
Popculture
Kino
Movie Check
Gerade einmal 31 Jahre alt, seine Autobiographie in Buchform bereits auf dem Markt, gibt es dazu jetzt auch den passenden Film.
von Katharina Marschall
|
Die „Zeiten ändern dich“, das gilt auch für Deutschrapper Nr.1 Bushido. In seinem bisherigen, zugegeben noch nicht allzu langen Leben, hat er bereits so einiges erlebt, daran lässt auch der Streifen keinen Zweifel. Zur Handlung: Im Tourbus knallen Bushido und sein Team über den Asphalt, quer durch Deutschland. Es ist sein 29.Geburtstag und in seiner Hand hält er eine Postkarte von seinem Vater. Dieser hat die Familie verlassen, als Anis (Bushidos richtiger Name) ein kleiner Junge war. In Gedanken durchläuft er sein bisheriges Leben: getreu seinem Lebensmotto „Haste was, biste was. Haste nichts, biste nichts“ schmiss er die Schule und verkaufte lieber Drogen. Damit machte er das schnelle Geld, stand plötzlich groß im Mittelpunkt und war „mit 16 Jahren der verdammte König der Welt“. Er lernt seine erste große Liebe kennen, immer wieder neue Freunde und obwohl er regelmäßig mit Vorurteilen und Rückschlägen konfrontiert wird, schlägt er sich durchs Leben. Ohne Plan und ohne Ziel, ein ewiges Auf und Ab. In seinem Herzen trägt er vor allem eines: den ganz großen Hass gegen seinen Vater, der seine Mutter erst halb tot geschlagen und sie dann mit zwei Kindern sitzen gelassen hat. Mit diesem Hass begegnet er der Welt und im Grunde jedem, der ihm vor die Nase kommt. Eines Tages verändert ein Ereignis sein Leben: der 11. September 2001. Im Fernsehen verfolgt er den Anschlag auf die Twin Towers in New York, „das krasseste, das ich jemals gesehen habe“ und spürt plötzlich „einen unbändigen Willen zu leben, und Musik zu machen“. Was vorher nur eine weitere Tätigkeit neben Drogendealerei und Graffitikunst gewesen war, nimmt von jetzt an sein ganzes Leben ein: der Hip Hop. Er gibt sich selbst den Künstlernamen Bushido (japanisch für „Weg des Kriegers“), beginnt Konzerte zu geben und kommt wieder ganz nach oben. Seine großteils sehr jungen Fans lieben ihn, die Presse scheint ihn zu brauchen, die ältere Generation reagiert mit Abneigung: er nimmt kein Blatt vor den Mund, seine Texte behandeln nur selten jugendfreie Themen, doch scheint es, als würde er den Menschen „von der Straße“ aus der Seele sprechen. Aber in seiner eigenen Seele herrscht nach wie vor Hass. Als er kurz vor seinem größten Auftritt am Brandenburger Tor in Berlin steht, erreicht ihn erneut eine Nachricht seines Vaters: er ist schwer krank und will ihn sehen. Bushido macht sich auf den Weg - vielleicht den schwersten seines ganzen Lebens - um seiner Vergangenheit noch einmal gegenüber zu treten und seinem Vater zu vergeben. Bernd Eichinger („Der Untergang“, „Die Welle“) schrieb und produzierte, Uli Edel führte Regie, in der Hauptrolle spielt der derzeit wohl populärste deutsche Rapper Bushido sich selbst. Schulabbrecher, erst Drogendealer, dann Musiker, heute Multimillionär. Für viele eine Vorbild. Warum eigentlich? Der Film versucht nichts schön zu reden, strotzt daher teilweise vor Gewalt, auf jeder Ebene. Bushido spricht zwar immer wieder von Respekt, Ehre und sogar „der Unantastbarkeit der menschlichen Würde“, doch leider folgen dem nur selten handfeste Taten. Er fordert Respekt von allen anderen, erweist ihn dann aber lange noch nicht jedem. Was nützt es aber Respekt und sogar menschliche Würde zu predigen, wenn man sie dann selbst kaum lebt? Doch abgesehen vom – es war nicht anders zu erwarten – sehr lockeren Umgang mit Themen wie körperlicher und sprachlicher Gewalt, Drogen, Sexualität, wagt man sich an ein Thema heran, das vielleicht jeden von uns persönlich betrifft: Vergebung. Über Jahre verfolgen Hass, Ablehnung und Kälte den jungen Bushido, bis er eines Tages nicht mehr vor sich selbst fliehen kann. Sein Freund Arafat (Moritz Bleibtreu) erinnert ihn daran: „Du hast dich von deinem Vater frei gemacht, doch du wirst erst frei sein, wenn kein Hass mehr in deiner Seele ist“. |
|
|
© Constantin |
|
|
|
|
|
|
|
