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Ohne Tugend kein Erfolg. Eine päpstliche Weisheit, der Maier nur beipflichten konnte, als er im Vatikan mit seinen Teamkollegen den heiligen Vater traf.
von Andreas Thonhauser
Das erfolgreichste Skiteam der Welt bei einer Privataudienz mit Benedikt XVI.: Für viele der österreichischen Athleten ging ein Traum in Erfüllung. In freundschaftlicher Atmosphäre hatte der Heilige Vater aber auch einen wichtigen Tipp für die kommende Saison parat: ohne Tugend kein Erfolg. Eine Wahrheit, der Maier und Co. nur beipflichten konnten. Mut und Nerven aus Stahl – für Skifahrer, die mit mehr als 120 km/h den Berg hinabrasen, sind das zwei unabkömmliche Charaktereigenschaften. In der prunkvollen Sala Clementina in den Gemächern des Apostolischen Palastes im Vatikan erlebten allerdings einige österreichische Skistars jenen Umstand, den sie sonst höchstens nur noch aus dem Starthaus in Kitzbühel kennen und zwar Sekundenbruchteile bevor sie sich in die Tiefen der Streif stürzen: weiche Knie. „Natürlich bin ich aufgeregt“, gab Michael Walchhofer im Vorfeld zur päpstlichen Privataudienz des Österreichischen Skiteams ohne weiteres zu, „den Hl. Vater aus nächster Nähe zu sehen und ihm die Hand zu schütteln, wäre für jeden gläubigen Christen ein besonderer Moment“. Deshalb freue er sich auch besonders darauf.Hans Pum, der Alpinchef des Österreichischen Skiverbandes, hatte schon 1997 mit einer Gruppe von Sportlern auf dem Petersplatz Papst Johannes Paul II. besucht: „Es war ein großer Wunsch der Nationalmannschaft, dass wir einmal beim Papst eine Audienz bekommen. Ich glaube, dass es für Spitzensportler wichtig ist, einen starken Glauben zu haben. Man braucht ja viel beim Sport, man gewinnt nicht immer, man hat verschiedene Phasen – man gewinnt, man verliert. Ein starker Glaube kann in jeder Situation des Lebens viel helfen. Daher ist ein Glaube gerade für Spitzensportler wichtig, ich weiß eben von unseren Leuten, dass unsere Sportler sehr gläubig sind.“ So falsch dürfte Pum da nicht liegen, immerhin sind alle ausnahmslos katholisch getauft.
Tief bewegender Augenblick Am Samstag, den 6. Oktober war es dann auch endlich so weit. In der Früh waren die Ski-Nationalmannschaften der Damen und Herren inklusive ihrer Betreuer von Salzburg aus nach Rom geflogen. Dort wurden sie von Martin Bolldorf, dem österreichischen Botschafter beim Heiligen Stuhl, empfangen und in den Vatikan begleitet. Pünktlich um 11:30 trat Papst Benedikt XVI. durch die Pforte der Sala Clementina des Apostolischen Palastes, wo die Ski-Asse gemeinsam mit österreichischen Sport- und Kirchenjournalisten warteten: ein Moment, den die Anwesenden wohl nicht mehr so schnell vergessen werden. „Den Papst zu treffen, war ein tief bewegender Augenblick, für den ich sehr dankbar bin“, meinte Olympiasieger Hermann Maier nach der Audienz. Papst Benedikt XVI. wurde von den Sportlern mit donnerndem Applaus empfangen. Ganz besonders euphorisch zeigte sich Manfred Pranger. „Ich bin sehr gläubig, für mich ist das eine Riesenehre“, freut sich der Tiroler, der seinen Glauben von den Eltern mitbekam. Genauso wie Michael Walchhofer: „Ich bete täglich vor dem Schlafengehen. Es war ein sehr berührender Moment. Ich bin ein Sportler, der den Glauben lebt, und dem Papst die Hand zu schütteln, war der beste Moment in meinem Leben.“
Dauerhaft erfolgreich sein Benedikt XVI. schüttelte aber nicht nur die Hände. Während des von kath.net-Fotografen Christoph Hurnaus eingefädelten Treffens richtete der Papst auch einige Worte an die anwesenden Spitzensportler: „Im Sport bilden Leib, Geist und Seele eine Einheit. Nur wenn diese im Einklang sind, kann man dauerhaft erfolgreich sein.“ Dabei gehe es aber nicht nur um sportlichen Erfolg. Bestzeiten allein genügen nicht. Spitzensportler haben eine Verantwortung ihren Mitmenschen gegenüber, weil sie eine solche Vorbildwirkung für viele Männer und Frauen unserer Zeit haben - besonders für Jugendliche. Kurz, Spitzensportler sollen Menschen dazu anspornen, „Athleten Christi“ zu sein. Der Heilige Vater wörtlich: „Liebe Freunde, seid nicht nur sportliche Wettkämpfer, sondern Athleten, die sich um den Siegespreis eines christlichen Lebens mühen. Euer Vorbild möge andere anspornen, in ihrer Lebenswelt für das Bleibende, für das Gute zu kämpfen und Athleten Christi zu sein, der den Menschen das wahre Leben schenken will.“
Tugenden und Vorbildwirkung Papst Benedikt würdigte die populären österreichischen Alpinsportler als „Integrationsfiguren“ einer Gesellschaft, die ihre Werte und Orientierungen zunehmend verliert. Diese Vorbildwirkung hängt aber auch mit den Tugenden zusammen, die besonders den Sport auszeichnen: „Ausdauer, Zielstrebigkeit, Einsatz- und Opferbereitschaft, innere und äußere Disziplin, Achtung vor dem anderen, Teamgeist, Solidarität, Gerechtigkeit, Fairness, Bewusstsein eigener Fehlbarkeit und andere mehr.“ Hermann Maier fasste diese klare Botschaft, die die Verantwortung der Vorbilder ins Rampenlicht stellt, in eigene Worte: „Für mich heißt das eine gewisse Nächstenliebe, dass man etwas weitergibt von dem, was man selber an Erfolgen hat – das wird einem da mehr bewusst.“ Papst Benedikt XVI. fand aber auch mahnende Worte an die Ski-Profis und ihre Manager. Spitzensport dürfte nicht bei einem „rein materiellen Leistungsdenken“ stehen bleiben, betonte der Papst. Beim Sport gehe es um den ganzen Menschen.
