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03.02.2010

Das Kabinett ...

des Dr. Parnassus

Der alte Dr. Parnassus (Christopher Plummer) zieht in diesem phantastischen Film mit einem Wandertheater durch die Straßen des heutigen London...

von Jan Bentz

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Zu seinen Gehilfen gehört auch Tochter Valentina (Lily Cole in ihrer ersten großen Rolle). Das Kernstück seiner Theatershow ist ein Spiegel, durch den eingeladene Zuschauer in die Phantasie des Methusalem-ähnlichen Parnassus gelangen können. In einer Traumwelt voller einfallsreicher, teils atemberaubender Szenen wird der Mensch dann mit seinem größten Laster konfrontiert. Jetzt muss er entscheiden: entweder er folgt seinem, meist fleischlichen, Laster, oder er beschreitet einen alternativen Weg, der ihn zum Licht führt. Folgt er seiner Sünde, wird er vom Teufel in Empfang genommen, der dann seine Seele „kassiert“.

Die Geschichte führt auch in das geheimnisvolle Leben des Dr. Parnassus. Man erfährt zunächst, dass er vor langer Zeit selbst einen Pakt mit dem Teufel (Mr. Nick alias Tom Waits) abschloss, um eine Frau zu gewinnen. Als Preis für ein ewiges Leben musste er ihm die Seele seiner Tochter Valentina an deren 16. Geburtstag versprechen. Als dieser Tag näher rückt, ist Parnassus gezwungen, seiner Tochter die ganze Geschichte zu erzählen.
Weitere Verwicklungen dieser merkwürdigen Familie bahnen sich an, als sie auf Tony (dargestellt von Heath Ledger, Johnny Depp, Jude Law, Colin Farrell) trifft. Tony wird von Valentina vor dem Erhängen durch die Mafia gerettet. Sie gefällt ihm und er bietet sich an, die Bühnenshow zu erneuern. Die neue Aufmachung zieht tatsächlich zunehmend immer mehr Schaulustige an. Tony selbst betritt gelegentlich die Phantasie des Parnassus, die Traumwelt beginnt ihn zu verwandeln (nebenbei erwähnt: ein genialer Einfall, das Problem des unerwarteten Todes Heath Legder’s zu lösen) und er verfällt immer mehr der „Sünde“. Nach und nach wird das Schicksal von Valentinas Seele mit jener von Tony verwoben.

Trümpfe des Films sind vor allem seine visuellen Effekte. Fliegende Riesenquallen, düstere Wälder, Landschaften aus riesigen Schuhen ziehen den Zuschauer in ihren Bann. Zwei zentrale Ideen stehen im Mittelpunkt: Zum einen die Problematik der grundlegenden Entscheidung des Menschen für das Gute oder das Böse (hier hauptsächlich als fleischliche Sünde dargestellt), zum anderen die Idee, dass die ganze Menschheitsgeschichte ein Märchen ist. Die erste Idee ist zwar tiefgründig und mitreißend, wird aber leider durch das Fehlen einer Entscheidung für die eine oder die andere Seite nicht wirklich gelöst. Überspitzte Darstellung und andere Mittel zeigen allerdings die Dekadenz und somit negative Auswirkungen der Sünde.

Die Idee des Märchenerzählens lag dem Regisseur und Drehbuchautor Terry Gilliam besonders am Herzen und soll den Menschen in einer materialistischen Welt wie der heutigen wieder zurück zu einer märchenhaften Auffassung des Lebens und der Geschichte führen. Dass wiederum die Menschheitsgeschichte die „Erzählung Gottes“, die Heilsgeschichte ist, kann dem Christen auf diese Weise noch anschaulicher werden.
Der Film zeigt außerdem den letzten Auftritt Heath Legders und wurde ihm gewidmet.

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© Lionsgate/Sony Pictures

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