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Love, Sex and Soul
Wir haben es uns in dieser Serie vorgenommen, die Sache mit Sex bis ins Letzte zu untersuchen und zu verstehen. Wir haben schon viel darüber nachgedacht, was Sex ...
Um wirklich zu begreifen, welche Bedeutung die Sexualität in unserem Leben hat, müssen wir nun auch auf unser Ziel schauen. Sex hat eine große Bedeutung am Anfang des Lebens (das Leben eines Menschen beginnt ja damit) und wir können genauso annehmen, dass Sex eine Bedeutung am Ende hat. Was passiert mit dem Menschen am Ende? Wohin gehen wir? Was passiert im Himmel?
Das Ziel zu kennen ist immer sehr wichtig, um den Sinn einer Sache zu erkennen. Jemand, der das Ziel hat z.B. ein guter Arzt zu werden, sieht im Lernen in der Schule einen wirklichen Sinn. Chemie und Biologie zu lernen wird für ihn sehr sinnvoll erscheinen. Dieselben Fächer empfindet ein anderer vielleicht als total sinnlos. Ob also etwas Sinn macht, hängt sehr stark von seinem Ziel ab. Oft sieht man auch erst im Nachhinein, ob etwas Sinn gemacht hat oder nicht. Für den Sinn ist eben immer das Nachher, das, was folgt, entscheidend.
Wenn wir nun nach dem Sinn bei der Sexualität fragen und warum es eben auch Sinn macht, bis zu einem gewissen Zeitpunkt (nämlich bis zur Ehe) damit zu warten, müssen wir auf das Ziel und auf das Nachher schauen. Für manche hat Sex kein Ziel. Sie meinen, einfach nur weil wir den Trieb in uns haben, ist es gut und notwendig diesen Trieb auszuleben. Kein Ziel. Daher wird diese Antwort nie einen Sinn in Sex finden und uns letztlich „unbefriedigt“ lassen.
Für andere ist das Ziel der Sex selber. Sehr oft dreht sich bei den Menschen alles darum Sex zu haben, wie sie sagen: „guten Sex zu haben“. Wer keinen Sex hat, gilt als Außenseiter oder einer, der zu bemitleiden ist. Doch auch diese Antwort ist uns zu wenig, denn wir alle wissen - weil wir es wissen - dass Sex allein nicht glücklich macht.
Ganz objektiv betrachtet ist das Ziel der geschlechtlichen Vereinigung von Mann und Frau ein Kind zu bekommen. Doch die Fortpflanzung allein reicht uns auch nicht aus, um den Sinn der Sexualität zu verstehen, denn fortpflanzen tun sich auch die Tiere. Ja, die Weitergabe des Lebens ist ein wichtiger Teil. Der Mensch und sein menschliches Herz verlangen aber trotzdem nach einer noch tieferen Antwort. Denn auch das neue Leben wäre sinnlos, wenn es nur wieder für den Kreislauf der Fortpflanzung da wäre, ohne selbst an ein Ziel zu kommen.
Versuchen wir’s mal mit der Liebe. Wir spüren die Sehnsucht in uns, uns dem anderen auch mit unserem Körper zu schenken, wenn wir ihn lieben. Wenn die Liebe das Ziel ist, wird die Sexualität zu einem Beitrag diese Liebe auszudrücken, zu stärken und zu vertiefen. Aus der Liebe heraus bekommt Sex tatsächlich den eigentlichen Sinn. Die Liebe als Ziel.
Und hier stellt sich natürlich sofort die Frage: „Was ist die Liebe?“. Um Sex sinnvoll zu leben, muss man klarerweise die Liebe immer mehr begreifen. Sex wird eben sinnlos bzw. geht am Sinn vorbei, wenn es die Liebe nicht zum Ziel hat. Und was ist, wenn wir jetzt gehört haben, dass Gott die Liebe ist...?
Wir hören es oft in der Kirche: Gott ist die Liebe. Aber was heißt das konkret für uns als Menschen? Es sind schöne Worte, aber doch so wenig greifbar. Wenn wir jetzt sagen, dass Sex die Liebe zum Ziel hat (oder haben sollte) und wenn Gott die Liebe ist, dann würde das heißen, dass Sex im Grunde Gott zum Ziel hat??? Also vielleicht ist das zu vereinfacht ausgedrückt, aber irgendwie sollte da etwas Wahres dran sein. Wenn wir aber sehen müssen, wie weit der Gedanke Sex und der Gedanke Gott für uns voneinander entfernt sind, dann sehen wir, wie weit wir noch von der Idee Gottes für uns Menschen entfernt sind.