Innere Harmonie notwendig „Sie selbst wissen, wie notwendig diese innere Harmonie ist, um anhaltend sportliche Leistungen auf höchstem Niveau erzielen zu können. Auch der Spitzensport muss dabei stets auf dieser ganzheitlichen Sicht des Menschen gründen, den Menschen in seiner Würde anerkennen und bei der Entwicklung und Reifung der eigenen Persönlichkeit fördern. Andernfalls greift er zu kurz, bleibt er bei einem rein materiellen Leistungsdenken stehen und kann auch seiner wichtigen sozialen Funktion nicht gerecht werden.“ Diese Sätze schlugen ein. Niki Hosp zeigte sich tief beeindruckt vom Heiligen Vater und meinte nach der Audienz: „Es ist extrem faszinierend, was für eine Persönlichkeit der Papst ist und was er ausstrahlt. Man braucht ihm nur ins Gesicht zu schauen und sieht, was Optimismus und positives Denken ist und was das bedeutet.“
Katholisches Skiteam Österreichs Ski-Athleten sind alle katholisch, umso größer war auch die Freude, über die Möglichkeit den Heiligen Vater persönlich treffen zu können. „In dieser Begegnung ist für uns alle ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen“, bedankte sich ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel für die Privataudienz. In den Tagen vor der Reise in den Vatikan drehte sich fast alles nur um die Audienz, da wurde für einige Stunden sogar der immer näher rückende Weltcup-Auftakt am 27. und 28. Oktober in Sölden zur Nebensache. Reinfried Herbst, zum Beispiel, verschob für dieses Ereignis kurzerhand einen Sponsortermin und eine Autogrammstunde: „Da nimmt man sich einfach Zeit. Das ist eine Chance im Leben, die man einfach nutzen muss“, meinte der junge Papa in spe, dessen Manuela rund um Weihnachten (Geburtstermin 23. Dezember) einen Sohn erwartet.
Papst einfach sehr, sehr gut Hermann Maier hörte bei der Ansprache des Papstes besonders gut zu: „Was der Papst über den Sport gesagt hat und über die Tugenden, das war einfach sehr, sehr gut.“ Aber nicht nur die Worte des Papstes beeindruckten die Ski-Stars. Niki Hosp beobachtete ihre Kollegen während der Audienz: „Jedes Mal wenn jemand vom Papst weggegangen ist, hat man das Lachen im Gesicht gesehen. Dem Heiligen Vater zu begegnen ist etwas Besonderes und ein Moment, der Kraft gibt.“ Kraft werden die Skifahrer in den nächsten Wochen und Monaten auch brauchen, denn der Skiweltcup geht bereits wieder los. Deshalb müssen die Spitzensportler nach der halbstündigen Audienz auch gleich wieder abreisen. Lediglich eine Führung durch den Petersdom geht sich noch aus. Präsident Schröcksnadel und einige der Rennläufer nehmen sich auch noch die Zeit in die Sakramentskapelle zu gehen, um dort vor dem Allerheiligsten zu beten. Die Wintersaison ist eben nicht mehr allzu weit entfernt und die nächsten sportlichen Herausforderungen und hoffentlich Höchstleistungen warten bereits. Für Hermann Maier ist der Saisonstart schon Routine. Der Papstbesuch war es nicht. Vielleicht findet er auch deshalb jene Worte, mit denen er „seine“ Privataudienz bei Benedikt XVI. beschreibt: „Es ist das Erlebnis für die nächsten 10 Jahre – vielleicht für das ganze Leben.“ Eine Goldmedaille mehr oder weniger würde bei ihm ohnehin keinen Unterschied machen.
Quellen: kath.net. Die Tagespost. Und Radio Maria mit besonderem Dank. |
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Dem Privatsekretär des Papstes Georg Gänswein wird als Geschenk ein paar Skier übergeben |
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Hermann Maier zeigt sich im Interview mit Radio Maria ziemlich beeindruckt |
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