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Ist nicht der Mensch geschaffen, um seine Liebe auch auf dem Weg der Sexualität an einen anderen Menschen weiterzugeben? Wieso sind dann Priester aus ...
Es scheint unnatürlich, wenn dann jemand auf eine sexuelle Beziehung sein ganzes Leben verzichten soll. Und dann hören wir die vielen Medienberichte von Priestern, die es angeblich oder tatsächlich nicht auf diese Weise leben. „Es ist einfach unnatürlich. Da ist es ja klar, dass man krank wird oder kranke Dinge tut...“ Jeder von uns hat solche Sprüche gehört oder sich schon selbst mal gedacht.
Genauso dürfte es vor 2000 Jahren den Zuhören Jesu gegangen sein, als Jesus ihnen den Zölibat erklären wollte. Im Matthäusevangelium sagt er zu den Jüngern: „Denn es ist so: Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es“ (Mt 19,12).
Jesus gibt also Gründe an, warum jemand auf Sex verzichtet. Zum einen, weil er von Geburt an nicht dazu fähig ist, zum Beispiel durch eine Behinderung. Oder durch Menschen behindert – vielleicht spricht er von Kastration, die damals manchmal durchgeführt wurde. Aber dann weist er seine Jünger darauf hin, dass manche sich selbst für die Ehelosigkeit entscheiden, freiwillig, um des Himmelreiches willen. So als würde er sagen: „Ja, es ist unnatürlich, nicht zu heiraten, aber es kann manchmal auch ‚über’-natürlich sein! Das ist nicht leicht zu verstehen. Aber wer es erfassen kann, der erfasse es...“ Jesus macht damit klar, dass der Zölibat eine freiwillige Sache ist und noch dazu eine Ausnahme. Es ist eine spezielle Berufung und zwar für den, „der es erfassen kann“. Es geht um das Himmelreich. Das Himmelreich ist das, was uns auf ewig erwartet, was uns auf ewig erfüllt und glücklich macht.
Das Himmelreich ist die „himmlische Hochzeit“, die „himmlische Ehe“, die Gott letztendlich mit allen Menschen eingehen möchte. Wenn jemand um dieses Himmelreiches willen in dieser Welt nicht heiratet, dann weist er die Menschen darauf hin, dass das hier nicht alles ist. Im Himmel erwartet uns eigentlich die endgültige Bedeutung unseres Lebens und auch unseres Leibes, der auf die endgültige wahre Liebe ausgerichtet ist. Die Ehe ist ein Sakrament, d.h. ein Zeichen oder Bild für diese Wirklichkeit. Der Zölibat aber lebt diese Wirklichkeit in gewisser Weise schon jetzt. Und ist die Realität nicht immer mehr als das Bild der Realität? Für den, der dazu berufen ist, auf jeden Fall. Darum ist es eigentlich nicht sinnvoll, wenn man den Zölibat nur unter dem Gesichtspunkt sieht, was man alles „nicht darf“, sondern vielmehr sollte man sehen, was man wählt, nämlich die „himmlische Ehe“.
Jeder Mensch hat von Gott eine Berufung. Und jede Berufung weist auf das Himmelreich hin. Die Ehe und genauso der Zölibat. Es geht nicht darum, das eine gegen das andere auszuspielen und zu glauben, dass jemand, der nicht heiratet, heiliger wäre als ein anderer. Es ist eine Frage der Berufung, welche sich jeder einmal stellen muss. Denn der Weg, den Gott für einen gedacht hat, ist der, auf dem wir glücklich werden. Beide Berufungen, Zölibat und Ehe, ergänzen sich gegenseitig. Beide können und sollten aber ganz „um des Himmelreiches willen“ gelebt werden. Die Ehe zeigt, wie das Himmelreich in dieser Welt gelebt werden soll, durch die echte Hingabe an einen anderen Menschen. Der Zölibat weist darauf hin, dass im Letzten nur Gott den Menschen total erfüllen kann. Gleichzeitig hilft es dadurch zu verstehen, wie wertvoll die Sexualität ist, gerade weil man darauf verzichtet.
