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20.05.2007

Seleção

Das betende Dreamteam

Die WM ist überall. Man kann sich ihr nicht entziehen. Dem YOU!Magazin geht es nicht anders und eigentlich ist es uns auch ganz recht. Denn Sport übte schon immer eine besondere Faszination aus. Es geht um Teamplay, Leistung, Überwindung, Vertrauen, Herausforderung. Deshalb ist Fußball ja auch ein gutes Trainingsfeld für das Leben und den Glauben. Und manchmal ist der Glaube auch für guten Fußball entscheidend. So munkelt man zumindest über die Topleistungen der brasilianischen Fußballer. Deshalb nützten wir vom YOU!Magazin die WM und hakten bei der brasilianischen Nationalelf ein wenig nach, angefangen im Schweizer Weggis bis hin nach Königstein in Deutschland. Fazit: Fußballweltmeister Brasilien betet, um etwas zu erreichen.

Unsere Recherche begann in der Schweiz, im Ort Weggis. Weiße Planen, soweit das Auge reicht – ein Festzelt neben dem anderen. Darunter: Jene Fläche von saftigem Grün, die es offenbar wert ist, viel mehr genannt zu werden als einfach nur Gras: „Heiliger Rasen“, so betitelte ein Schweizer Boulevardblatt Ende Mai jenes Fußballfeld in Weggis, dessen mühevolle Sanierung auf der Internetplattform „weggisevent.ch“ nicht ohne Stolz dokumentiert wird. Zweck des aufwändigen Unterfangens:

Die Fußballweltmeister aus Brasilien nutzten die Trainingsanlagen des Tourismusortes im Rahmen ihrer Vorbereitung auf die diesjährige WM. Für die Bewohner von Weggis und dessen Umlandgemeinden bedeutete die Anwesenheit der Fußballprofis den Ritt auf einer Welle der Fußball- und Samba-Euphorie. Ein kleiner Bedeutungswandel hat sich zugunsten des Schweizer Trainingsortes vollzogen. Schwester Hildegard Willi, Leiterin jenes katholischen Bildungshauses, das zur Einsegnung des Fußballrasens zwei Nonnen entsandte, weiß dies zu bestätigen: „Weggis ist jetzt weltbekannt.“

Anfang Juni, kurz vor Start der WM, übersiedelte dann das brasilianische Team nach Deutschland, wo es im schmucken Städtchen Königstein bei Frankfurt am Main seine Bleibe fand. Aber auch hier wurden die Fußballstars gut vor Journalisten abgeschottet und sie traten nicht einmal an die Öffentlichkeit, als anlässlich ihrer Ankunft ein öffentlicher ökumenischer Gottesdienst abgehalten wurde. So entsandten wir kurz entschlossen Johannes (11 Jahre) auf die Fährte des Dreamteams, als wir erfuhren, dass sie am Sportplatz seines Gymnasiums ihr Training absolvierten. Johannes und die anderen Schüler der Königsteiner Taunusschule hatten tatsächlich die große Ehre, die Weltmeister nahe ihrer Schule zu beherbergen. Voller Stolz zeigte uns Johannes die Fotos, die mit einiger Phantasie schon etwas hergaben...


Wer sind sie?

Brasilien ist also wieder einmal in aller Munde und wir waren hinter ihnen her. Immerhin sind Namen wie Ronaldo, Ronaldinho und Lucio sogar den Nichtfußballfans ein Begriff. Sie sind ungemein erfolgreich und noch dazu strahlen sie aus, was man heutzutage gerne Gelassenheit, Ruhe, Einklang nennt. Die Kraft hinter all dem, so sagen zumindest die meisten der brasilianischen Spieler: Glaube. Liebe. Gott. Vielleicht hat sie das manchmal schwere Leben in Brasilien so geprägt. Dort ist der Glaube oft das einzige, was einem noch hält. Armut, Kampf gegen Korruption und Kriminalität – das war auch ihre Heimat. Mit Chipssackerl und Bierdosen bewaffnet, vergessen wir vor unseren Luxus-TV-Geräten oftmals viel zu schnell jene Schicksale, die junge Fußballstars wie Ronaldinho und Adriano einst überwinden mussten, bevor sie am grünen Rasen die Welt begeistern konnten.


