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...ich würde meinen Weg finden.“ (Johnny Cash)
Ein Mann, ganz in Schwarz und mit einer Gitarre auf dem Rücken steht vor einer ausgeschalteten Kreissäge. Sein Zeigefinger fährt langsam über die Schneide, gerade so, dass er sich nicht verletzt. Der Schweiß rinnt ihm in Bächen vom Gesicht herunter. Als dieser Mann noch ein Kind war, hat eine solche Kreissäge sein Leben verändert.
Der Name dieses Mannes ist Johnny Cash, der wohl berühmteste Country-Musik Star des vorigen Jahrhunderts. „Walk The Line“, benannt nach seinem ersten großen Hit, erzählt das Leben von Johnny (Joaquin Phoenix) ab der frühen Kindheit bis zu seinem berühmtesten Live-Auftritt „At Folsom Prison“ 1968.
Er wird in Arkansas auf einer Farm geboren und kann schon früh sein musikalisches Talent beweisen (sein Gesangslehrer schickt ihn nach drei Stunden schon nach Hause!). Seinen Bruder Jack liebt er über alles, da er sich im Gegensatz zu seinen Eltern sehr um ihn kümmert und die meiste Zeit mit ihm verbringt. Aber noch als Kind stirbt dieser bei einem schrecklichen Arbeitsunfall, kurz nachdem ihn Johnny verlassen hatte, um angeln zu gehen. Bis ins hohe Alter begleiten Johnny Cash Schuldgefühle, da er meint, er hätte den Unfall verhindern können, wenn er nur bei seinem Bruder geblieben wäre.
Er beginnt Songs zu schreiben und wird mit 22 Jahren entdeckt. Ein rasanter Aufstieg und Tourneen mit Elvis und einer Country-Sängerin namens June Carter (Reese Witherspoon) folgen. Seiner ersten Frau Vivian gefällt das gar nicht. Er ist fast nie zu Hause, sein Familienleben gerät aus den Fugen und der Stress (300 Konzerte im Jahr waren die Regel) treibt ihn in die Alkohol- und Drogensucht. Schließlich lässt sich Vivian von ihm scheiden. Zunächst weiß er nicht wohin - aber dann tritt June Carter in sein Leben...
Wie ist das Leben als Superstar? Nicht wenige haben sich diese Frage schon gestellt. Johnnys Biographie zeigt jedenfalls, dass es kein angenehmes Leben ist: Ständige Auftritte, der enorme Erwartungsdruck, das wilde Backstage-Leben und nicht zuletzt der Schmerz über den Tod seines Bruders und Vaters lassen Johnny Ablenkung in Drogen und Alkohol suchen. Doch anstatt der gesuchten Erleichterung lassen diese ihn als psychisches Wrack zurück. Vor allem aber verliert er die Aufmerksamkeit für das, was im Leben am wichtigsten ist: am Boden zu bleiben, für geliebte Menschen da zu sein, Gutes zu tun. Er ist ständig verfolgt von der Angst zu versagen. Doch dass diese Angst absolut unbegründet ist, erkennt er nicht.
Johnny Cash ist für viele eine Legende. Nach den dunklen Zeiten der Angst und der Drogen kam es bei ihm zur Veränderung. Wie schon die Heilige Teresa von Avila sagte: „Nichts soll dich ängstigen, nichts dich erschrecken. Alles geht vorüber. Gott allein bleibt derselbe.“ Gott nimmt uns immer an, egal ob wir total versagen oder übermäßig Erfolg haben. Er ist derjenige, der das tut, was Drogen nicht fertig bringen, er hilft uns mit großem Druck umzugehen und neuen Mut zu fassen.
Es war niemand anderer als June Carter, die Johnny Cash 1969 genau darauf aufmerksam machen konnte. Sie zeigte ihm, dass er trotz seiner tragischen Vergangenheit nichts von seiner Würde verloren hatte und noch immer die Chance besaß alles zu bereuen und neu anzufangen. Sie hatte ein starkes Vertrauen in Jesus Christus und ließ Johnnys eingerosteten Glauben wieder aufblühen. Er begann sein Leben zu ändern.
Reese Witherspoon, die im Film June Carter spielt, konnte nach Beschäftigung mit ihrer Rolle bemerken: „Sie haben vieles durchgemacht. Ich meine, er war dem Tod schon so nah und ähnliches. Diese Dinge haben allmählich zu seinem Glauben beigetragen. Ich glaube, June hat viele christliche Gedanken in sein Leben eingebracht und ihn zur Kirche gebracht.“ Und Johnny Cash selbst sagte 1983 über June: „Sie hat seit den frühen Sechzigern mit mir zusammen gearbeitet und immer war sie für mich da. Jetzt hat der gemeinsame christliche Glaube das Band zwischen uns gefestigt. Sie ist meine Frau, meine Liebe, meine Freundin und meine beste Kritikerin.“
Johnny Cash starb am 12. September 2003. Am 28. August desselben Jahres erschien seine letzte Single namens „Hurt“. Mit diesem Song blickte Johnny auf sein Leben zurück: „What have I become, my sweetest friend? Everyone I know goes away in the end. And you could have it all, my empire of dirt.“ Das Video dazu (zu finden unter www.youmagazin.com) macht alles deutlich, wer Johnny Cash ist und war. „I will let you down, I will make you hurt“, sind die Empfindungen über sein Leben. Gleichzeitig siehst du im Video Jesus das Kreuz tragen, mit der Dornenkrone, durchbohrt.
Ein unglaublich starkes Video. Und Johnny Cash endet mit den Zeilen: „If I could start again; a million miles away; I would keep myself; I would find a way“ – „Wenn ich heute noch einmal beginnen könnte; eine Million Meilen fern von hier; ich würde mich bewahren und meinen Weg finden.“
Daniel Keglevic
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