Beide Berufungen sind eine Form die eigene Hingabe zu lernen. Sich ganz und ungeteilt jemand anderem zu schenken. Für andere ganz da zu sein. Das heißt, die Liebe zu leben. Wenn jemand nur heiratet, weil er alleine nicht zurechtkommt, ist das genauso schlecht, wie wenn jemand Priester wird, weil er sich nicht auf einen anderen Menschen einlassen kann oder für ihn Frauen nicht wichtig wären. Noch weniger kann man Priester werden aus einer homosexuellen Neigung, nach dem Motto „weil man eh nicht heiraten kann“. Jesus macht es ganz klar, dass der einzige Grund für den Zölibat das Himmelreich ist. Und das Himmelreich ist eine Beziehung zwischen dem Bräutigam und der Braut, zwischen Christus und seiner Kirche. Diese bräutliche Bedeutung des Leibes gilt sowohl in der Ehe als auch im Zölibat.
Bräutlich heißt im Einklang, wenn man so will „in Harmonie“ mit seinem Körper zu sein, als Mann und als Frau. Als Mann heißt das ganz Ehemann und Vater zu sein. Als Frau ganz Ehefrau und Mutter. Sollte nicht ein Pfarrer ein wirklicher Vater für seine Pfarrgemeinde sein? Heißt nicht der Papst zu Recht auch „heiliger Vater“? War nicht „Mutter“ Teresa eine wirkliche Mutter für so viele? Menschen, die den Zölibat wahrhaftig leben, werden zu Vätern und Müttern in geistiger Weise. Sie „gebären Kinder Gottes“. Wir alle, die wir Kinder Gottes werden möchten, brauchen solche geistigen Väter und Mütter. Ist nicht auch die Mutter Gottes die Mutter aller Menschen geworden, auch wenn oder gerade weil sie Jungfrau geblieben ist? Der Zölibat ist somit nicht eine Unterdrückung der Sexualität, eine Verdrängung der Bedeutung des Leibes, sondern er ist eine andere Art, die bräutliche Bedeutung des Leibes zu leben. Das wird aber nur jemand verstehen, der das Himmelreich verstehen möchte.
Warum aber gerade die Priester? Warum kann nicht auch ein Priester freiwillig wählen, ob er heiraten möchte oder nicht? Die Antwort liegt in der richtigen Formulierung der Frage. Priester zu werden heißt nämlich nicht einfach einen Beruf zu ergreifen. Als Priester wird man von der Kirche erwählt und geweiht. Es gibt sozusagen kein Recht darauf Priester zu werden. Ein Priester verspricht Gott und seiner Kirche Gehorsam und die Bereitschaft ganz Gott und den Menschen zu dienen. Und die Kirche hat es im Laufe der Geschichte entdeckt, dass es sinnvoll und richtig ist, als Priester jemanden zu erwählen, der den Zölibat leben möchte. Die Berufung, die der Mensch wählt, ist also nicht: Priester - ja oder nein, sondern Zölibat oder Ehe. Die Kirche zwingt keinen Menschen zum Zölibat.
Aber die Gründe, warum sie als Priester nur solche Menschen erwählt, sind unter anderen folgende:
Ein Priester soll sich in besonderer Weise seiner Pfarrgemeinde schenken, ihr ein „Vater“ sein.
Ein Priester verwandelt Brot in den Leib und Wein in das Blut Christi und repräsentiert somit den Bräutigam Jesus Christus selbst, der sich seiner Braut, der Kirche, mit seinem wirklichen Leib, körperlich, schenkt.
Dieses Geheimnis ist das Geheimnis des Himmelreiches. Wer es erfassen kann, der erfasse es...
Quellen: "Theologie des Leibes" von Johannes Paul II. und "Thology of the Body Explained" von Christopher West.
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Warum dürfen Frauen keine Prieser werden? (ist die Kirche denn sexistisch?)
