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09.10.2007

Babsi Brückner

Match des Lebens

Sie ist eine junge, aufstrebende Tennisspielerin. Jetzt steht sie mitten in der Meisterschaft und blickt zufrieden auf ihre Platzierung. Ihre Ziele sind ehrgeizig. Doc...

von Dominik Lapka

Babsi Brückner ist eine junge, aufstrebende Tennisspielerin. Jetzt steht sie mitten in der Meisterschaft und blickt zufrieden auf ihre Platzierung. Ihre Ziele sind ehrgeizig. Doch ihr Leben war nicht immer von Erfolgen gekrönt. Obwohl sie erst 19 Jahre alt ist, musste sie schon einige tragische Schicksalsschläge erleben. Woran viele andere verzweifelt und verbittert wären, das war für Babsi Brückner eine Möglichkeit stärker zu werden. YOU!Magazin hatte die Gelegenheit, Babsi bei ihrem Training zu besuchen und sie zu fragen, wie man durch Schicksalsschläge wachsen kann...


YOU!: Du hast schon viele Turniere siegreich überstanden und bist auch momentan bei der Meisterschaft recht gut unterwegs. Wie lange spielst du schon Tennis und was fasziniert dich so an dieser Sportart?

Babsi: Meine Eltern spielten beide Tennis und so war mir der Schläger schon mit in die Wiege gelegt. Mit ca. 4 Jahren begann ich dann Tennis zu spielen und hatte damals ganz zwanglos einmal in der Woche eine Einheit mit einem Trainer. Ich hatte schon immer viel Freude an der Bewegung. Beim Tennis gefällt mir aber besonders, dass ich an meine Grenzen gehen kann. Es geht nicht nur darum, körperlich alles zu geben, sondern auch mental durchzuhalten und sich immer wieder neu zu motivieren. Gerade von diesem Durchhaltevermögen, das man zu Beginn regelrecht erlernen muss, profitiert man dann auch in anderen Lebensbereichen.


YOU!: Wie oft und wie lang trainierst du während der Saison, um in Form zu bleiben?

Babsi: Das ist ganz verschieden, je nachdem, wie viel Zeit neben dem Studium bleibt. Aber generell kann man sagen, dass ich drei bis vier Mal wöchentlich jeweils etwa zwei Stunden am Tennisplatz verbringe. Diese Trainingszeit beinhaltet sowohl Schlag- bzw. Techniktraining - also reines Tennisspielen - als auch Koordinationsübungen und Schnelligkeitstraining. Dann sollten zu diesem Pensum noch einige Laufeinheiten, also Konditionstraining, kommen, was ich leider nicht so konsequent praktiziere.




YOU!: Du studierst also nebenbei... welches Studium?

Babsi: Ich studiere Wirtschaftsrecht an der WU Wien im Hauptstudium, was äußerst anstrengend und vor allem zeitaufwändig ist, mir im Großen und Ganzen aber Spaß macht. Mein zweites Studium, ist katholische Fachtheologie, was mein Interesse und meine Leidenschaft ist. Obwohl sich diese Fächerkombination sehr exotisch anhört, finde ich, dass sich beide Studienrichtungen gegenseitig bereichern.


YOU!: Du hast schon oft schwere und wichtige Spiele bestreiten müssen. Welche Gedanken gehen dir vor so einem Spiel durch den Kopf?

Babsi: Natürlich kommen mir da positive, als auch negative Gedanken in den Sinn. Ich versuche von den negativen Gedanken, der Angst zu verlieren, wegzukommen und mich positiv auf das Match einzustellen. Ich versuche einfach mit Freude und ganz ohne Zwang zu spielen. Ich bemühe mich zum Beispiel beim Aufwärmen, mich voll und ganz auf das kommende Spiel zu konzentrieren und echt alles abzulegen, was mich belastet, was oft sehr schwer fallen kann.

Andererseits ist es für mich zu einer Gewohnheit geworden, vor dem Spiel noch ein kurzes Gebet zu sprechen. Nicht unbedingt um zu bitten, dass ich um jeden Preis gewinne, aber darum, einfach mein Bestes geben zu können, Kraft und Ausdauer zum Kämpfen zu haben und vor allem Freude dabei zu haben! Es kann auch schon mal vorkommen, wenn ich eine längere Anreise habe, dass ich im Auto noch einen Rosenkranz bete.

