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01.05.2007

Flug 93

Eine wahre Geschichte von wahren Helden

Es ist früh am Morgen des 11. Septembers 2001, als der United Airlines Flug 93 den Flughafen Newark in Richtung San Francisco verlässt. Noch genießen die ahnungslosen Passagiere die Aussicht auf die Skyline von New York, doch was in den nächsten Stunden geschehen soll, wird die Welt für immer verändern.

Flug 93 ist eines von vier Flugzeugen, das am 11. September von Terroristen in ihre Gewalt gebracht wird – doch es ist das einzige, das sein Ziel nie erreicht. Nahe einer stillgelegten Kohlengrube im Bundesstaat Pennsylvania stürzt die Maschine ab und reißt 44 Menschen mit in den Tod. Die Rekonstruktion dessen, was sich in den letzten Minuten vor dem Absturz an Bord abspielte, brachte Erstaunliches ans Licht: Es war eine Gruppe junger Männer, die sich den Entführern in den Weg stellte und ein noch größeres Unglück verhindern konnte.

Mit Flug 93 ist Regisseur Paul Greengrass („Die Bourne Verschwörung“) der erste, der sich an die filmische Aufarbeitung eines der schwierigsten Themen der jüngsten Vergangenheit wagt. Mit der Genauigkeit eines Dokumentarfilms berichtet er über die Geschehnisse und fängt realistisch die unglaubliche Anspannung und das Entsetzen ein, das sich breit macht, als sich das Ausmaß der Katastrophe abzeichnet. Aus Respekt vor den Hinterbliebenen der vierzig Passagiere und Crew-Mitglieder besuchte er jede einzelne der Familien, um ihr Einverständnis für den Dreh einzuholen.

Das Ergebnis ist ein Film, der mitreißt und bewegt, nicht zuletzt wegen seines Realismus: Keine Hollywood-Stars lenken von der Story ab (Ben Sliney, der Leiter der Flugraumüberwachung New York, spielt zum Beispiel sich selbst), und die 110 Minuten des Films entsprechen genau der Zeitspanne vom Start der Maschine bis zu ihrem Absturz. Keine Zeitsprünge, keine Vor- und Rückschau lockern auf, es bleibt nur die schmerzhaft langsam verrinnende Zeit und das Bewusstsein des schrecklichen Endes.

Die Passagiere des Flugs UA93 werden heute als Helden gefeiert, die ihre Todesangst überwunden haben um weitere Menschenleben zu retten. Todd Beamer ist einer von ihnen. Er will abends wieder bei seiner Familie sein, denn seine Frau Lisa erwartet ihr drittes Kind. Es gelingt ihm, per Flugzeugtelefon eine Mitarbeiterin der Vermittlung zu kontaktieren.

Er berichtet ihr von der Entführung und sagt, dass er nicht glaubt, dass sie diese überleben werden. Er und einige andere Männer hätten vor, die Entführer zu überwältigen. Gemeinsam mit der Telefonistin betet er ein Vater Unser und den Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln… Muss ich auch wandern im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stock und Stab geben mir Zuversicht.“ Mit ruhiger Stimme sagt er noch „Jesus, hilf mir“ und bittet, dass man seine Familie benachrichtigen solle.

Dann hört die Telefonistin ihn nur noch rufen: „Are you guys ready? Let’s roll.“ Schreie und Kampflärm folgen, und wenig später bricht der Kontakt ab. Was wie eine Szene aus einem billigen Action-Film klingt, bekommt durch das Bewusstsein der Realität einen bitteren Beigeschmack - und ist vielleicht gerade deshalb so erschütternd.

Todd Beamer war Christ. Seine Freunde und Verwandten berichten, dass sein Glaube und seine Familie die beiden größten Prioritäten in seinem Leben gewesen seien. Gemeinsam mit seiner Frau Lisa gab er Kindern in seiner Heimatstadt Princeton Religionsunterricht und nahm viele Opfer auf sich, um für seine Familie und Freunde da zu sein. Noch kurz vor seinem Abflug hinterließ er einem in Schwierigkeiten geratenen Freund eine aufmunternde Nachricht.

Die Telefonistin, hielt ihr Versprechen und rief einige Tage später bei Todds Frau an, um ihr von seinen letzten Minuten zu berichten. „Wir alle wussten was für eine Art Mensch Todd war. Wir wissen, dass er im Himmel ist. Er wurde gerettet“, sagt Todds Frau Lisa. „Zu wissen dass er im Krisenfall die Persönlichkeit behielt, die wir alle kannten, ist ein Zeugnis dessen, was wahrer Glaube bedeutet.“

Magdalena Trauttmansdorff

Buchtipp:
Lisa Beamer
Let’s Roll

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