erstes Gebot an den Menschen, „seid Geschenk“!

In unserer Zeit wird dieses „Fruchtbar-Sein“ oft als Hindernis oder sogar fast als Krankheit gesehen. Ein Kind ist oft etwas, was uns behindert, weil wir dies und jenes nicht tun können. Ein Kind ist für uns dann kein Geschenk mehr, sondern bloß etwas, was wir machen und planen können, so glauben wir zumindest. Wir haben die Haltung, dass niemand unser Leben beeinflussen darf, nicht einmal, wenn es Gott ist. Die Folgen sehen wir bereits. Geburtenrückgang in der westlichen Welt. Schulen müssen schließen. Die Angst um die Pensionen entsteht. Aber das eigentlich Schlimmere ist, dass Beziehungen einfach nicht halten können, wenn man die Haltung des Schenkens nicht kennt. Wie viele Jugendliche leiden unter diesem Schmerz, weil ihre Eltern nie gelernt haben zu verzichten, das Opfer der eigenen Hingabe zu bringen.

Leben, vor Gott als Schöpfer, aber auch Respekt vor dem eigenen Leib, vor der eigenen Fruchtbarkeit. Wenn ich verhüte, habe ich diesen Respekt nicht. Dann wird Sex nicht zur Hingabe sondern zum Egoismus. Oder zum Egoismus zu zweit. Das ist nicht Liebe. Klar, die Liebe braucht auch Verantwortung. Gerade wenn es ums Leben geht. Und die Einstellung, dass Sex nur heilig ist, wenn ein Kind gezeugt wird, ist genauso nicht richtig. Es geht vielmehr um die Haltung. Die Haltung der Offenheit für das Leben und für Gott, die Haltung des Respekts vor dem Leib und der Fruchtbarkeit. Der Mensch hat einen Verstand, der ihm die menschliche Fruchtbarkeit verstehen lässt und er zum Beispiel die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage der Frau erkennen kann.

Auf diesem Prinzip beruht die Methode der „Natürliche Empfängnisregelung“ (NER) Diese Art der Familienplanung steht - im Gegensatz zur Verhütung - im totalen Respekt zur Sprache des Leibes. Und wenn man an Tagen der Fruchtbarkeit auf Sex verzichtet, weil aus guten Gründen ein Kind momentan nicht möglich ist, dann ist das genauso ein Akt der Liebe und der Hingabe wie die Vereinigung in der unfruchtbaren Zeit.

Was daraus entsteht, ist die Achtung vor dem Leben, vor Gott und vor der Liebe. Die Tiefe der Liebe und der Ehe wird eine andere sein, nämlich ähnlich der Liebe Gottes. Nichts wird uns tiefer und vollkommener erfüllen, als ihm in seiner Liebe ähnlich zu werden, so zu lieben, wie er liebt.

Quellen: Johannes Paul II, Theologie des Leibes, Daniel Ange, Dein Leib geschaffen für die Liebe, André Léonard, Jesus und dein Leib.

Michael Cech

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Mal ehrlich...
von: marios
10.05.2008
Die katholische Kirche kennt 10 Gebote… nein, entschuldigt mich 11 Gebote:

11. Du sollst nicht verhüten.

Also wirklich… Würde es nach Mutter Kirche gehen, müssten man noch weitere 20 Gebote hinzufügen (und das natürlich zum Wohle der Menschheit)

”…dann bedeutet Verhütung im Grunde nur das Vermeiden einer Schwangerschaft und nicht den Schutz vor Geschlechtskrankheiten. (Abgesehen davon sind Kondome ohnedies nur ein schlechter Schutz.)”

Das ist für mich wieder der schlagende Beweis, dass die Kirche die größte Sekte ist und ihre Anhänger belügen muss, um ihre konservativen Meinungen rechtfertigen zu können.

Aber ein Gutes hat das Verhütungs-Gebot: Priester die sich an Ministranten vergreiffen, müssen keine Kondome benützen – und ihre Seelen bleiben rein.

Mal ehrlich: Ihr seid die wahren Christen!

Laut dem British Medical Journal...
von: Riddler79
07.01.2008
... einem der renommiertesten Medizin Journals haben Programme in Ländern mit hohem Staatseinkommen, die einzig und allein die Abstinenz zum Schutz vor AIDS fordern, keinen Einfluß auf das Infektionsrisiko! “Programmes that exclusively encourage abstinence from sex do not seem to affect the risk of HIV infection in high income countries”, http://www.bmj.com/cgi/content/abstract/335/7613/248

Frühere Studien in Entwicklungsländern hatten zu ähnlichen Ergebnissen geführt, http://science.orf.at/science/news/148980

Im Gegensatz dazu, gibt es zahlreiche Studien, die die Senkung des Infektionsrisikos mit Kondomen belegen (unter anderem in Ehen mit jeweils nur einem infizierten)

Fruchtbarkeit
von: senior
30.08.2007
als Geschenk, um am Schöpfungsakt neuen Lebens teilhaben zu dürfen, übersteigt jede Vorstellungskraft. NER soll durch “DREI-IN-EINHEIT” abgelöst werden: Ehepaar erfährt im Gebet von Gott, wenn ER einen neuen Menschen schaffen möchte …
Das,
von: davidhume
06.02.2008
mit Verlaub gesagt, ist ja wohl Wahnsinn.

Abgesehen davon, ist es eigentlich Frauen ab ca. 45 verboten, Sex zu haben? Die Möglichkeit einer Befruchtung ist ab diesem Zeitpunkt ja eigentlich nicht mehr gegeben.

Würde...
von: Riddler79
14.02.2008
... mich auch interessieren. Mal abgesehen davon, daß NER nichts weiter als eine Alibimethode für gläubige Christen zur Empfängnissverhütung darstellt. Hier wird also der Wissenschaft Vertrauen geschenkt, die schließlich NER erst möglich macht. Zum Glück halten wir uns nicht an die Idee des Herrn Senior, dann wäre die Menschheit wohl bereits ausgestorben, lächerlich… ”…dann bedeutet Verhütung im Grunde nur das Vermeiden einer Schwangerschaft und nicht den Schutz vor Geschlechtskrankheiten. (Abgesehen davon sind Kondome ohnedies nur ein schlechter Schutz.)” Wiedereinmal… WO sind die Quellen, die dies belegen?
Ich verstehe...
von: Klara
17.02.2008
... wieder einmal nicht, wo der Widerspruch zwischen Glaube und Wissenschaft liegt! (OK, das hat jetzt nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun, sondern mit Riddlers Bemerkung)

Ich sehe das jetzt nicht so eng wie die Kirche, in manchen Situationen finde ich gewisse Verhütungsmittel finde ich schon in Ordnung. Wichtig ist auf jeden Fall, dass es um die Liebe und nicht um die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse geht und dass man verantwortungsbewusst damit umgeht.

Wenn man nicht bereit für ein Kind ist, ist man dann auch reif für Sex?

Die...
von: Riddler79
11.03.2008
... Unterdrückung NORMALER menschlicher Bedürfnisse hatte doch für die Kirche stets immer nur eine Funktion, Kontrolle!! Und wiederum Doppelmoral, sind denn Christen, die Sex haben und mittels NER verhüten, um keine Kinder in die Welt zu sezten, reif für Sex?

Natürlich steht auch außer Frage, daß zwei Menschen Sex miteinander haben und es beiden dennoch um die Liebe geht.