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„Durch Gottes Hilfe kann man seine Vergangenheit hinter sich lassen und wieder neu beginnen.“ Sylvester Stallone, alias Rambo und Boxlegende Rocky, weiß, was es heißt, Rückschläge und Tiefen hinter sich zu haben. Als einer der ganz Großen Hollywoods, waren für ihn Erfolg und Ruhm die wichtigsten Dinge. Die Scheinwelt Hollywoods übernahm die Kontrolle.
Seine zwei oberflächlichen Ehen scheiterten und innerlich ging es bergab. Erst mit seiner dritten jetzigen Ehe trat eine Veränderung ein, als seine Tochter krank geboren wurde. Es brachte ihn dazu, zu seinen katholischen Wurzeln zurückzukehren. „Ich erkannte, dass ich eine andere Hilfe brauchte und begann alles in die Hände Gotte zu legen, in seine Allmacht, in seine All-Vergebung“, sagt Stallone.
Mit Rocky Balboa brachte er nun seine eigene Lebensreise auf die Leinwand und steht im Interview Rede und Antwort über Gott, Rocky und seinen Glauben.

Sylvester mit Frau Jennifer und Kindern.
Hey Sly, Wie geht’s dir?
Stallone: Sehr gut, danke.
Was dich jetzt, nach all den Jahren, dazu bewegt, wieder einen Rocky Film zu drehen?
Stallone: Ich glaube, der neue Rocky gehört zu den Dingen, die einfach ihre Zeit gebraucht haben, bis sie wirklich reif waren, ausgestrahlt und veröffentlich zu werden. Ich habe einige Ups und Downs in meinem Privatleben erlebt. Dann hatte ich plötzlich das Gefühl etwas tun zu müssen. Das war so ähnlich wie beim ersten Teil. Da hatte ich auch plötzlich das starke Bedürfnis ein Drehbuch zu schreiben, obwohl ich nie wirklich der große Schreiber gewesen war. Die letzten Jahre haben mich sehr verändert und zugleich befähigt, diesen sechsten Teil zu produzieren. Ich wollte einfach den Dingen, die sich in meinem Leben ereignet haben, eine Stimme mit der Figur des Rocky Balboa geben.
In Rocky I und auch im neuen Rocky Balboa sieht man in der allerersten Szene ein Bild von Jesus. Welche Rolle spielte der Glaube in deinem Leben und lassen sich eventuell Parallelen zwischen dir und Rocky erkennen?
Stallone: Rockys Weg ist ein bisschen wie mein eigener. Weißt du, ich bin katholisch aufgewachsen, bin auf katholische Schulen gegangen usw. Mir war der katholische Glaube immer sehr wichtig, bis ich eines Tages mit Ruhm und all seinen Versuchungen konfrontiert wurde. Meine Abwendung vom christlichen Weg und eine ganze Reihe schlechter Entscheidungen waren die Folge. Und Rocky ging es da irgendwie ähnlich. Er hatte einfach nicht die richtige Führung. Doch Jesus hat ihn stets begleitet und geführt, sodass er schließlich nicht mehr verbittert ist und er es schafft, sein Leben in den Dienst Jesu zu stellen. Ich wollte meine Gefühle, meine Geschichte hernehmen, und sie in den Körper eines Boxers verpacken. Es ist ja nicht der Schauspieler, den die Leute so interessant finden, sondern es geht in erster Linie ums Boxen. Das Boxen symbolisiert den ständigen Kampf und kann daher gewissermaßen als ein Symbol für den Kampf verstanden werden, den jeder Christ jeden Tag auf sich nehmen muss.
Ich weiß, dass du nicht wirklich glücklich über den fünften Rocky Film warst, und dass du dadurch noch mehr motiviert warst einen weiteren Teil zu machen.
Stallone: Ja, der fünfte Teil war echt enttäuschend, aber auf allen Ebenen. Ich führte ja beim zweiten, dritten und vierten Teil Regie und hatte wirklich das Gefühl, dass wir uns weiter entwickeln würden. Aber dann kam ich, wie gesagt, von meiner Linie völlig ab. Ich kreiste nur noch um mich selbst, und habe nicht mehr mein ganzes Herz und meine Seele in den Film gesteckt, wie ich es hätte machen sollen. Es gab daher keine besondere Botschaft. Es war einfach nur ein Film um des Filmemachens wegen. Da gab es einfach rein gar nichts Tiefgehendes. Das hat mich sehr gewurmt, denn es war ja vor allem meine Schuld. Ich brauchte etwas, das die ganze Situation retten würde, aber vor allem brauchte ich Zeit. Ich musste zuerst all meine Verwirrungen und Probleme in Angriff nehmen, um wieder verrückt genug zu sein, diese neue Geschichte von Rocky Balboa zu schreiben.
Wie hast du es geschafft zu deinen spirituellen Wurzeln zurückzukehren?
Stallone: In meinem Leben hat einfach nichts mehr funktioniert. Mein Ego und alle möglichen Versuchungen hatten die Oberhand übernommen. Ich geriet irgendwie außer Kontrolle. Im Gegensatz zu Rocky hatte ich kein Ideal vor Augen. Ich dachte, ich wäre derjenige, der zu allem berechtigt wäre und über den Dingen steht. Aber in Wirklichkeit hast du kein Anrecht auf irgendetwas. Unser Leben hier auf Erden ist ein Geschenk, das uns für gewisse Zeit anvertraut worden ist. Es hat lange gebraucht, bis ich das verstanden habe, aber jetzt darf ich ein schönes Leben führen, gemeinsam mit einer wundervollen Frau und wundervollen Kindern. Ich bin ungemein glücklich. Ich glaube nicht mehr, dass ich wichtiger bin als der Mann, der die Lichter am Filmset aufdreht. Denn wäre er nicht, würde dich niemand sehen können.
