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Es ist früh am morgen, die Sonne geht gerade auf. Ein kleiner, schäbig gekleideter Junge stolpert neben einem behäbigen Mann eine Landstraße entlang, ein Bündel in der Hand. Wenig später wird er in eine Halle gestoßen, in der bereits hunderte Kinder sitzen – hungrig und frierend wie er – und Sklavenarbeit verrichten.
Der Name des Jungen ist Oliver Twist. Ein Vollwaise, ohne Verwandte, wird er von einem Waisenhaus ins nächste weitergereicht und schließlich als billige Arbeitskraft an einen Bestatter verkauft. Als er die Schläge und den Hunger nicht mehr erträgt, reißt er aus und macht sich auf den Weg nach London – in die Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten. Dort wird er von Dodger, einem Straßenjungen, aufgelesen und zum Hehler Fagin (Ben Kingsley) gebracht, der eine ganze Horde Jungen zu Taschendieben ausbildet und sie für sich arbeiten lässt.
Beeindruckt von ihrem scheinbar sorglosen Leben schließt Oliver (Barney Clark) sich der Bande an. Zunächst scheint sich sein Leben endlich zum Besseren zu wenden. Doch obwohl er niemandem Böses will, ist er doch bald so tief in ein Netz von Verbrechen und Lügen verstrickt, dass er scheinbar nicht mehr heraus kann ohne die zu gefährden, die ihm am meisten geholfen haben...
Der Literatur-Klassiker von Charles Dickens wurde bereits 1948 verfilmt und wagte sich auch der Erfolgsregisseur Roman Polanski (Der Pianist) an den Stoff. Seine farbenfrohe Version des 350 Seiten starken Romans bewegt sich – ganz im Sinne Dickens - an der Grenze zwischen Märchen und Realität. Skurrile Details stehen im Wechselspiel mit der harten Realität des Englands der Industriellen Revolution und die Charaktere sind so vielschichtig, dass bis zum Schluss die Entscheidung schwer fällt, ob sie nun auf der Seite des Guten oder des Bösen stehen.
Der Widerstreit von Gut und Böse ist auch der Hintergrund, vor dem sich die Handlung abspielt. Oliver gerät in eine Welt, in der die Habgier regiert und mit Feinden kurzer Prozess gemacht wird. Es gelingt ihm aber sich einen ausgeprägten Sinn für das Gute zu bewahren und er besitzt auch die Fähigkeit die guten Seiten in all denen hervorzurufen die ihn umgeben.
Dennoch gibt es in diesem Film keine Schwarz-Weiß-Malerei: Gut und Böse, Ehrlichkeit und Lüge, Vergebung und Rache, Hoffnung und Verzweiflung sind eng verwoben zu dem Stoff, der das Leben ausmacht. Doch was schon Charles Dickens damals zu sagen versuchte, ist auch heute noch eine zeitlose Wahrheit: Es sind nicht die rauen Fasern, sondern die goldenen Fäden, die diesem Stoff erst seinen Wert verleihen.
Magdalena Trauttmansdorff
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