Ronaldinho: Schweres Schicksal

Hinter den gefeierten Fußballstars verbergen sich teils berührende Geschichten. – Geschichten, die uns zur sozialen Realität der brasilianischen Armenviertel führen. Der als Ronaldinho bekannte Ronaldo de Assisi Moreira etwa, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und musste als Achtjähriger den Tod seines Vaters verkraften. Der Sprung zum Weltklasse-Fußball gelang ihm 2002. Damals errang die „Selecao“ – so wird die brasilianische Fußballnationalmannschaft von ihren Fans liebevoll genannt – zum bereits fünften Mal den Weltmeistertitel. Heute ist Ronaldinho beim FC Barcelona im Einsatz und ein gemachter Mann. Aber seine sportlichen Topleistungen führt er nicht nur auf sein eigenes Talent zurück: „Manchmal glaube ich, dass Gott mir die Pässe zurechtlegt.“


Lucio: Gebet und Erfolg

Ähnliches hört man von Innenverteidiger Lucio, wenn er über seinen Glauben an Jesus Christus spricht. So meinte er unlängst in einem Interview für das deutsche Blatt „Sport-Bild“: „Wenn ich weiß, dass ich Gott in meinem Leben habe, habe ich auch eine gute Arbeit und eine gute Familie. Dann weiß ich, dass alles gut ist.“ Fast könnte man meinen, Lucio wäre als gläubiger Mensch aufgewachsen – doch das Gegenteil war der Fall.

Erst durch das Fußballspielen lernte er den christlichen Glauben in einer tiefen Weise kennen. Sein gelungener Einstieg in den professionellen Fußball befähigte Lucio dann auch auf spiritueller Ebene zu großen Schritten: „Gott hat mir geholfen, all meine Träume zu verwirklichen. Alles wofür ich gebetet habe, ist eingetroffen. Da habe ich mich taufen lassen.“


Tätowiert für Jesus: Adriano

Auch Offensivspieler Adrianos Weg zum Glauben führte über Umwege. Aufgewachsen zwischen Überfällen, Drogenrazzien und brutalen Bandenkriegen, eilte dem jetzigen Nationalspieler ein schlechter Ruf voraus. Dieser kam auch nicht von ungefähr. In so manchem Champions League-Spiel machte Adriano zunächst eher mit Raufereien als mit gekonnten Spielzügen Schlagzeilen. Der Sinneswandel erfolgte erst vergangenes Jahr.

Der Tod seines Vaters hatte ungeheure Auswirkungen auf den erschütterten Adriano. Dieser begann sich mit der Bibel zu beschäftigen, betet gemeinsam mit seinen Teamkollegen und besucht heute sogar Bibelkreise – so geschehen während des Confed-Cups 2005 in Deutschland. Sein rechter Oberarm dient dem Brasilianer gewissermaßen als Spiegelbild einer inneren Gewissheit. Dort ließ er sich nämlich eine Tätowierung machen, welche eine recht einfache aber dafür umso treffendere Botschaft trägt: „Jesus ist immer bei mir“.


Kaká: Warten bis zur Ehe

Laut der österreichischen Gratis-WM-Zeitschrift möchte der Goldschütze des ersten brasilianischen Tors dieser WM mit seiner Langzeitliebe Caroline enthaltsam bleiben. „Ich gehöre nur Jesus!“, kommentiert der 24-Jährige.


Teamchef: Carlos Alberto Parreira

Dass Jesus für viele seiner Spieler wichtig ist, weiß natürlich auch Teamchef Parreira der brasilianischen Mannschaft: „Der Glaube hilft uns. Wir haben von Anfang an gesagt, wir müssen beten, wenn wir etwas erreichen wollen.“ Und erreicht haben sie ja schon einiges, die Spieler der Selecao.

Christian Traunwieser, Andreas Thonhauser

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