Stallone möchte mit Rocky Balboa Werte vermitteln.
Stimmt, ohne ihn würde es nicht funktionieren.
Stallone: Ja genau.
Du hast gemeint, dass dich dein katholisches Leben sehr geprägt hat. In wiefern spielt die Kirche eine Rolle für dein Leben?
Stallone: Ohne Kirche ist es ungefähr so, als ob man ein Boot ohne Ruder besitzt. Du denkst, dass du es allein schaffst. Ich vergleiche das immer so: Mein ganzes Leben lang war ich mit Trainieren beschäftigt, aber obwohl ich Experte auf diesem Gebiet war, benötigte ich immer noch fremde Hilfe. Du brauchst einen Trainer. Du musst ins Fitness-Studio gehen und du brauchst jemanden, der dich führt. Du kannst dich unmöglich selbst trainieren. Und genauso ist es doch mit dem Christentum; die Kirche repräsentiert das Fittness-Studio für deine Seele. Die Priester und Seelsorger sind die Trainer, die dich durch schwierige Zeiten hindurch begleiten und dich zu den Orten führen, die du niemals zu erreichen geglaubt hättest. Jeder in der Kirche hat seinen besonderen Platz. Da kann man einen Geist der Einheit finden, eine Verbundenheit, die es sonst nirgendwo gibt, und die du allein nicht erreichen kannst. Viele Menschen sagen: „Hey, ich schaff das auch allein, denn ich habe eine ganz persönliche Beziehung zu Gott.“ Aber das ist nicht das Gleiche. Ich habe das selbst auf ganz schmerzhafte Weise erfahren müssen. Je mehr ich in die Kirche gehe, und je mehr ich mich auf Jesus und sein Wort einlasse, und es zulasse, dass er mich führt, umso mehr bemerke ich, wie viel Druck von mir genommen wird.
Im Film wird der Gedanke vermittelt, dass Selbstwertgefühl vor allem im Umfeld der Familie gebildet wird.
Stallone: Ohne Zweifel habe auch ich den Fehler gemacht, den Wert der Familie als zweitrangig zu betrachten. Ich dachte, das wäre etwas, das man sich selbst aneignet. Aber, Rocky ist erst dann ganz Mensch, als er Teil von jemandem anderen wird. Wir sind alle Teile eines großen Puzzles, und so sehe ich die Familie. Erst wenn alle Teile zusammen sind, macht das Ganze einen Sinn, ist es vollständig. Wenn man all diese Teile auseinandernimmt, dann kann keine Art von Kontinuität und Stärke entstehen. Deshalb glaube ich, dass Familien durch gemeinsame Tränen, Kämpfen bis aufs Blut, starker Glaube und durch Zusammenarbeit befähigt werden, jedes Hindernis zu bewältigen.
Dieser Film zeigt wahrscheinlich am deutlichsten dein Bekenntnis zum Glauben.
Stallone: Als ich älter wurde, habe ich bemerkt, wie sehr ich auf Jesus, Gottes Wort und seine Unterstützung angewiesen bin. Ich versuche auch all dies meinen Kindern weiterzugeben, weil ich es so wichtig finde, dass sie verstehen, dass es sich auszahlt. Auch wenn man das manchmal auf schmerzhafte Weise erfahren muss. Und genau darum geht es bei Rocky. Im letzten Rocky Teil, Rocky Balboa, verliert er alles. Und dann sehen wir ihn, wie er triumphiert. Doch das letzte, das er wahrnimmt, bevor er in den Ring steigt, ist die Hl. Schrift. Das ist es, was ihm überhaupt die Kraft gibt zu Kämpfen. Die Menschen verstehen plötzlich, dass er nicht für Geld kämpft, und auch nicht um Ruhm zu erlangen, sondern für einen wahren Grund, für einen heiligen Grund. Er will zeigen, dass er seine Gott gegebene Fähigkeit, anderen den Weg zeigen kann, um ebenfalls Vorbild zu sein. Du musst nicht der Größte, der Stärkste oder der Schnellste sein, sondern wenn du glaubst, wenn du wirklich glaubst, wirst du den Weg finden, der dich gewinnen lässt.

Rocky in seinem letzten großen Kampf
Was erhoffst du dem Publikum mitgeben zu können?
Stallone: Aufopferungsbereitschaft und Liebe, ja, ganz ehrlich. Und das ist harte Arbeit und bedarf Beharrlichkeit. Ich denke, jeder von uns sollte diesen Kampfgeist haben. Es geht nicht um das „Ich“, sondern um das „Wir“, um Nächstenliebe für andere, denn jeder von uns hat ganz tief innen etwas zu geben. So wie auch Rocky sagt, dass wir alle noch etwas „in der Vorratskammer“ lagernd haben. Geben wir doch, anstatt alles nur für unser alleiniges Wohlbefinden zu horten. Egal, was du getan oder gemacht hast, du kannst deine Vergangenheit hinter dir lassen und sie bewältigen, wenn du dich Gott ganz anvertraust. Und genau darum geht es bei Rocky auch: Er wird neu geboren. Wenn wir meinen, dass alles bereits zu spät sei, gibt es dennoch einen Neubeginn.
Valerie Schwarzbauer
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