Mein Trainer hat mir auch öfters nahe gelegt, vor dem Spiel einen Song anzuhören, der mich motiviert. Das war dann meistens „Eye of the tiger“. Im Nachhinein muss ich darüber schmunzeln – aber wer hätte es gedacht, das hilft wirklich!


YOU!: Trotzdem wirst du wahrscheinlich auch schon einige Niederlagen erlitten haben. Wie gehst du damit um?

Babsi: Ich habe gelernt, das Wort „Niederlage“ sehr weit zu interpretieren. Natürlich scheint jedes Match, das verloren ist, im Moment als große Niederlage und Enttäuschung. Aber im Laufe der Zeit konnte ich für mich immer mehr erkennen, dass es oft viel besser ist, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die man gut gemacht hat, die einem gelungen sind. Ich meine damit nicht, dass man die Fehler und Schwächen ignoriert, sondern dass man versucht sie anzunehmen und daran zu arbeiten, ohne aber daran hängen zu bleiben. Wichtiger ist es nämlich, seine Stärken und Ressourcen zu erkennen und daraus neue Kraft zu bekommen.


YOU!: Wenn du an dein Leben denkst, fallen dir auch Situationen ein, die für dich wie eine Niederlage waren?

Babsi: Obwohl ich schon viele schöne und frohe Dinge erleben durfte, gibt es auch einiges in meinem Leben, was mir Schwierigkeiten bereitet hat, wo ich „Niederlagen“ einstecken musste. Das wahrscheinlich Schlimmste, was mir passiert ist, war der plötzliche Tod meines älteren Bruders bei einem Verkehrsunfall, als ich 11 Jahre alt war. Am Anfang hatte ich sehr damit zu kämpfen und ich konnte lange nicht damit umgehen. In dieser Zeit war meine Familie sehr wichtig, bei der ich großen Rückhalt und viel Geborgenheit finden konnte. Mit etwa 15, ließen sich meine Eltern scheiden, was meine Welt erneut gewissermaßen zusammenbrechen ließ. Im vergangenen Jahr verstarb mein Onkel unerwartet an Lungenkrebs...




YOU!: Wie bist du mit all diesen Situationen fertig geworden?

Babsi: Eine Zeit lang ist es mir vorgekommen, dass ich eine Schreckenserfahrung nur deshalb verarbeitet habe, damit die nächste gleich folgen konnte. Aber jede noch so traurige Erfahrung hatte auch ihre Kehrseite, denn ich habe daraus vieles lernen können: dass es nichts gibt, was man nicht schaffen könnte, dass es aus jeder Situation einen Ausweg gibt, und, dass man wirklich niemals die Hoffnung verlieren sollte. Die schönste Erfahrung dabei war und ist es immer wieder, Gott immer tiefer kennen zu lernen. Er hat mir wirklich immer Kraft gegeben. In den schweren Zeiten habe ich viel gebetet. Mir wurde klar, dass Gott nicht die schweren Dinge schickt, sondern, dass er vielmehr mit mir durch das Leid geht!

Natürlich habe ich begonnen zu fragen: „Warum nur ich? Warum muss ich so schlimme Dinge erfahren?“ Im Nachhinein kann ich sagen: weil ich daraus lernen, wachsen und stärker werden konnte. Was mir in traurigen Stunden auf jeden Fall auch geholfen hat, war die Unterstützung von vielen lieben Menschen, die für mich da waren, ein gutes Wort für mich hatten, mir zuhörten, mich aufmunterten - wofür ich unendlich dankbar bin!


YOU!: Wie schaut es mit deiner Zukunft aus? Welche Träume hast du, was deine sportliche Karriere angeht?

Babsi: Das ist schwer zusagen, zumal sich diese Ziele in den letzten Monaten sehr verändert haben. Formell ist es natürlich mein Ziel, mich in der ÖTV Rangliste zu verbessern. Ansonsten träume ich einfach davon, gutes Tennis zu spielen und mein Spiel konsequent durchzuziehen. Ich glaube, der größte Traum eines Sportlers ist es, das, was er an Zeit und Energie ins Training investiert, im Wettkampf unter Beweis stellen zu können.


Bisherige Titel:

- dreifache NÖ Landesmeisterin (Einzel, Teambewerb Jugend, Mannschaftsmeister Damen)
- mehrfache Siege bei ÖTV-Turnieren
- Nr. 1 der NÖ Jugendrangliste
- Nr. 7 der ÖTV Jugendrangliste
- Teilnahme an Turnieren der ITF/WTA im Ausland

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