Für Gott gehören der Mensch, Leib, Seele, Liebe, Sexualität, Spiritualität zusammen. Die menschliche Liebe zwischen Mann und Frau ist ein Vergleich, eine Vorausschau, mehr noch: ein Voraus-Leben von dem, was uns im Himmel erwartet. Das Ziel des Menschen ist die Liebe zu Gott. Das Leben im Himmel. Die Liebe hier in einer Ehe ist schon der Beginn. Sie ist ein Bild für den Himmel. Denn im Himmel sind wir nämlich in einer gewissen Weise mit Gott „verheiratet“. Kannst du dir das vorstellen? Ich glaube, niemand kann das. Aber versuchen wir ein wenig mehr zu verstehen...
Jesus vergleicht den Himmel oft mit einer Hochzeit, mit einem Hochzeitsfest oder –mahl. Der heilige Paulus nennt Jesus den Bräutigam und die Kirche die Braut. An einer anderen Stelle wird Jesus einmal gefragt, wie das im Himmel sein wird. Man brachte ihm ein Beispiel, wo eine Frau sieben Mal heiratete, weil ihre Männer immer gleich starben. Die Frage war nun, welchen Mann sie dann im Himmel haben würde, weil sie doch mit allen sieben verheiratet war. Jesus gab folgende Antwort: „Ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes. Denn nach der Auferstehung werden die Menschen nicht mehr heiraten, sondern sein wie die Engel im Himmel“ (Mt 22,23-30).
Diese Aussage bedeutet nicht, dass die Ehe schlecht ist oder dass man im Himmel mit seinem Ehepartner nicht mehr zusammen ist. Sie bedeutet auch nicht, dass wir keinen Körper mehr haben wie die Engel. Jesus sagt uns aber hier, dass die Ehe, die menschliche Liebe, nicht das endgültige Ziel ist. Das endgültige Ziel ist die Vereinigung mit Gott, und das in einer geistigen Weise, wie wir es uns in unserem jetzigen Zustand als Menschen nicht vorstellen können.
Im Glaubensbekenntnis beten wir, dass wir an die „Auferstehung der Toten“ glauben, was die Auferstehung mit einem neuen Leib meint. Dieser Leib wird aber in einer solchen Weise „vergeistigt“ sein, dass wir eine ganz neue Erfahrung unseres Menschseins haben werden: eine totale Einheit zwischen Leib und Seele, eine neue Erfahrung unserer Bedeutung als Mann und Frau und das Schauen Gottes von Angesicht zu Angesicht, der unser Menschsein vollkommen durchdringen wird. Die Liebe, die wir hier auf der Erde gelebt haben, wird nicht weg sein und umso mehr nicht die Liebe zu einem Ehepartner; die Liebe wird aber erfüllt sein – zwischen allen Menschen und Gott selbst.
Es ist die große „Gemeinschaft der Heiligen“, an die wir glauben, die uns Menschen untereinander und mit Gott in einer vollen Liebe und Einheit verbinden wird. Diese Gemeinschaft wird unsere eigene Persönlichkeit aber nicht verschlucken, sondern erst recht zum Vorschein bringen in einer echten und wahren „Selbstverwirklichung“. Denn die wahre Liebe fördert im anderen immer seine Individualität, seine ganz persönlichen Fähigkeiten, Talente und guten Eigenschaften. Heißt nicht lieben, den anderen immer mehr zu dem werden zu lassen, der er ist? Wenn man so will, ist der Himmel eine einzige große Ehe – in einer neuen, aber erfüllten Weise.
Die menschliche Liebe zwischen Mann und Frau hier auf der Erde ist die Vorschau auf diese Liebe. Sex ist der wunderbare Ausdruck dieser Liebe mit unserem ganzen Menschsein, mit Leib, Seele und Herz. Sex ist aber nicht das Ziel. Nicht einmal die menschliche Liebe kann genügend Ziel sein. Wer glaubt, dass die Liebe zum Ehepartner die letzte Erfüllung ist, der wird Erwartungen in den Partner setzen, die dieser nie bringen kann. So schön, gut und wertvoll die Liebe hier sein kann, sie ist doch „nur“ eine schwache Vorausschau auf das, was danach kommt.
Wer das erwartet, was Gott uns versprochen hat, die „himmlische Hochzeit“ – was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, wie es in der heiligen Schrift heißt – der wird den Sinn der Liebe und der Sexualität begreifen können. Für den wird die Liebe sinn-voll, weil sie das „Abbild“ der Liebe Gottes ist. Für den wird das Warten mit Sex bis zur Ehe sinn-voll, weil man sich damit auf die wahre Liebe vorbereitet. Für den wird Sex im Sakrament der Ehe sinn-voll, weil die Vereinigung zur gemeinsamen Begegnung mit Gott wird und zum Vorgeschmack auf die Gemeinschaft im Himmel.
Quellen: "Theologie des Leibes" von Johannes Paul II. und "Thology of the Body Explained" von Christopher West.
Michael Cech
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