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Nach fünf Jahren Abwesenheit, in denen Kal-El (Brandon Routh) im Universum vergeblich nach seiner Bestimmung und nach Überlebenden seines explodierten Heimatplaneten „Krypton“ gesucht hat, will er zur Erde zurück. Eine Stimme spricht zu ihm: „Obwohl du unter Menschen aufgewachsen bist, gehörst du nicht zu ihnen. Manche von ihnen sind großartig. Sie bemühen sich redlich. Doch für den richtigen Weg fehlt ihnen die Erleuchtung... Deshalb habe ich dich gesandt, meinen einzigen Sohn.“
Nein, es ist kein Zufall, dass diese Worte denen aus der Bibel zum Verblüffen ähnlich sind. Superman hat sich diesmal bewusst Anleihe aus dem christlichen Glauben geholt. Das gibt dem „Mann aus Stahl“ nun einen tieferen Handlungshintergrund, der es schafft, die fiktive Story tatsächlich mit der Realität zu verbinden.
Somit bekommt der Film auf einmal einen Bezug zur Wirklichkeit, zum eigenen Leben des Zuschauers. Denn die Sehnsucht nach einem Retter der Welt ist im Herzen jedes Menschen verwurzelt. Und der echte Retter hat die Welt dadurch erlöst, indem er sich selbst aufgeopfert hat.
Echte Retter sind bereit ihr Leben zu geben. Das scheint Superman von Jesus Christus gelernt zu haben. Superman muss diesmal leiden, sterben, aber auch auferstehen... Wer versucht, unter diesem Blickpunkt ins Kino zu gehen, der wird in „Superman Returns“ ein paar interessante Details entdecken...
Zum Beispiel birgt der ursprünglicher Name Supermans „Kal-El“ die Silbe „El“ in sich, die im Hebräischen „Gott“ bedeutet, wie wir es etwa aus Namen wie Micha-el („Wer ist wie Gott“) finden. Kal-El wird zur Erde gesandt, doch muss er feststellen, dass die Welt mittlerweile keinen Superman braucht – oder keinen Superman brauchen will, worauf zumindest der Artikel „Warum die Welt auch ohne Superman auskommt“ hinweist, den ausgerechnet die Frau geschrieben hat, die er liebt: Reporterin Lois Lane (Kate Bosworth).
Dennoch: Wenn ihn ein Hilferuf erreicht, ist Superman im rot-blauen Cape zur Stelle. Manchmal rettet er die Menschen in letzter Minute – dann, wenn der Glaube an die Rettung kaum noch greifbar ist. „Jesus Christus kam in die Welt, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“, so schreibt es der Evangelist Johannes. Und trotzdem lässt uns Jesus nicht im Stich. Er zeigt immer wieder: Ich bin da. So, wie auch Superman Lois Lane beteuert: Ich bin immer ganz nah. Das ist die große Stärke des Films: Superman ist nicht einfach nur für alle da. Sondern für dich persönlich, für jeden persönlich. Interessant ist, dass Superman kein Konkurrent zu Richard, dem Freund von Lois ist. Superman ist eben nicht von dieser Welt. Das erkennen sowohl Lois als auch Richard, was schließlich ihre Liebe zueinander sogar verstärkt.
Dem Widersacher ist ein Superman natürlich nicht recht. Lex Luthor (Kevin Spacey) hat nur ein Ziel, Superman von seinem Vater zu trennen und die Erde zu zerstören. Ein Kampf auf Leben und Tod entfacht, denn Luthor ist sehr stark. Er schafft es, in Superman Kristalle hineinzubohren, Substanzen, die selbst Superman töten können. Luthor scheint ihn auch tatsächlich besiegt zu haben – wie der Teufel scheinbar gesiegt hat als, Jesus am Kreuz hing. Superman taumelt, er fällt die Klippe hinunter in die Fluten des Meeres. Und dort hört er eine Stimme, die Stimme des Vaters, der auch dort noch bei ihm ist.
Und da überschlagen sich die Parallelen zum Leben Jesu: Auch wenn Lois Lane Superman aus dem Wasser retten konnte – das Leiden geht weiter. So war es auch bei Jesus, dem Simon von Zyrene das Kreuz getragen hat. Das Schicksal aber scheint unabwendbar. – Eine Bestimmung? Superman stürzt nach einem kurzen Flug in das All Tausende von Metern in die Tiefe, schlägt schließlich am Boden auf. Alle Rettungsversuche im Krankenhaus, Superman wiederzubeleben, schlagen fehl. Die Wunde an seiner Seite - Luthor hatte ein Stück Kristal hineingebohrt – erinnert an die Wunde Jesu.
Und dann: Wie Christus auferstanden ist und niemand wusste, wo man ihn finden konnte, so verschwindet auch Superman. Und noch bevor er sich den Menschen wieder zeigt, haben sie begriffen: Die Welt braucht Superman. So lautet auch der nächste Artikel von Lois Lane: „Warum die Welt Superman braucht“. Den Retter. Die Stimme, die den Vater verkörpert, sagt wieder: „Sie können gute Menschen sein, Kal-El. Doch für den richtigen Weg fehlt ihnen die Erleuchtung.“
Vor diesem biblischen Hintergrund stören die Hollywood-typischen Handlungsmuster nicht. Etwa, dass Supermans Herz wieder zu schlagen beginnt, nachdem Lois Lane ihn geküsst hat. Auch alle unrealistischen Szenen, wie eine Rettung im All oder die plötzlich verschwundenen Spuren der Zerstörung, bekommen eine neue Dimension: Nämlich, dass für den Retter wirklich nichts unmöglich ist. Auch dann nicht, wenn eine Situation menschlich gesehen ausweglos scheint. Für Gott ist alles möglich.
Dorothea Treder, Michael Cech
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